Arzneimittel und Therapie

Kombinationstherapie mit additiven vasoprotektiven Effekten

Sowohl Olmesartan als auch Amlodipin senken effektiv den Blutdruck und vermitteln zugleich antiatherogene Wirkungen. Die vasoprotektiven Effekte der Kombination der beiden Wirkstoffe sind aktuellen Daten zufolge deutlich ausgeprägter als bei den Einzelsubstanzen.

Der AT2-Inhibitor Olmesartan und der Kalziumantagonist Amlodipin haben sich im klinischen Einsatz bewährt, wobei die Hintergründe der antiatherogenen Wirkung der beiden Substanzen noch nicht voll verstanden werden. Durch Untersuchungen mittels eines in vitro-Bifurkationsmodells wurde nunmehr dokumentiert, dass sowohl Olmesartan als auch Amlodipin die Expression von Adhäsionsmolekülen wie VCAM-1 und E-Selectin in Monozyten und Endothelzellen reduzieren bei zugleich höherer Expression von eNOS und damit besserer Verfügbarkeit des Vasodilatators NO. Die Effekte waren unter der Kombination der beiden Wirkstoffe deutlich ausgeprägter als unter den Einzelsubstanzen.

Die Befunde dürften sich in einer reduzierten Chemotaxis der Monozyten und einer verminderten Adhäsion am Endothel niederschlagen und damit in einer geringeren Atherogenität. Die Untersuchungen dokumentierten zugleich einen klaren additiven Effekt des Sartans und des Kalziumantagonisten. Das bestätigt in vivo-Beobachtungen, wonach die Kombination von Olmesartan und Amlodipin die Endothelfunktion bessert.

Gute Argumente für Fixkombinationen

Klinisch spricht sogar einiges für eine Fixkombination aus drei antihypertensiv wirksamen Substanzen wie Olmesartan, Amlodipin und Hydrochlorothiazid (HCT). Denn nach wie vor wird trotz antihypertensiver Behandlung nur bei rund einem Drittel der Hypertoniker tatsächlich ein entsprechend der Vorgaben in den Leitlinien kontrollierter Blutdruck erzielt. Angestrebt werden sollten nach den aktuellen Empfehlungen generell Blutdruckwerte unter 140/90 mmHg, wobei bei Diabetikern, bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung und bei Patienten nach Schlaganfall zu einer Einstellung des Blutdrucks in einem Korridor von 130 bis 140/80 bis 85 mmHg und dabei hin zum eher unteren Bereich geraten wird.

Mittels einer Monotherapie ist ein solches Ziel bei der Mehrzahl der Patienten nicht zu erreichen. Ist eine Kombinationsbehandlung erforderlich, so sollte am besten eine Fixkombination zum Einsatz kommen, da die Compliance der Patienten direkt von der Zahl der täglich einzunehmenden Tabletten abhängt. Fixkombinationen bedingen gegenüber frei wählbaren Kombinationen somit Compliancevorteile, die sich aktuellen Analysen zufolge ihrerseits in einer niedrigeren Hospitalisierungsrate und damit auch in ökonomischen Vorteilen niederschlagen.


Definitionen und Klassifikation der Blutdruckwerte (mmHg).

Fallen die systolischen und diastolischen Blutdruckwerte eines Patienten in verschiedene Kategorien, dann gilt die höhere Kategorie.

Kategorie
systolisch
diastolisch
optimal
< 120
< 80
normal
120 – 129
80 – 84
hoch normal
130 – 139
85 – 89
Grad 1 Hypertonie (leicht)
140 – 159
90 – 99
Grad 2 Hypertonie (mittel)
160 – 179
100 – 109
Grad 3 Hypertonie (stark)
≥ 180
≥ 110
isolierte systolische Hypertonie
≥ 140
< 90
Quelle: Deutsche Hochdruckliga: Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Arteriellen Hypertonie, www.hochdruckliga.de/Hypertonie-Leitlinien, Stand 1. Juni 2008.

Dreifachkombi optimiert die Blutdruckkontrolle

Dass eine Dreifachkombination aus 40 mg Olmesartan, 10 mg Amlodipin und 25 mg HCT klinisch sinnvoll ist, belegen die Ergebnisse der Trinity-Studie bei 2492 Hypertonikern, die entweder mit einer Kombination aus Olmesartan und Amlodipin, einer Kombination aus Olmesartan und HCT, einer Kombination aus Amlodipin und HCT oder mit der Dreifachkombination der Wirkstoffe behandelt wurden. Sowohl beim diastolischen wie auch beim systolischen Blutdruckwert ergab sich in der Studie eine signifikant bessere Reduktion der Werte unter der Dreifachkombination gegenüber den übrigen Studiengruppen. Es resultierte eine signifikant höhere Rate an Patienten, die den Zielblutdruck (in Woche 6, 8, 10 und 12) erreichten. Konkret konnte durch die Dreifachkombination bei 74% der Patienten ein systolischer Blutdruck unter 140 mmHg und bei 86% ein diastolischer Blutdruck unter 90 mmHg realisiert werden. Die Dreifachkombination wurde zugleich von den Patienten gut toleriert.

Die Ergebnisse werden durch die Crush-Studie bestätigt, in der durch die Dreifachkombination bei sogar 90% der Patienten mit schwer einstellbarer Hypertonie ein Blutdruck unter 140 mmHg erzielt werden konnte.


Quelle

Prof. Dr. Christoph Garlichs, Erlangen, Prof. Dr. Roland E. Schmieder, Erlangen, Symposium "Vom Molekül zur Therapie – Forschung auf dem Weg in die Praxis" bei der 77. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung, Mannheim, 27. April 2011, veranstaltet von der Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München.


Medizinjournalistin Christine Vetter



DAZ 2011, Nr. 25, S. 39

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