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"Wir verstehen uns als Dienstleister"

STARNBERG (diz). Ohne EDV, ohne Computer und Software läuft heute nichts mehr in einer Apotheke. Eine Rezeptbelieferung ohne vorherigen Blick auf den Bildschrim, aber auch die Weiterverarbeitung eines Rezepts ist ohne Apothekensoftware nicht mehr machbar. Um so wichtiger ist die Auswahl eines auf die Bedürfnisse der Apotheke zugeschnittenen Warenwirtschaftssystems. Den Markt der Apothekensoftwareanbieter teilen sich heute nur noch wenige Unternehmen. Wir sprachen mit dem Haus Pharmatechnik in Starnberg und baten den geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Detlef Graessner und den Geschäftsführer Dr. Mathias Schindl um eine Einschätzung des Marktes.
Foto: Pharmatechnik
Dr. Detlef Graessner, geschäftsführender Gesellschafter bei Pharmatechnik
DAZ: Wieder ist Bewegung in den Markt der Apothekensoftware-Häuser gekommen. ARZ Haan verkauft zu einem Großteil sein Softwarehaus Lauer-Fischer und konzentriert sich damit auf sein Abrechnungszentrum. Sie sind einen anderen Weg gegangen: Als Softwarehaus und Dienstleister für Apotheken haben Sie einen Rezeptabrechner hinzugenommen. War die Entscheidung aus heutiger Sicht richtig?

Graessner: Wir bieten die Rezeptabrechnung seit einem Jahr an – und treffen eigentlich überall auf interessierte Apotheker. Denn wir können ihm ein Komplettangebot machen, das für ihn wesentliche Vorteile bereit hält – vom Warenwirtschaftssystem über den Kommissionierer bis hin zur Rezeptabrechnung. Alle Apotheken-Neugründer, die sich für unser System entschieden haben, arbeiten deshalb auch mit unserem Rechenzentrum, dem Deutschen Apotheken-Rechenzentrum, zusammen.

Schindl: Die Gründung war ein wichtiger und richtiger Schritt. Die Verknüpfung zwischen der Kasse, dem Warenwirtschaftssystem und dem Rechenzentrum – das ist ein gutes Argument und nützt dem Apotheker auch. So können Daten sinnvoll zusammengeführt werden. Der Apotheker behält den Überblick, dass das, was er ans Rechenzentrum schickt, auch ankommt und abgerechnet wird. Ein Image des Rezeptes kann direkt vom Kassenterminal aus abgerufen werden. Nach unserer Auffassung gehören diese zwei Dienstleistungen, Warenwirtschaft und Rezeptabrechnung, deshalb auch unbedingt zusammen.


DAZ: Zur Kernkompetenz von Pharmatechnik, der Apothekensoftware. Ganz allgemein gefragt: Worauf kommt es heute bei einer Apothekensoftware in erster Linie an? Computer und Software machen und können andere auch. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Merkmale für eine Apothekensoftware?


Graessner: Eine moderne und effektive Software muss die in der Apotheke ablaufenden Prozesse zeit- und arbeitssparend abbilden können. Wir haben rund 5000 Apotheken als Kunden, rund 33 Jahre Erfahrung – wir wissen, wie eine Apotheke funktioniert und nutzen dieses Wissen, um sowohl die Warenwirtschaft XT als auch unsere neue Software IXOS entsprechend zu programmieren. Wir sind sicher: Wir tun alles, um den Anforderungen in der Apotheke gerecht zu werden.

Schindl: Unsere Neuentwicklung IXOS, die wir vor fünf Jahren gestartet haben, bietet zudem vielfältige Möglichkeiten, dem Apotheker bestimmte Aufgaben abzunehmen oder gleich ganz den Automaten zu überlassen – wie etwa die Lagerhaltung durch einen Kommissionierautomaten. Viele Aufgaben erledigt das System heute von alleine. Unser Ansatz mit der Neuentwicklung war, die Menge an Innovation und Vielfalt, die im System steckt, auf eine einfache Weise zu präsentieren, so dass der Anwender den Fortschritt und die Funktionalität auch nutzen kann. Ein leistungsfähiges System muss sich heute möglichst einfach präsentieren, so dass es auch genutzt wird. Es macht Freude, zu sehen, dass die Apotheker gerne mit unserem System arbeiten.


DAZ: Warum sollte sich eine Apotheke für ein System von Pharmatechnik entscheiden?


Graessner: Kontinuität über 33 Jahre – das ist für die Apotheke natürlich ein sehr wichtiger Punkt, denn das bedeutet auch, für die Zukunft einen verlässlichen Partner zu haben. Dann: unsere Innovationsfreudigkeit. Wir wollen dem Apotheker aufzeigen, wohin sich der Markt bewegt, wir entwickeln für ihn Visionen, um ihm Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Darüber hinaus interessiert uns schließlich auch, wie man Prozesse in der Apotheke noch optimieren und weitere Reserven herausholen kann. Für diese Aufgaben hat Pharmatechnik die notwendige Beratungskompetenz und erfahrenes Personal.

Schindl: Ein großes Pfund, mit dem wir wuchern können, ist außerdem unser Mietsystem. Wir garantieren dem Apotheker einen festen Mietpreis über fünf Jahre mit Full-Service und einem Vier-Stunden-Service von Montag bis Samstag und einer Rufbereitschaft am Sonntag. So können unsere Anwender auch im Nachtdienst zur EDV eine Frage stellen. Der Vor-Ort-Service kostet die Apotheke keinen Cent extra, der ist in der Miete enthalten. Damit verfügen unsere Kunden immer über die aktuelle Technologie und können gleichzeitig enorme steuerliche Vorteile geltend machen. Das Mietsystem gibt dem Kunden auch die Sicherheit, dass wir nicht nachlassen in der Wartung, im Service oder in der Pflege des Systems – denn der Kunde würde andernfalls die Mietzahlung reduzieren oder einstellen.


DAZ: Da sind wir schon beim Knackpunkt vieler Softwarehäuser: die Hotline, der Support. Wie sieht es hier bei Pharmatechnik aus?


Graessner: Support und Hotline – das hatte bei Pharmatechnik schon immer größte Priorität. Denn wir wissen, dass unsere Apotheker auf eine funktionierende Software angewiesen sind. Keiner kann es sich vor dem Hintergrund der Gesundheitsreformen und AMNOG noch leisten, länger auf die EDV zu verzichten. Wir werden deshalb auch nicht den Weg gehen, aus Wettbewerbsgründen den Preis unserer Systeme zu senken und damit auch einen schlechteren Support anzubieten. Der Service ist für Pharmatechnik das A und O.


DAZ Wie sieht es mit Schulungen für das System aus?


Graessner: Schulung ist notwendig – manchmal sogar auch für erfahrene Anwender. Wir nehmen uns ausreichend Zeit, die Mitarbeiter auf unser System zu schulen, in der Regel zwei bis drei Tage. Jährlich installieren unsere 165 Techniker über 1000 Systeme, also rund 80 bis 100 Systeme im Monat.

Schindl: Wir bieten den Apotheken an, während der gesamten Mietlaufzeit das Personal kostenfrei zu unseren Schulungen an unseren 14 Standorten zu schicken. So können beispielsweise auch immer wieder neue Kräfte in der Apotheke mit der Arbeit an unserem System vertraut gemacht werden.


DAZ: Wie schätzen Sie den Markt der Apothekensoftwarehäuser heute ein? Jeder Apotheke hat eine EDV-Anlage, ohne geht es nicht mehr. Neueröffnungen sind eher selten. Also ein reiner Verdrängungswettbewerb. Ist der Markt eher schwierig oder sehen Sie Chancen für Pharmatechnik?


Graessner: Bei Neugründungen von Apotheken können wir selbstverständlich neue Kunden gewinnen. Ansonsten ist in diesem Markt durchaus ein Verdrängungswettbewerb im Gang. Aber wir sind auch hier erfolgreich, denn wir können dem Neukunden viele Gründe nennen, warum ihm unser System Vorteile für seine Apotheke bringt und wir zeigen ihm, dass er mit unserer EDV letztendlich Geld sparen kann.


DAZ: Wie würden Sie denn den typischen Pharmatechnik-Kunden definieren, welches Profil hat er?


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Dr. Mathias Schindl, Geschäftsführer bei Pharmatechnik

Schindl: Unser Kunde hat den Wert eines funktionierenden Systems verstanden, das darüber hinaus noch einen guten Service hat. Er ist besonders kritisch mit dem Warenwirtschaftssystem, da er es gemietet hat. Aufgrund unseres Fullservice-Angebots verlangt er auch viel von uns. Er ist moderner Technik nicht abgeneigt und ist interessiert an unseren Beratungsangeboten. Er ist bereit, neue Wege zu gehen – weiß aber um seine Verantwortung für Personal und Kundschaft. Dabei will er unterstützt werden und nutzt deshalb auch den Service von Pharmatechnik.


DAZ: Sie sehen sich also als ein Haus, das weit mehr als nur ein Software-Anbieter ist?


Graessner: Auf alle Fälle – und das schon lange. Wir verstehen uns als Dienstleister rund um die Apotheke, Von der Software über die Beratung bis zur Fortbildung, bei uns erhält der Apotheker alles aus einer Hand. Wir wissen, wie eine Apotheke optimal funktioniert und was man dafür tun muss.

Schindl: Das jüngste Angebot auf diesem Gebiet ist unser Web-College, eine Art elektronisches Klassenzimmer, in das wir unsere Kunden einladen, um an Vorträgen, Seminaren und Schulungen teilzunehmen. Im Web-College kann man live und interaktiv mitarbeiten, vom PC zu Hause aus, Fragen stellen und mitdiskutieren. Ich glaube, wir haben hier ein abwechslungsreiches und informatives Programm auf die Beine gestellt.


DAZ: Was ist in der Zukunft zu erwarten? Wo geht es lang mit der IT? Elektronische Gesundheitskarte? Pharmazeutische Betreuung? Therapiemanagement? Arzt-Apotheker-Vernetzung?


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IXOS nennt sich die neue Software aus dem Haus Pharmatechnik. Sie bietet vielfältige Möglichkeiten, dem Apotheker bestimmte Aufgaben abzunehmen oder ganz den Automaten zu überlassen.

Schindl: Wir glauben, dass die elektronische Gesundheitskarte eine gute Chance hat. Wir gehen davon aus, dass die Apotheker immer mehr standardisiert arbeiten müssen – hier können wir mit unserer EDV helfen. Das wird ein Schwerpunkt in unserer Arbeit sein; hinzu kommt die zunehmende Automatisierung. Die Warenwirtschaft wird den Apotheker noch stärker in seinen Routineaufgaben unterstützen. Die Technik kann entscheidend dazu beitragen, dem Apotheker mehr Zeit zur Beratung zu verschaffen …

Graessner: … um seine Kunden weiter in den Mittelpunkt zu rücken. Denn in der Beratung liegt die eigentliche Kernkompetenz des Apothekers. Und von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt in Richtung Therapiemanagement. Genau hier liegt die Chance der Apotheke in der Zukunft.


DAZ: Herr Dr. Graessner, Herr Dr. Schindl, wir bedanken uns für das Gespräch.



DAZ 2011, Nr. 32, S. 27

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