DAZ aktuell

Tarifverhandlungen sind gescheitert

(diz). Die Apothekenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter im Kammerbezirk Nordrhein müssen noch auf einen neuen Gehaltstarifvertrag warten. Die jüngsten Tarifverhandlungen zwischen der Apothekengewerkschaft Adexa und der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter in Nordrhein (TGL Nordrhein) sind gescheitert. Die Positionen der Tarifparteien liegen derzeit noch zu weit auseinander.

Laut einer Pressemitteilung von Adexa setze die TGL Nordrhein trotz entsprechender Verhandlungsangebote von Adexa ihren Alleingang fort. Nachdem kein tragfähiger Vorschlag der TGL eingegangen sei, erklärt Adexa die Verhandlungen jetzt für gescheitert. Einer Pressemitteilung der TGL zufolge habe man allerdings Adexa das Angebot gemacht, ihren Forderungen nachzukommen und die Tarife um zwei Prozent anzuheben und zwar: 0,5 Prozent sollten linear in die Tabelle einfließen und 1,5 Prozent (oder als Jahresprämie 12 x 1,5 = 18 Prozent) mit dem Konzept zur Leistungsorientierten Bezahlung (LOB) ausgeschüttet werden. Die Berechnungsgrundlage des Konzepts gibt nach Einschätzung der TGL Nordrhein qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sogar die Möglichkeit, 2,25 Prozent mehr Gehalt zu bekommen, was mit den 0,5 Prozent aus der Tabelle eine Erhöhung von 2,75 Prozent im Tarif ergebe. Dies sei jedoch, so Adexa, für Angestellte nicht tragbar. "Als Gewerkschaft verfolgen wir zwei Tarifziele", so Tanja Kratt, Zweite Vorsitzende von Adexa. "Zum einen müssen die Kolleginnen und Kollegen einen Ausgleich für ihre steigenden Lebenshaltungskosten erhalten, zum anderen soll die gestiegene Arbeitsleistung honoriert werden, die den Mitarbeitern durch AMNOG, Rabattverträge u. a. abverlangt wird. Ein halber Prozentpunkt reicht dafür definitiv nicht aus."

Die TGL möchte dagegen den mit der Adexa in der letzten Tarifrunde gemeinsam eingeschlagenen Weg "Fördern und Fordern" weiter fortsetzen, zumal die angestrebte Feedback-Struktur zu mehr Orientierung, Anerkennung, persönlicher Qualifizierung und last not least zu mehr Gehalt führe. Die Leistungsmerkmale und der Aufbau der Bewertungsbögen seien mit Adexa einvernehmlich erarbeitet worden. Lediglich die Gewichtung der einzelnen Zeilen sollte den individuellen Apothekenzielen angepasst und deshalb dem Arbeitgeber vorbehalten sein. Dies ändere allerdings nichts am Gesamtvolumen der tariflich fixierten Leistungsprämie, so die TGL Nordrhein.

Diese leistungsabhängige Komponente (LOB) ist aus Sicht von Adexa dagegen keine ernstzunehmende Alternative. Denn dafür hatte die TGL – nach Ansicht von Adexa – als Kriterien einseitig vor allem Abverkaufszahlen in den Vordergrund gestellt, was Adexa bereits bei den Verhandlungen 2009 als inakzeptabel abgelehnt hatte. Kratt: "Es kann nicht angehen, dass Chefs ihre Angestellten nur nach Umsatz bewerten dürfen." Heilberufler würden so zu Schubladenziehern degradiert. Dies habe damals einen LOB-Tarifvertrag zum Scheitern gebracht. "Es ist deshalb nicht richtig, wenn die TGL in der Presse von einem gemeinsam entwickelten LOB-Modell spricht", betont Kratt.

Dazu die Vorsitzende der TGL Nordrhein, Heidrun Hoch: "Wer das Konzept kennt, weiß, dass die ganze Fülle der Leistungen inklusive Fachkompetenz, Methodenkompetenz und sozialer Kompetenz in einer maximal objektivierten Bewertung gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einem konstruktiven Gespräch zu erörtern ist. Dabei wird das tariflich vereinbarte Volumen bereits erreicht, wenn 71 bis 80 von 100 Punkten erreicht werden – für leistungsbewusste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein leicht zu erreichendes Ziel."

Der abschließende Kommentar von Adexa dazu: Die TGL-Nordrhein lasse die Apothekenleiter in Nordrhein bei der Umsetzung im Regen stehen, denn die Faktoren im Leistungsbewertungsbogen hätten lediglich "Empfehlungscharakter" und würden laut TGL nicht festgeschrieben. Die Durchführung läge "in der Hand der Apothekenleitung, die die Verantwortung für die Unternehmensziele, die Durchführung und die Finanzierung trägt". Für Adexa ist dieses Vorgehen nicht akzeptabel. "Eine LOB-Bewertung nach diesem Verfahren erweckt den Anschein, dass die TGL sich aus der Affäre ziehen will", so Kratt.

Demgegenüber sieht die TGL im Verhalten von Adexa eine Kehrtwende. Hoch dazu: "Gerade die leistungsmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die individuell behandelt und bezahlt werden wollen, werden für das Vorgehen der Adexa kein Verständnis haben."



DAZ 2011, Nr. 14, S. 24

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