Arzneimittel und Therapie

Entzündungsfaktor als Auslöser einer Schmerzkaskade?

Manchmal werden Schmerzen empfunden, ohne dass ein Auslöser vorliegt; zum Teil reagiert der Nerv schon bei nicht-schmerzhaften Reizen wie geringen Temperaturschwankungen oder leichten Berührungen. Dieser neuropathische Schmerz entsteht häufig nach Verletzungen von peripheren Nerven, beispielsweise durch Diabetes, Verletzungen oder Infektionen. Ein Freiburger Forscherteam konnte nun den Entzündungsfaktor CCL21, der ausschließlich in geschädigten Nervenzellen gebildet wird, als Auslöser des neuropathischen Schmerzes identifizieren.
Foto: psdesign1 - Fotolia.com
Geschädigte Nervenzellen synthetisieren den Ent- zündungsfaktor CCL21, der als Auslöser für neuropa- thische Schmerzen identifiziert werden konnte, und transportieren ihn in das Rückenmark.

Etwa sieben bis acht Prozent der europäischen Bevölkerung leiden an neuropathischen Schmerzen, wobei die taktile Allodynie – das Empfinden von Schmerzen bei leichten Berührungen – eine sehr häufige Unterart ist. Diese Form von neuropathischen Schmerzen beeinträchtigt die betroffenen Patienten stark und ist medikamentös nur schwer oder gar nicht zu behandeln.

Für die Entstehung des neuropathischen Schmerzes sind Fresszellen des Rückenmarks, so genannte Mikroglia, wichtig. Diese Zellen reagieren sehr rasch auf Schädigungen von peripheren Nerven und setzen im Rückenmark eine Kaskade in Gang, an deren Ende der neuropathische Schmerz steht.

Jetzt konnten Forscher erstmals einen Faktor identifizieren, der für diese Reaktion von Mikroglia verantwortlich ist. Sie konnten zeigen, dass periphere Nerven sehr schnell nach Schädigung den Entzündungsfaktor CCL21 synthetisieren und in das Rückenmark transportieren. Dieser Faktor ist essenziell für die spezifische Reaktion der Mikroglia, die zur Entstehung von neuropathischem Schmerz führt. Mäuse, die aufgrund eines genetischen Defekts kein CCL21 synthetisieren können, entwickeln im Tiermodell keinerlei neuropathischen Schmerz. Des Weiteren kann eine Blockade von CCL21 die Ausbildung neuropathischer Schmerzen verhindern. CCL21 ist der zurzeit einzige bekannte Faktor, der ausschließlich in geschädigten Nervenzellen synthetisiert wird und der gleichzeitig für die Entstehung von neuropathischem Schmerz nach peripherer Nervenschädigung nötig und ausreichend ist.


Quelle

Biber, K., et al.: Neuronal CCL21 up-regulates microglia P2X4 expression and initiates neuropathic pain development. EMBO J. 2011; 30(9): 1864-1873.


hel



DAZ 2011, Nr. 40, S. 52

Das könnte Sie auch interessieren

Neuropathischer Schmerz

Entzündungsfaktor als Auslöser

Topische Therapien ergänzen bewährte systemische Konzepte

Pharmakotherapie neuropathischer Schmerzen

Keltican® forte liefert nervenspezifische Nährstoffe

Die Nervenregeneration unterstützen

DAZ-Tipp aus der Redaktion

Neuropathische Schmerzen

Neuropathische Schmerzen sind nicht schwerer zu therapieren als „normale“

Effizientes Arsenal

Grundlagen für das Medikationsmanagement

Pharmakotherapie bei chronischen Schmerzen