Arzneimittel und Therapie

Erhöht längere Einnahme das Risiko erektiler Dysfunktion?

Ein möglicher Zusammenhang der Beteiligung entzündlicher Prozesse bei der Entstehung einer erektilen Dysfunktion ist verschiedentlich diskutiert worden. Andererseits zeigte eine kleine frühere Studie aus Finnland, dass offensichtlich aber auch eine Korrelation zwischen einer längerfristigen Medikation mit nicht-steroidalen Antiphlogistika möglich ist. Diese Ergebnisse wurden jetzt nach der Auswertung der Patientendaten von über 80.000 Männern durch amerikanische Ärzten bestätigt.

Nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID) hemmen Symptome von Entzündungsprozessen wie Schmerz und Schwellung, haben in unterschiedlichem Ausmaß eine antipyretische Wirkung und hemmen die Thrombozytenaggregation. Häufig zu beobachtende unerwünschte Wirkungen sind Magenschleimhautschädigungen mit Ulcusbildungen sowie nierenschädigende Wirkungen bei einer Langzeittherapie. Bei verschiedenen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis wird eine Medikation mit nicht-steroidalen Entzündungshemmern empfohlen. Die weite Verbreitung der NSAID verdanken die meisten Präparate dem Umstand, dass sie freiverkäuflich sind und im Alltag als harmlose Fieber- und Schmerzmittel gelten. Neben verschiedenen anderen, bislang nicht bekannten unerwünschten Wirkungen wird in den letzten Jahren auch die Suchtbildung für bestimmte Medikamente nach längerer Einnahme diskutiert.

Erektile Dysfunktion als unerwünschte Wirkung

Eine weitere unerwünschte Wirkung von nicht-steroidalen Entzündungshemmern ist jetzt durch die Auswertung von Patientendaten in den USA belegt worden. In einer Mega-Studie wurden die seit 2002 gesammelten Patientendaten von 80.966 Männern ausgewertet. 47% von ihnen hatten längerfristig NSAID eingenommen. 29% der Gesamtkohorte berichteten von einer moderaten oder schweren erektilen Dysfunktion. Eine Korrelation zwischen einer regelmäßigen Einnahme und der Erkrankung wurde besonders bei zunehmendem Alter deutlich: Die Zahl nahm von 34% bei Männern zwischen 45 und 49 Jahren auf 55% bei 60 bis 69-jährigen Studienteilnehmern zu. Dies bedeutet einen Anstieg von 13% auf 42%. Selbst unter Berücksichtigung verschiedener möglicher Prädispositionen wie Alter, BMI, Rauchen oder verschiedenen Erkrankungen konnte dieser Zusammenhang nachgewiesen werden. Auch eine Einschränkung auf bestimmte Präparate war nicht möglich.

Nachdem die Ergebnisse einer früheren Untersuchung noch nicht abschließend klären konnten, ob eine erektile Dysfunktion auf die NSAID-Medikation bei einer Arthritis zurückzuführen ist oder auf die Krankheit selbst, belegt die jetzt veröffentlichte Studie einen offensichtlichen Zusammenhang mit dem Medikament. Auch dieser Befund zeigt die Notwendigkeit eines sorgsamen Umgangs mit nicht-steroidalen Entzündungshemmern, die keineswegs "harmlose Alltagspräparate" sind.


Quelle

Shiri, R.; et al.: Effect of nonsteroidal anti-inflammatory drug use on the incidence of erectile dysfunction. J. Urol. (2006) 175(5):1812 – 1815.

Gleason, J. M.; et al.: Regular nonsteroidal anti-inflammatory drug use and erectile dysfunction. J Urol. (2011) DOI: 10.1016/j.juro.2010.11.092, vom 21. Februar 2011.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2011, Nr. 10, S. 41

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