Arzneimittel und Therapie

Basistherapeutika könnten Diabetesrisiko senken

Der Therapieerfolg bei Rheuma ist individuell sehr unterschiedlich und hängt im Wesentlichen von einem frühzeitigen Therapiebeginn, aber auch von der spezifischen Medikation ab. Vielfach empfohlen werden Medikamente, die den Krankheitsprozess beeinflussen können. Diese als DMARD (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs) bezeichneten Basistherapeutika führen zu einer Verbesserung der Beschwerden, aber nicht zu einer Heilung. Wie eine retrospektive Kohortenstudie jetzt zeigt, könnte diese Basistherapie Patienten mit rheumatoider Arthritis und Psoriasis vor einem Diabetes schützen.

Patienten mit rheumatischen Erkrankungen haben eine erhöhte Risikorate für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies kann auf eine direkte Wirkung der Entzündungsprozesse bei der Entwicklung einer Arteriosklerose zurückgeführt werden, aber auch auf weitere Risikofaktoren wie einen Typ-2-Diabetes, für den diese Patienten ebenfalls eine signifikant höhere Risikorate aufweisen. Über verschiedene Mechanismen kann es durch die Entzündung zur Insulinresistenz und zum Diabetes kommen. Der Tumornekrosefaktor (TNF) und Interleukin (IL) 6 blockieren Insulin offensichtlich auf Rezeptorebene, andererseits sind das C-reaktive Protein (CRP) und der Plasminogen-Aktivator-Inhibitor (PAI) mit der Insulinsensitivität negativ assoziiert.

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Rheumatische Erkrankungen Die zur Be- handlung von Rheuma eingesetzten Basisthe- rapeutika DMARD (Disease Modifying Anti- Rheumatic Drugs) könnten das Diabetesrisiko bei diesen Patienten senken. Ob die Evidenz der Ergebnisse der retrospektiven Kohorten- studie ausreicht, um Änderungen der Therapie daraus abzuleiten, wird diskutiert.

Senkung des Diabetesrisikos vom Wirkstoff abhängig

Im Rahmen einer Basistherapie gegen Rheuma, die zu einer Verbesserung der Beschwerden führt, wird am häufigsten das Immunsuppressivum Methotrexat (MTX) eingesetzt. Ähnlich wirksam sind Penicillamin und Sulfasalazin. Andere Basistherapeutika sind Cyclosporin, Leflunomid, Azathioprin, die seltener eingesetzten Gold-Verbindungen Auranofin und Natriumaurothiomalat sowie die ursprünglichen Malaria-Medikamente Chloroquin und Hydroxychloroquin.

Eine Behandlung mit Basistherapeutika könnte die Rate von Neuerkrankungen am Typ-2-Diabetes bei Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis und Psoriasis senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine retrospektive Kohortenstudie US-amerikanischer Wissenschaftler nach der Auswertung von Patientendaten von mehr als 120.000 Versicherten aus Kanada und den USA, die DMARD (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs) erhalten hatten. Die meisten dieser Patienten litten an einer rheumatoiden Arthritis, einige auch an einer Psoriasis, bei der diese Wirkstoffe gelegentlich zur Arthropathie-Therapie eingesetzt werden.

Der Rückgang der Diabetesrate war allerdings vom eingesetzten Wirkstoff abhängig. Am stärksten war er unter Hydroxychloroquin (46%). Vergleichsgruppe waren Patienten, die mit nicht-biologischen DMARD wie Sulfasalazin, Leflunomid, Cyclosporin behandelt worden waren. Für TNF-Inhibitoren wurde eine Senkung um 38% ermittelt; das am häufigsten als Basistherapeutikum verschriebene Methotrexat senkte das Diabetesrisiko hingegen nur um nicht-signifikante 23%.

Die Aussagekraft der retrospektiven Studie wird allerdings in einem Kommentar bezweifelt und die scheinbar protektive antidiabetische Wirkung auf eine allgemeine entzündungshemmende Wirkung der Präparate mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen zurückgeführt. Erst prospektive Studien sollten zu einer Modifizierung der Behandlungsleitlinien führen.


Quelle

Daniel H. Solomon; et al.: Association Between Disease-Modifying Antirheumatic Drugs and Diabetes Risk in Patients With Rheumatoid Arthritis and Psoriasis. JAMA 2011; 305(24): 2525 – 2531.

Bongartz, T., Kudva, Y.: Can Treatment of Chronic Inflammatory Diseases Reduce the Risk of Diabetes Mellitus? JAMA. 2011; 305(24): 2573 – 2574.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2011, Nr. 26, S. 43