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Negierung medizinischer Fakten

Wirksamkeit und Sicherheit von Impfungen werden von Impfgegnern unterschiedlicher Couleurs angezweifelt. Wie Dr. Wolfgang Maurer, Wien, aufzeigte, negieren sie die Gefährlichkeit infektiöser Erkrankungen und bauen ihre Argumentation auf nicht naturwissenschaftlichen, teilweise abstrusen Argumenten auf.
Foto: DAZ/diz
Wolfgang Maurer

Durch Impfungen werden das individuelle Risiko und das Risiko für die Gemeinschaft reduziert. Wie dramatisch diese Risikoreduktion aussehen kann, zeigen etwa die Ausrottung der Pocken und der drastische Rückgang von Masern, Polio und Diphtherie, die seit der großflächigen Impfung nicht mehr oder nur noch vereinzelt auftreten. Welche Auswirkungen ein ungenügender Impfschutz nach sich zieht, zeigt wiederum das sporadische Aufflackern von Masern, wenn die Herdenimmunität nicht mehr für einen durchgängigen Impfschutz ausreicht.

Durch den relativ hohen Impfschutz und das eher seltene Auftreten impfpräventabler Infektionskrankheiten wird deren Gefährlichkeit oftmals verkannt oder – wie von Maurer formuliert – "das Problem von Impfungen ist, dass sie so erfolgreich sind". Da die Folgen einer Erkrankung wie etwa Polio nicht mehr im kollektiven Gedächtnis haften und eigene Krankheitserfahrungen fehlen, wird die Schwere einer Infektionserkrankung nicht mehr richtig eingeschätzt. Das führt mitunter dazu, dass der Benefit einer Impfung verdrängt wird und nur noch mögliche Nebenwirkungen einer Impfung diskutiert werden. Im Vordergrund stehen nicht mehr das Leid und die bisweilen lebenslangen Folgen einer Infektion, sondern weltanschauliche Fragen und Bedenken, die nicht im Verhältnis zum Nutzen einer Impfung stehen. Besonders tragisch erscheint, dass eine potenziell so weitreichende Entscheidung wie die Ablehnung einer Impfung in der Regel nicht vom betroffenen Individuum selbst gefällt wird, sondern von Dritten, meist von den Eltern. Maurer zufolge haben Kinder das Recht auf höchstmögliche Gesundheit, was wiederum einen Impfschutz impliziert und man das Unterlassen einer Impfung auch als Vernachlässigung des Kindes betrachten kann.

Impfskeptiker und Impfgegner

Wie kommt die Ablehnung gegenüber Impfungen zustande und welche gesellschaftlichen Gruppierungen stellen sich gegen die Impfprävention? Hier kann grob eine Unterteilung in zwei Gruppen, in Impfskeptiker und Impfgegner, vorgenommen werden. Bei Impfskeptikern sind die Bedenken gegenüber einer Impfung nicht weltanschaulich begründet. Der Sinn einer Impfung wird per se nicht abgelehnt, es bestehen aber Zweifel an der Bedenkenlosigkeit der Hilfsstoffe, Furcht vor möglichen Nebenwirkungen einer Impfung oder die Angst vor einer Überlastung des Immunsystems.

Bei Impfgegnern beruht die Ablehnung auf ideologischen Gründen. Ihre Armada setzt sich aus Vertretern der unterschiedlichsten Gruppierungen zusammen, dazu gehören etwa Esoteriker, Geistheiler, Anthroposophen, Anhänger bestimmter Religionen oder naturheilkundlicher Richtungen, Verfechter der neuen germanischen (antisemitischen) Medizin, aber auch Geschäftemacher und Scharlatane.

Impfgegner im Internet

Bedenklich ist die weite Verbreitung der Ansichten von Impfgegnern über das Internet. So führt die Sucheingabe "Impfung" bei Google in vier von zehn Fällen zu Seiten von Impfgegnern und zu deren Ausführungen. Dadurch wird ein verzerrtes Bild der Realität wiedergegeben und die Ablehnung medizinisch sinnvoller Errungenschaften unterstützt. Maurer wies darauf hin, dass Impfungen mitunter selbst in heilberuflichen Kreisen vehement abgelehnt werden und häufig "unschädliche" Alternativen angeboten werden, was als doppelter Betrug – zum einen die Vorenthaltung einer präventiven Impfung und zum zweiten der Verkauf eines unwirksamen Mittels – zu sehen ist.

pj

Foto: DAZ/ck
Auch Apotheker sollten sich Impfen lassen Schutzimpfungen sind effektive und kostengünstige Präventionsmaßnahmen, auch wenn Impfskeptiker ihren Nutzen bezweifeln.

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