Gesundheitspolitik

EU will es Fälschern so schwer wie möglich machen

Im EU-Parlament wird diese Woche über die Richtlinie zu Arzneimittelfälschungen abgestimmt

Berlin (ks). Das Europäische Parlament wird am 15. Februar über einen weiteren Teil des EU-Pharmapakets abstimmen: Dabei geht es um eine neue Richtlinie, mit der die in den letzten Jahren zunehmend auftretenden Arzneimittelfälschungen bekämpft werden sollen. Der EU-Parlamentarier Dr. Peter Liese (CDU) ist insbesondere froh, dass auch Internetapotheken ausdrücklich Gegenstand der Richtlinie sind.
Sehen Sie zu diesem Thema auch das Video-Interview mit Dr. Peter Liese, Mitglied des Europäischen Parlaments.

Die Richtlinie sieht unter anderem vor, dass neue Sicherheitsmerkmale auf Arzneimittel-Verpackungen angebracht und die Dokumentation und Überwachung der Vertriebswege verbessert werden. Durch das Scannen eines Barcodes kann bei Verkauf des Medikamentes in der Apotheke genau überprüft werden, wo das Präparat herkommt und ob es sich um ein Originalprodukt handelt. Auf die Apotheken kommt damit ein gewisser Mehraufwand zu, wenn die Richtlinie in etwa zwei Jahren durch die Mitgliedstaaten umgesetzt ist. Doch Liese, gesundheitspolitischer Sprecher in der EVP-Fraktion (Christdemokraten) im Europäischen Parlament, zeigte sich im Gespräch mit DAZ-TV überzeugt, dass sich dieser für die Apotheken selbst wie auch für ihre Kunden lohnt. Die Kosten für die Einführung des Systems sollen die pharmazeutischen Unternehmen tragen.

OTC bleiben vorerst ausgenommen

Obligatorisch werden die Sicherheitsmerkmale für Rx-Arzneien; nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel sind vorerst von der Richtlinie ausgenommen. Es soll aber innerhalb von fünf Jahren nach Inkrafttreten dieser Richtlinie geprüft werden, ob auch frei verkäufliche Arzneimittel einbezogen werden sollten. Auch bei bestimmten rezeptpflichtigen Generika, die für Fälscher kaum lukrativ sein dürften, soll es auf der Grundlage der Ergebnisse einer Risikobewertung möglich sein, auf die Anforderungskriterien für die Sicherheitsmerkmale zu verzichten.

Insgesamt wird die Hersteller die neue Sicherheit rund 2 Milliarden Euro kosten. Doch diese Investition lohnt sich für die meisten großen Unternehmen – nicht zuletzt sie haben laut Liese auf die rasche Einführung der Neuregelungen gedrängt. Der Schaden, der ihnen durch Fälschungen zugefügt wird, liegt offenbar höher.

Internet-Apotheken sollen zertifiziert werden

Erfreut zeigte sich Liese zudem darüber, dass nun auch das Problem der Fälschungen angegangen wird, die illegal über das Internet angeboten werden. Der ursprüngliche Kommissionsvorschlag hatte zu diesem speziellen Thema keine Regelung getroffen. Der jetzige Entwurf für die Richtlinie sieht nun beispielsweise vor, dass die Kommission ein EU-Logo für die Homepage von Internetapotheken erlässt. So soll der Verbraucher leichter erkennen können, ob sich eine bestimmte Website, auf der Arzneimittel zum Verkauf angeboten werden, einer zugelassenen Apotheke zuordnen lässt. Dieses EU-Logo soll mit einer vom betreffenden Mitgliedstaat eingerichteten zentralen nationalen Website verbunden sein, auf der der Verbraucher die Echtheit dieses Logos überprüfen und sich Hintergrundinformationen über die Risiken des Kaufs von Arzneimitteln im Internet holen kann. Zudem sollen öffentliche "Sensibilisierungskampagnen" in den Mitgliedstaaten gestartet werden. Insbesondere Verbraucher- und Patientenorganisationen sollen die Bevölkerung über die Gefahren von Arzneimittelfälschungen und die Möglichkeiten, sichere Internetapotheken zu erkennen, aufklären.



AZ 2011, Nr. 7, S. 3

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