GD-Jahrestagung

Neues rund um die Dermatologie

Bei der Jahrestagung der GD wird traditionsgemäß über ein breites Spektrum von Erkenntnissen im Zusammenhang mit der Dermatologie berichtet. Dazu gehören sowohl praktische Erfahrungen mit etablierten Substanzen und Therapien als auch neue Forschungsmethoden und innovative Behandlungsansätze.
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Prof. Dr. Dr.-Ing. Jürgen Lademann

Technologisches …

Prof. Dr. Dr.-Ing. Jürgen Lademann, Berlin, stellte den Einsatz von kaltem elektrischem Plasma auf der Haut vor. Diese Technik könne eine ebenso grundlegende Innovation wie die Einführung des Lasers werden. Der Plasmastrahl besteht aus angeregten Ionen und Molekülen und entsteht durch elektrische Entladung in einem Gas, üblicherweise Argon. Beim Austritt aus dem Gerät hat der Strahl eine Temperatur von etwa 50 °C. Die UV-Belastung der Haut ist deutlich geringer als durch Sonnenlicht.

Das Wirkprinzip von kaltem elektrischem Plasma beruht auf den Effekten von freien Radikalen. Es ermöglicht eine nachhaltig wirksame Desinfektion und bietet daher Potenzial für die Behandlung problematischer Wunden. Außerdem kann es die Penetration von Wirkstoffen in die Haut stärker fördern als jeder andere bisher bekannte Mechanismus, so Lademann. Dies sei der herausragende Vorteil, aber zugleich eine mögliche Gefahr. Die Hautbarriere schließt sich nach der Bestrahlung so schnell wieder, dass der einzubringende Wirkstoff vorher auf die Haut aufgebracht werden muss. Folglich muss bei jedem Wirkstoff geprüft werden, ob der Plasmastrahl ihn durch Reaktionen der Plasmachemie verändert.

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Prof. Dr. Claudia Valenta

Prof. Dr. Claudia Valenta, Wien, stellte Untersuchungen zur Herstellung von Trägersystemen auf der Grundlage von Zuckertensiden vor. Erstaunlicherweise entstehen bei gleicher Zusammensetzung abhängig von der Herstellung unterschiedliche und jeweils stabile Systeme – eine halbfeste pseudoplastisch fließende Mikroemulsion oder eine flüssige Nanoemulsion.

Dr. Alexandra Göbel, Halle (Saale), beschrieb die Entwicklung einer gut verträglichen Mikroemulsion mit Linolsäure als Wirkstoff. Penetrationsuntersuchungen mit Franz-Zellen zeigten gegenüber herkömmlichen Cremes unabhängig von der Einwirkungszeit deutlich höhere Konzentrationen von Linolsäure in allen Hautschichten.

… und Pharmakologisches

Katja Wiechmann, Jena, berichtete über antiinflammatorische und proapoptotische Wirkungen des Myrten-Inhaltsstoffs Myrtucommulon. Er senkt die Konzentration an mikrosomaler Prostaglandin-E2-Synthase-1 (mPGES-1). Die Aktivität von COX-1 und COX-2 bleibt dabei unbeeinflusst.

Die mPGES-1 wurde darüber hinaus als Target von Boswelliasäuren identifiziert, wie Johannes Ertelt, Tübingen, darstellte. Nach Cathepsin G wurde damit ein weiterer Mechanismus zur Erklärung der Effekte von Weihrauchzubereitungen gefunden.

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Prof. Dr. Irmgard Merfort

Prof. Dr. Irmgard Merfort, Freiburg, gab Einblicke in die Wundheilungseffekte von Birkenkorkextrakt auf molekularer Ebene. Birkenkorkextrakt besteht zu 95 Prozent aus pentazyklischen Triterpenen, davon etwa 80 Prozent Betulin. Betulin und der Extrakt beschleunigen in vitro und in vivo die Differenzierung von Keratinozyten, was sich günstig auf die Reepithelialisierung von Wunden auswirkt. Merfort konnte als Ursache eine vermehrte Bildung von mRNA nachweisen, die vor allem über die Mediatoren IL-6 und IL-8 zustande kommt. Weiterhin ist die COX-2 an diesem Prozess beteiligt.

Biologicals im Wettbewerb

Prof. Dr. Kristian Reich, Hamburg, stellte Erfahrungen mit Ustekinumab bei der Behandlung der Psoriasis vor. Damit stehen bei dieser Indikation bereits Biologicals, die vor einigen Jahren eingeführt wurden, im Wettbewerb mit einem noch neueren Ansatz. Ustekinumab ist ein monoklonaler Antikörper gegen das p40-Molekül, das Bestandteil der Zytokine IL-12 und IL-23 ist. Beiden wird eine wichtige Rolle bei der Differenzierung der T-Helferzellen Th1 und Th17 zugeschrieben. Reich betrachtet die erst in jüngster Zeit erforschten Th17-Zellen als "sehr spannend", sie dürften für viele Effekte bei der Psoriasis eine wesentliche Bedeutung haben.

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Prof. Dr. Kristian Reich

Bei 70 bis 80 Prozent der Patienten verbesserte sich in einer Studie mit Ustekinumab der PASI-Score, der ein etabliertes Maß für den Schweregrad einer Psoriasis darstellt, nachhaltig um mindestens 75 Prozent. Wesentliche Vorteile sieht Reich im Sicherheitsprofil der Substanz, die bei Patienten mit multipler Sklerose in sehr viel höheren Dosierungen eingesetzt wird. Vorteilhaft sei auch das lange Dosierungsintervall von zwölf Wochen. Aufgrund des Wirkungsmechanismus dauern die Effekte von Ustekinumab auch noch nach dem Abbau der Substanz an.

Hilfe aus der Technik

Dr. Verena von Felbert, Aachen, berichtete über Studien zur Wirksamkeit unterschiedlicher Lichtsensibilisatoren in der photodynamischen Therapie von aktinischen Keratosen. Die Schmerzen, die dabei häufig auftreten, können zwar durch eine lokale Kühlung gemindert werden, dies gehe aber zulasten der Therapieerfolge. Auch die Lichtquelle und der Filter spielen eine Rolle: Mit einer Breitspektrumhalogenlampe habe sie weniger Schmerzen ermittelt als mit einem LED-Strahler, sagte von Felbert.

Die nicht-invasive Messung des oxidativen Stress durch Sonnenlicht ist bisher problematisch. Dazu wird als Marker die Konzentration von Carotinoiden mithilfe der Raman-Spektroskopie gemessen. Als weiterreichende Alternative berichtete Priv.-Doz. Dr. Martina Meinke, Berlin, über die Messung von freien Radikalen in der Haut mithilfe der Elektronenspinresonanz-Spektroskopie. Die Methode ist nach topischer und systemischer Gabe von Antioxidanzien in vitro und in vivo einsetzbar. Dabei ist die gemessene Konzentration der Radikale ein Parameter für die Schutzwirkung der Antioxidanzien.

Prävention gegen Handekzem

Den Stellenwert von Hautschutzmitteln bei der Prävention beruflich verursachter Handekzeme betonte Prof. Dr. Birgitta Kütting, Erlangen. Der seit Jahren propagierte dreiteilige Präventionsplan mit Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege wurde erstmals in einer Studie untersucht. Dabei ging es um Konzept selbst, nicht um einzelne Produkte. Die Arbeit mit 800 ausgewerteten Probanden habe gezeigt, dass die komplette Anwendung des dreistufigen Plans nach einem Jahr zu den besten Ergebnisse hinsichtlich des Hautbefundes führt. Arbeitsunfähigkeit wegen eines Handekzems trat im Beobachtungszeitraum nur bei drei Probanden in der Kontrollgruppe ohne jegliche Schutzmaßnahmen auf. 

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Prof. Dr. An Goossens

Allergien in der Praxis

Prof. Dr. An Goossens aus Löwen in Belgien berichtete über den Nachweis von Kontaktallergien durch kosmetische Produkte, die meist durch Duftstoffe und Konservierungsmittel ausgelöst werden. Dabei machte sie auch Probleme der Deklaration deutlich: Manche Allergene sind durch die vorgeschriebene Deklaration kaum zu erkennen, weil sie als Teil eines Pflanzenextraktes und nicht als reine Substanz in das Produkt eingehen oder weil eine verwandte Substanz eingesetzt wird, zu der eine Kreuzallergie besteht. Dagegen führen die viel beachteten Parabene eher selten zu Allergien.

Goossens machte anhand vielfältiger Beispiele deutlich, welche erstaunlichen Sensibilisierungen in der Praxis auftreten. So kann eine Sensibilisierung gegen Inhaltsstoffe von Baby-Feuchttüchern zu einer Reaktion auf eingeatmete Bestandteile von Farben führen. Bei einer Kontaktallergie gegen Ketoprofen ist eine Kreuzreaktion mit Benzophenonen und Octocrylen möglich. Sogar Copolymere in Enthaarungsmitteln kommen als Allergene in Betracht, vermutlich aufgrund ihrer Abbauprodukte. Demnach kann auch ein geringes irritatives Potenzial eines Stoffes eine Allergie im Einzelfall nicht ausschließen. 

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Die Preisträger der Posterpräsentation (von links): Dr. Ute Wölfle, Freiburg (2. Preis), Dr. Marco Hoffmann, Freiburg (1. Preis), Ming Chen, Jena (3. Preis)

Viele Poster – drei Gewinner


Mit einem Poster zur Förderung der Epithelialisierung bei der Wundheilung durch Triterpene aus Birkenkorkextrakt gewann Dr. Marco Hoffmann, Freiburg, den ersten Preis bei der Prämierung der Poster im Rahmen des wissenschaftlichen Hauptprogramms.

Der zweite Preis ging an Dr. Ute Wölfle, Freiburg, für ein Poster über UV-B-induzierte DNA-Schädigungen. Sie wies nach, dass das Flavonoid Luteolin die Entzündung und die Entstehung reaktiver Sauerstoffspezies vermindern kann.

Den dritten Preis erzielte Ming Chen, Jena, mit einem Poster zur Hautpenetration von Carboxyfluorescein und Temoporfin aus verschiedenen Lipidzubereitungen.