Prisma

Die Menopause ist nicht schuld

Warum sterben Frauen nach der Menopause häufiger an Herzinfarkt als davor? Die Antwort auf diese Frage lautete noch bis vor einigen Jahren: Weil ihnen Estrogene fehlen. Britische Wissenschaftler meinen nun jedoch, es liegt schlicht am Alter.

Foto: DAK/Wigger
Bei Frauen steigt die Herzinfarktmortalität ab 45 Jahren deutlich an. Mit der Menopause hat das britischen Forschern zufolge aber nichts zu tun.

Der Zusammenhang zwischen der Abnahme der Estrogenproduktion in der Menopause, der damit fehlenden kardialen Schutzwirkung und dem somit erhöhten Herzinfarktrisiko wurde noch bis vor einigen Jahren von niemandem angezweifelt. Er war vielmehr ein wichtiger Grund für den weit verbreiteten Einsatz der Hormonersatztherapie. Durch die seit 2002 bekannt gewordenen Daten der Women‘s Health Initiative, die neben einer erhöhten Brustkrebssterblichkeit auch ein erhöhtes Herzinfarktrisiko unter Hormongabe belegen, ist die Strategie mittlerweile ins Abseits geraten.

Ein Team um Dhananjay Vaidya von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore schreibt nun im "British Medical Journal", dass sie ohnehin auf einer falschen Basis beruhte. Ihrer Aussage nach begründet sich das nach der Menopause erhöhte Herzinfarktrisiko bei Frauen nicht durch einen Estrogenmangel, sondern schlichtweg durch das höhere Alter. Die Herzinfarktmortalität steigt bei ihnen ab dem 45. Lebensjahr um ca. acht Prozent jährlich. Bei Männern in diesem Alter liegt die Zunahme bei 5,2 Prozent jährlich. Während das bei ihnen verglichen mit jüngeren Jahren, wo die Zahl der Herzinfarkttodesfälle um bis zu 30 Prozent pro Jahr steigt, einer "Entschleunigung" entspricht, wird die Zunahme bei Frauen eher als "Beschleunigung" wahrgenommen. Dieser Eindruck sei aber falsch und habe nichts mit der Menopause oder einer abnehmenden Hormonproduktion zu tun.


ral


Quelle: Vaidya, D. et al.: Brit. Med. J. 2011; 343:d5170



DAZ 2011, Nr. 37, S. 8

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