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Ausbildung und Berufsaussichten in Österreich

Auf dem ADEXA-Erlebnis- und Gewerkschaftstag in Köln berichteten Vertreter des Verbands Angestellter Apotheker Österreichs (VAAÖ) über die Arbeitsmöglichkeiten in Österreichs öffentlichen Apotheken. Wir haben die VAAÖ-Präsidentin Mag. pharm Ulrike Mayer über die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen speziell für PKA in unserem südlichen Nachbarland befragt:
Foto: ADEXA
Ulrike Mayer, VAAÖ-Präsidentin

? Frau Mayer, wie verläuft die Ausbildung zur/zum PKA in Österreich?

Mayer: Der Beruf der PKA ist ein Lehrberuf, d. h. nach der Pflichtschule (Schulabgang mit positivem Zeugnis der 9. Schulstufe mit ca. 15 Jahren) kann mit der Ausbildung begonnen werden. Es ist eine duale dreijährige Ausbildung mit Anstellung in einer Apotheke und gleichzeitigem Schulbesuch. Wird erst nach dem Abitur begonnen, reduziert sich die Ausbildung auf zwei Jahre. Der Schulbesuch variiert in den verschiedenen österreichischen Bundesländern. Der Unterricht kann ein paar Wochen pro Jahr blockweise in speziellen Berufsschulen stattfinden oder, wie in Wien, an zwei Tagen pro Woche (ca. 12 Stunden) während des Schuljahres.

Es gibt jährliche Schulzeugnisse; am Ende der Ausbildung findet eine Prüfung statt, wobei die Prüfer teils vom Apothekerverband (Selbstständige), teils von der Arbeiterkammer oder Gewerkschaft kommen.

Näheres zur PKA-Ausbildungsordnung kann man auf der Homepage der österreichischen Apothekerkammer nachlesen: www.apothekerkammer.at.


? Wie sieht es nach bestandener Prüfung mit den Arbeitsbedingungen aus?

Mayer: Die Arbeitszeit beträgt bei Vollarbeit 40 Stunden pro Woche; Teilzeitarbeit ist meistens möglich. Der gesetzliche Urlaubsanspruch beläuft sich auf 25 Arbeitstage im Jahr, eine sechste Urlaubswoche gibt es laut Kollektivvertrag ab einer anrechenbaren Dienstzeit von 25 Jahren. Diese 30 Arbeitstage werden bei Teilzeitarbeit entsprechend umgerechnet und auf halbe Urlaubstage aufgerundet.

Bei den PKA-Gehältern gibt es zehn Gehaltsstufen für je zwei Berufsjahre bis zum 20. Berufsjahr, dann folgt die elfte = letzte und höchste Gehaltsstufe nach dem 20. Berufsjahr. 2011 lag das Anfangsgehalt (1. u. 2. Berufsjahr) brutto bei 1444 Euro; nach Abzug von Steuer und Sozialversicherungen kommen PKA auf mindestens 1130 Euro netto. Ab dem 20. Berufsjahr liegt das Gehalt brutto bei 2424 Euro und netto bei mindestens 1630 Euro.

Die Auszahlung erfolgt 14-mal jährlich. Das 13. und 14. Gehalt sind steuerlich begünstigt, daher ist das Netto im Allgemeinen höher als bei den anderen Gehältern. Die Nettogehälter insgesamt können auch dann höher sein, wenn man z. B. Kinder hat. Natürlich kann jede PKA in ihrem Dienstvertrag auch eine höhere Bezahlung aushandeln.

Vergleich Österreich – Deutschland

A
D
Apotheken
1.280
21.441
PKA in Ausbildung
> 1.100
5.438
Fertige PKA
4.300
34.719

? Und was sind die Tätigkeitsfelder der PKA in öffentlichen Apotheken?

Mayer: In der öffentlichen Apotheke sind sie hauptsächlich für den Einkauf und die Lagerhaltung verantwortlich, werden aber auch im Verkauf tätig. Laut Gesetz dürfen PKA in der Apotheke all das verkaufen, was kein Arzneimittel ist (Kosmetik, Kindernahrung, Nahrungsergänzung, Verbandstoffe usw.), sowie jene Arzneimittel, die in der "Abgrenzungsverordnung" stehen. Das sind Arzneimittel, die auch in Drogerien verkauft werden dürfen, zumeist Vitaminpräparate und pflanzliche Arzneimittel (Baldriantinktur usw.). PKA unterstützen auch die Apotheker bei der magistralen Rezeptur (Salben rühren, Zäpfchen gießen, Kapseln füllen) und bei der Abgabe rezeptpflichtiger Arzneimittel (Waren vorbereiten).


? Was sind die Voraussetzungen, wenn eine deutsche PKA in Österreich arbeiten möchte? Wie stehen die Chancen, eine Stelle zu finden, und wo kann man sich über offene Stellen informieren?

Mayer: Der Berufszugang ist nicht so aufwendig wie bei Apothekern und läuft nicht über die Apothekerkammer. Solange es sich um EU-Staatsbürger handelt, sollte es hier keine Probleme geben. Genaueres ist über den Österreichischen Apothekerverband zu erfahren.

Zu den Chancen: Derzeit werden in Österreich viele PKA gesucht. Für die deutsche PKA sollte die Sprache kein Hindernis bei der Stellensuche sein.

Freie Stellen findet man auf der Homepage des Apothekerverbands: www.apoverband.at.

In der Rubrik Service gibt es einen Stellenmarkt für PKA mit Angeboten, nach Bundesländern geordnet. Außerdem kann man dort auch selbst ein Online-Stellengesuch aufgeben.

Auch in der Österreichischen Apothekerzeitung (ÖAZ) finden sich Stellenangebote, und zwar immer auf der vorletzten Seite: www3.apoverlag.at > ÖAZ > "Ja, ich gehöre dieser Berufsgruppe an" klicken > pdf-Download.


? In Deutschland werden die PKA von ADEXA tarif- und berufspolitisch vertreten. Welche Gewerkschaft ist in Österreich für die PKA zuständig?

Mayer: Die gewerkschaftliche Vertretung der PKA läuft über den ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund), und hier über die GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten). Da jedoch nur wenige PKA Mitglied sind und es generell eine kleine Berufsgruppe ist, hat sie keine eigene Vertretung. Die jährlichen Verhandlungen zur Erhöhung der Kollektivvertragsgehälter usw. werden von der Sektion Handel der Gewerkschaft geführt.


! Frau Mayer, herzlichen Dank für das informative Gespräch!

Info


Der aktuelle Kollektivvertrag (Tarifvertrag) für PKA in Österreich ist auf der Website der Gewerkschaft GPA-djp als Download zu finden:

www.gpa-djp.at, Suchwort PKA



DAZ 2011, Nr. 32, S. 73

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