DAZ aktuell

Adexa: Mehr Lohn für Apotheken-Mitarbeiter in Nordrhein

HAMBURG (ax/daz). Der Streit zwischen der Apothekengewerkschaft Adexa und der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter in Nordrhein (TGL Nordrhein) geht in die nächste Runde. Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen im Kammerbezirk Nordrhein wendet sich Adexa nun mit einem Offenen Brief an die Arbeitgeber in Nordrhein.
Foto: Dr. Hermann Vogel jun.
Nicht nur der Verkauf darf zählen Für Adexa ist die Leistung einer Apotheke immer eine Teamleistung. Dabei sind alle Arbeiten wichtig – auch das Bestücken der Regale.

Adexa appelliert an die Apothekenleiter, den Mitarbeitern auch in diesem Kammerbezirk eine Gehaltserhöhung von zwei Prozent zukommen zu lassen. Die von der TGL Nordrhein vorgeschlagene Version einer Gehaltserhöhung von 0,5 Prozent plus 1,5 Prozent freiwilligem, leistungsorientiertem Bonus passe nicht ins Bild. Hier der Brief von Adexa an die Apothekenleiter in Nordrhein im Wortlaut:

"Sehr geehrte Frau Apothekenleiterin, sehr geehrter Herr Apothekenleiter, aus der Fachpresse, aber auch aus den öffentlichen Medien in Ihrer Region sind Sie sicherlich über den Abbruch der Tarifverhandlungen für den Kammerbezirk Nordrhein durch Adexa informiert worden. Das Interesse von Medien und Öffentlichkeit ist angesichts zahlreicher bundesweiter Beiträge über die im Vergleich mit anderen akademischen Berufen schlechten Verdienstmöglichkeiten von Apothekern zurzeit groß. Das Angebot der Arbeitgeberseite von 0,5 Prozent tariflich fixierter Gehaltssteigerung (plus 1,5 Prozent freiwilligem, leistungsorientiertem Bonus) passt da nicht ins Bild!

Für Adexa als Tarif- und Interessenvertretung ist das Angebot der TGL-Nordrhein inakzeptabel. Das LOB-Modell der TGL ist stark an Abverkaufszahlen orientiert – ein kontraproduktives Signal, denn es bestätigt das nach wie vor verbreitete Vorurteil des Schubladenziehers! Dieses TGL-Modell war 2009 und ist auch jetzt nicht tariffähig; und die TGL liegt falsch, wenn sie hier eine Kehrtwende von Adexa moniert.

Adexa fordert Sie als Arbeitgeber daher auf, Ihre Mitarbeiter nicht im Regen stehen zu lassen und ihnen zumindest die bundesweit seit Jahresbeginn vereinbarte Gehaltserhöhung von 2,0 Prozent zu bezahlen – eine bewusst maßvolle Steigerung mit Blick auf die Apothekensituation. Übernehmen Sie bitte auch die tarifliche arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge, damit Ihr Personal besser vor Altersarmut geschützt ist. Andernfalls werden sich Ihre Kolleginnen und Kollegen in den benachbarten Kammerbezirken über die abwandernden qualifizierten und engagierten Mitarbeiter freuen, die nicht einsehen können, warum es ihnen in Nordrhein schlechter gehen sollte als den Angestellten etwa in Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz oder Hessen.

Arbeitgeber und Angestellte haben gemeinsam einen pharmazeutischen Auftrag für die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung zu leisten, der anspruchsvoll und beratungsintensiv ist. Er lässt sich nur dann erfolgreich umsetzen, wenn die Arbeitsbedingungen für den bestehenden Mitarbeiterstamm wie den beruflichen Nachwuchs attraktiv sind."

Moderne Sklavenhaltung

In einer Pressemitteilung vom 11. April legt Adexa nach. Zu dem von der TGL Nordrhein vorgelegten Angebot (0,5 Prozent Gehaltserhöhung plus 1,5 Prozent freiwilligem, leistungsorientiertem Bonus) erklärt Adexa, "dass jede Leistung, die einmal im Jahr fällig wird (oder eben auch nicht, wenn der Mitarbeiter aus Sicht des Apothekenleiters nicht gut genug gearbeitet hat), sich nicht auf das Gehalt als solches auswirken kann". So stellt die Apothekengewerkschaft heraus, dass die von ihr seit Jahrzehnten ausgehandelten echten Tariferhöhungen sich auf lineare, regelmäßige, gleichbleibende Gehaltsbestandteile beziehen, die sich auch auf die Höhe der Rente und eventuelle Lohnersatzleistungen auswirken. Mit ihnen könnten die Arbeitnehmer verbindlich rechnen und zumindest in Hinblick auf die Inflation mithalten. Das Gehalt, das sie monatlich zur Verfügung haben, würde sich sonst – angesichts der allgemeinen Verteuerung – in der Kaufkraft verringern, so Adexa. "In Hinblick auf diesen notwendigen Ausgleich der Lebenshaltungskosten erscheint es hier schon fast wie moderne Sklavenhaltung, wenn man ernsthaft seinen Mitarbeitern Brutto-Gehaltssteigerungen von 0,5 Prozent anbietet. Von diesen höchstens 5 bis 10 Euro, die auf der Gehaltsabrechnung übrig bleiben, kann man nicht einmal die Steigerung der Benzinkosten parieren, geschweige denn an Neuanschaffungen denken", heißt es in der Adexa-Pressemitteilung.

Zum Thema Prämienzahlungen in der Apotheke gibt die Apothekengewerkschaft zu bedenken, dass man auf dem Holzweg sei, wenn man glaube, Prämien denjenigen Mitarbeitern zahlen zu müssen, die den meisten Umsatz für die Apotheke machten. Adexa dazu wörtlich: "Zum einen ist die Leistung einer Apotheke immer eine Teamleistung: Wenn eine Approbierte einen lukrativen Zusatzverkauf macht, muss die PKA die Waren rechtzeitig bestellt haben, und die PTA muss ihr im Gespräch mit anderen Patienten den Rücken frei halten. Wer erlaubt, dass sich das gesamte pharmazeutische Personal auf den reichen, multimorbiden Rentner und den nach jedem Strohhalm greifenden Krebspatienten stürzt und die anderen links liegen lässt, führt eine Zwei-Klassen-Pharmazie unter den Kunden ein. Dies ist nicht nur ethisch verwerflich, es rechnet sich auf Dauer auch nicht, auf diese Weise die anderen Kunden zu vergraulen."

Angesichts des finanziellen Debakels stelle sich die Frage, so die Apothekengewerkschaft weiter, wo wir in unserer Gesellschaft die Angestellten in Apotheken ansiedeln wollten: "Bei einem derzeitigen Stundenlohn von 8,90 Euro brutto (ca. 6 Euro netto) für eine PKA im ersten Berufsjahr hinkt sie fast jedem Lehrberuf hinterher. Apotheker, die eine solche Tarifpolitik machen, spielen Drogeriemärkten und Ketten in die Hände: Bravo, TGL-Nordrhein!"



DAZ 2011, Nr. 15, S. 28

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