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Durchschnittslöhne versus Tarifgehälter

In den letzten zehn Jahren sind die Löhne und Gehälter in Deutschland weit hinter den Gewinnen und Kapitalerträgen von Firmen zurückgeblieben. Der durchschnittliche Bruttoverdienst ist nach Abzug der Inflation sogar um vier Prozent gesunken. Entsprechende Ergebnisse hat jetzt das WSI-Tarifarchiv veröffentlicht. Deutlich bessere Zahlen kristallisierten sich für Tarifgehälter heraus: Diese lagen Ende 2010 um knapp sieben Prozent höher als am Anfang des zehnjährigen Beobachtungszeitraums. Es zahlt sich für Arbeitnehmer also im wahrsten Sinne des Wortes aus, gewerkschaftlich organisiert zu sein.

Moderate Entwicklung

Der tarifpolitische Jahresbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung lieferte wieder einmal wertvolle Erkenntnisse. Kaum überraschend ist folgende Feststellung: Von 2000 bis 2010 war die Entwicklung der Tarifgehälter aller Branchen eher moderat.

Gehälter + 24%, Lebenshaltung + 17%

Über das gesamte Jahrzehnt hat das WSI eine durchschnittliche Steigerung der tarifgebundenen Löhne und Gehälter von 2,2 Prozent pro Jahr ermittelt. Die unteren und oberen Extremwerte einzelner Jahre lagen bei 1,5 Prozent (2005) bzw. 2,9 Prozent (2008).

Innerhalb des ausgewerteten Zeitraums summiert sich der Zuwachs auf 24,2 Prozent – eine Zahl, die für sich allein wenig aussagt und im Zusammenhang mit den Lebenshaltungskosten zu sehen ist. Diese stiegen im gleichen Zeitraum um 17,5 Prozent. Daraus errechneten die WSI-Experten eine reale Steigerung der Tariflöhne und -gehälter um 6,7 Prozent in zehn Jahren bzw. um durchschnittlich 0,7 Prozent im Jahr.


Infos im Internet


Reinhard Bispinck und WSI-Tarifarchiv: Tarifpolitischer Jahresbericht 2010

www.boeckler.de/pdf/p_ta_jb_2010.pdf

Hohe Produktivität – niedrige Löhne?

"Gewerkschaften verfolgen bei Tarifverhandlungen zwei Ziele", so die zweite ADEXA-Vorsitzende Tanja Kratt. "Nach dem viel zitierten Gießkannenprinzip sollen primär steigende Lebenshaltungskosten ausgeglichen werden." Hinzu komme die Beteiligung der Beschäftigten an der gestiegenen Arbeitsproduktivität.

Der Spielraum aus diesen beiden Einflussfaktoren, sprich Lebenshaltungskosten und Produktivitätszunahme, ist in den letzten zehn Jahren um etwa 28,1 Prozent angewachsen, während die Tarifentgelte mit einer Steigerung um lediglich 24,2 Prozent knapp 4 Prozentpunkte hinterherhinken. Arbeitnehmer werden demnach am wachsenden Wohlstand nicht adäquat beteiligt. Laut Studien der SPD zeige sich dies in der historisch niedrigen Lohnquote und der steigenden Armut.

Arbeitsbedingungen optimieren

Berufspolitisch sieht die Apothekengewerkschaft die Gehälter als einen – wenn auch sehr wichtigen – Aspekt unter anderen.

So bemüht ADEXA sich um die Verbesserung der Arbeitszeiten und konnte hier kürzlich die Notdienstregelung optimieren. Kratt: "Auch die Altersvorsorge hat sich die Apothekengewerkschaft auf die Fahnen geschrieben." Ein entsprechender Tarifvertrag zur arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Altersvorsorge sei mittlerweile unter Dach und Fach und wird ab 2012 wirksam. Und beim Thema Fortbildung konnte erreicht werden, dass das gesamte pharmazeutische Personal sechs Tage Bildungsurlaub in zwei Jahren erhält. Dieser Anspruch galt bisher nur für Approbierte.


Michael van den Heuvel



DAZ 2011, Nr. 10, S. 71

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