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Frankfurter Trio betrügt mit Rezepten

FRANKFURT/MAIN (jz). Die nächste große Krankenkassen-Betrugsserie: Eine Frankfurter Ärztin soll nach Absprache mehrere Tausend falsche Rezepte ausgestellt und einem Vermittler übergeben haben. Dieser ließ sich vom Apotheker statt der verschriebenen Medikamente günstigere aushändigen. Der Apotheker rechnete die Rezepte bei den Krankenkassen regulär ab, wodurch den Krankenkassen ein Schaden von rund zwei Millionen Euro entstanden sein soll. Der Apotheker hat mittlerweile gestanden, der Vermittler sitzt in Untersuchungshaft und die Ärztin ist unauffindbar.

Das Vorgehen des Trios war gut durchdacht: Die Ärztin suchte sich aus ihrer Patientendatei die Daten von gesetzlich Krankenversicherten heraus und stellte für diese Rezepte aus. Der 59-jährige Mittler ging mit den Rezepten zum Apotheker und ließ sich von diesem andere, im Wert unter den verschriebenen Medikamenten liegende Medikamente ausgeben – laut der "Frankfurter Rundschau" Potenzmittel und Appetithemmer. Gegenüber den Krankenkassen rechnete der Apotheker die Rezepte regulär ab. Die Folge: Rund zwei Millionen Euro Schaden für die Krankenkassen.

Den entscheidenden Hinweis für die zuständige Generalstaatsanwaltschaft gab im Oktober 2009 die Verdachtsmitteilung der AOK: Die Anzahl der Rezepte, die die Ärztin im Zeitraum Januar bis Oktober 2009 ausstellte, war exorbitant angestiegen und die Rezepte wurden stets in der gleichen, weit vom Standort der Praxis entfernten Apotheke im Bahnhofsviertel eingelöst. "Dies war ungewöhnlich, daher führten wir eine Versichertenbefragung durch", so Stephan Gill von der AOK Hessen gegenüber der DAZ. Die Befragung bestätigte, dass die angeblichen Patienten die vermeintlichen Rezepte nie erhalten oder eingelöst hatten. "Die Summe des Schadens beläuft sich allein für die AOK Hessen auf rund eine Million Euro", bestätigte Gill.

Die Ermittlungen unter Oberstaatsanwalt Alexander Badle, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen, zeigten Erfolg: Im vergangenen Juni stellte sich der Apotheker und legte ein umfassendes Geständnis ab. Er wird sich nach Abschluss der Ermittlungen vor Gericht für seine Tat verantworten müssen. Damit ist laut Badle jedoch frühestens im ersten Quartal des neuen Jahres zu rechnen.

Vergangenen Donnerstag erließ die Generalstaatsanwaltschaft außerdem einen Haftbefehl gegen den 59-jährigen Mittler und durchsuchte seine Wohnung. Auch wenn die Pillen dabei nicht aufgefunden wurden, so wurden Beweise sichergestellt, die einen direkten Kontakt des Mittlers zur Ärztin – den dieser bis dahin bestritten hatte – belegen, sagte Badle zur DAZ. Auch gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Mittler die Betrugsserie mit einem anderen Apotheker weiter fortsetzte. Er wurde daraufhin festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft.

Allein die Ärztin ist unauffindbar. Gegen sie wurde bereits im Januar 2010 Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung in 77 Fällen in den Jahren 2002 bis 2006 erhoben. Damals ging es ebenfalls um fingierte Rechnungen. Der Gesamtschaden für die Krankenkassen soll sich laut Bericht der "Frankfurter Rundschau" auf über 100.000 Euro belaufen haben. Weil die Ärztin damals zur Hauptverhandlung nicht erschien, wurde ein Haftbefehl gegen sie erlassen. Seitdem sei sie untergetaucht und die Fahndung laufe, so Badle.



DAZ 2011, Nr. 37, S. 40

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