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Jedes dritte OTC-Präparat "überflüssig"

BERLIN (ks). Die Stiftung Warentest hat die vierte Auflage ihres Handbuchs "Rezeptfreie Medikamente" auf den Markt gebracht. Mehr als 100 zusätzliche Arzneimittel wurden gegenüber der Vorauflage kritisch unter die Lupe genommen. Insgesamt enthält das Buch mehr als 2000 Einzelbewertungen für OTC in rund 80 Indikationen. Etwa ein Drittel dieser Arzneimittel fällt bei den Testern allerdings durch.

Selbstmedikation ist heute gang und gäbe. Besonders bei Erkältungen, Fieber, kleineren Verletzungen oder Durchfall suchen fast zwei Drittel der Menschen in Deutschland erst einmal die Apotheke auf. Wer in der Apotheke arbeitet weiß, dass nicht jedes Arzneimittel, das er im Angebot hat, tatsächlich empfehlenswert ist. Doch einigen Patienten helfen offenbar auch Präparate, von denen im Grunde keine physiologische Wirkung zu erwarten ist. Klar ist auch: OTC-Verkäufe sind für viele Apotheken überlebenswichtig.

Nun wenden sich die Experten der Stiftung Warentest abermals an die Verbraucher. Sie wollen erklären, welche der in den Apotheken rezeptfrei erhältlichen Medikamente wirklich helfen und welche Neben- und Wechselwirkungen auftreten können. Denn auch aus ihrer Sicht könnten Verbraucher auf viele der Präparate ganz verzichten. So habe rund jedes Dritte der rezeptfrei erhältlichen Mittel keinen ausreichend nachgewiesenen Nutzen, einige seien sogar gefährlich. Als Beispiel führt die Stiftung Warentest Mittel mit Schöllkraut – Iberogast und Chol-Kugeletten – an, die auf Dauer die Leber schädigen könnten. Bekannt ist auch das negative Urteil der Tester zu einer Reihe populärer Kombinationspräparate, etwa dem Schmerzmittel Thomapyrin oder den Erkältungsmitteln Wick Medinait, Aspirin complex und Doregrippin. Sie könnten aufgrund ihrer ungünstigen Zusammensetzung zu mehr Nebenwirkungen als nötig führen, so die Stiftung Warentest. Viele Medikamente werden nur eingeschränkt empfohlen, weil im Vergleich zu Standardmitteln höhere Risiken oder Nebenwirkungen bestünden. So sind beispielsweise Nasentropfen und -sprays mit Konservierungsstoffen schlechter bewertet als solche ohne – denn Konservierungsstoffe können die Nasenschleimhaut schädigen.

Das Handbuch "Rezeptfreie Medikamente" ist ein Werk von der Diplom-Biologin Annette Bopp und der Apothekerin Vera Herbst. Begleitet wurden sie von zahlreichen wissenschaftlichen Gutachterinnen und Gutachtern. Das Schlussgutachten für die Arzneimittelbewertungen übernahmen Prof. Dr. Gerd Glaeske und Dr. Judith Günther. Das Buch gibt in den Kapiteln zu den einzelnen Erkrankungen auch Ratschläge für die nicht-medikamentöse Behandlung und Hinweise, wann ein Arztbesuch erforderlich wird. Es ist im Buchhandel oder über die Stiftung Warentest erhältlich.



DAZ 2011, Nr. 39, S. 32

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