Prisma

Warum Bauernkinder weniger Allergien haben

Dass Bauernkinder seltener an Allergien und Asthma leiden als andere Kinder, ist schon länger bekannt. Jetzt zeigen neue Studienergebnisse, woran das liegen könnte: Verschiedene Mikroorganismen scheinen vor Asthma und Allergien zu schützen.

Im Rahmen der beiden großen europäischen Epidemiologiestudien GABRIEL (multidisciplinary study to identify the genetic and environmental causes of asthma in the european community) und PARSIFAL (prevention of allergy risk factors for sensitisation in children related to farming and anthroposophic lifestyle) verglichen Forscher Kinder, die auf einem Bauernhof lebten, mit anderen Kindern aus denselben ländlichen Regionen. 10.000 Bauernkindern sowie Kindern aus der ländlichen Referenzgruppe wurden Blutproben entnommen, außerdem wurden die Kinder gemessen und gewogen. Die Eltern füllten Fragebögen aus, die Aufschluss über Aktivitäten, wie Kühe melken oder misten, gaben. Mit diesen Daten konnten die Wissenschaftler zunächst bestätigen, dass ein bäuerliches Umfeld vor Asthma und Allergien schützt. Kontakte mit Rindern, Heu und Stroh scheinen diesen Effekt zu begünstigen. Allerdings müssen diese Einflüsse bereits während der Schwangerschaft der Bäuerin und in der frühkindlichen Phase bestehen. Bei Hausbesuchen wurden auch Staubproben aus den Kinderzimmern genommen. Auf diese Weise wurde untersucht, ob bestimmte Bakterien und Pilze dazu beitragen, dass Bauernkinder weniger Allergien und Asthma entwickeln. Die Wissenschaftler konnten zunächst nachweisen, dass Bauernkinder einer größeren Vielfalt von Mikroorganismen ausgesetzt sind. Demnach müssen sich Bauernkinder auch in Innenräumen mit viel mehr verschiedenen Umweltmikroben auseinandersetzen als andere Kinder. Die Umweltkeime schützten die Gesundheit: Je vielfältiger der Mikrozoo im Hausstaub war, desto geringer war das Asthmarisiko. Auf welche Weise diese Keime das Risiko senken, ist aber noch unklar. Möglicherweise regt die Kombination bestimmter Umweltkeime das angeborene Immunsystem an, so dass eine Asthma begünstigende Immunlage verhindert wird.

hel


Quelle: Ege, M. J. et al.: N. Engl. J. Med. 2011; 364: 701 – 709



DAZ 2011, Nr. 10, S. 8

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