Prisma

Gold gibt Impulse weiter

Herzgewebe, das mit feinen Goldfasern durchzogen ist, leitet die elektrischen Impulse des Herzschlages so effektiv weiter, dass auch weiter entfernte Zellen zum Schlagen angeregt werden können. Das konnte jetzt im Laborversuch mit eigens dafür gezüchtetem Herzgewebe gezeigt werden. Künftig könnte entsprechendes Gewebe Herzpatienten zur Stärkung des Herzmuskels implantiert werden.

Ein Team um Daniel Kohane vom Children‘s Hospital Boston züchtete Herzzellen, die von einem dreidimensionalen Gold-Gerüst durchzogen werden. Die 30 Nanometer dünnen und zwei bis drei Mikrometer langen Goldfäden sind für das menschliche Auge gerade noch sichtbar - und offenbar äußerst effektiv. In Untersuchungen sorgte das Nano-Netz aus Gold in den Herzzellen für eine bessere Reizverarbeitung der elektrischen Impulse. Im Gegensatz zu normalen Labor-Herzzellen kontrahierten auch weiter entfernte Zellen. Auch konnten die Forscher in dem Gewebe einen Zuwachs an den Proteinen Troponin I und Connexin-43 verzeichnen, die für die Verbindung zwischen den Herzzellen und das synchrone Schlagen verantwortlich sind. Ausgewählt hatten die Wissenschaftler das Edelmetall Gold für ihre Züchtungsversuche aufgrund seiner Leitfähigkeit, seiner guten Verträglichkeit sowie den günstigen Verarbeitungsmöglichkeiten. Übertragen auf Labortiere sollen die "goldigen" Herzzellen abgestorbenes Herzgewebe, wie es nach einem Herzinfarkt vorliegt, ersetzen können. Weiterhin ist in der Überlegung, Gold für die Züchtung von Nervenzellen zu verwenden, denn auch die Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark kommunizieren durch elektrische Impulse, die von dem Metall weitergeleitet werden könnten.


sk


Quelle: Dvir, T. et al.: Nature Nanotechnol., Online-Vorabpublikation, DOI: 10.1038/nnano.2011.160



DAZ 2011, Nr. 41, S. 8

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