Gesundheitspolitik

Ärger um Zytostatika-Abrechnungen

DAV und VZA: Einzelfälle

Berlin (ks). Von einzelnen Apotheken gestellte Nachforderungen für die Versorgung privat versicherter – oftmals bereits verstorbener – Krebspatienten mit Zytostatika haben letzte Woche erneut für medialen Wirbel gesorgt. Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) distanzierte sich von zweifelhaften Abrechnungsmethoden, Peter Eberwein vom Verband Zytostatika herstellender Apotheken (VZA) spricht von einer von der PKV gesteuerten Kampagne.

"Wie Apotheken Krebspatienten mit horrenden Rechnungen überziehen" lautete der Titel des Beitrags, den das ARD-Magazin "plusminus" am 25. Januar ausgestrahlt hat. Berichtet wird von zwei Fällen: Einmal hat eine Apotheke dem Sohn einer verstorbenen Krebspatientin nachträglich mehr als 10.000 Euro in Rechnung gestellt – weil man zuvor "versehentlich" zu wenig berechnet habe. Ähnlich erging es einem privat Versicherten, der nach wie vor Chemotherapien bekommt.

Der Beitrag erläutert die frühere Abrechnungssituation für Zytostatika herstellende Apotheken: Für privat versicherte Patienten erhielten sie für die Zubereitungen nach der Arzneimittelpreisverordnung einen Aufschlag von 90 Prozent auf den Einkaufspreis. "Das ist völlig unangemessen, weil die Labortätigkeit des Apothekers in der Regel nur wenige Minuten erfordert, und dann kommt eben ein Minuten- oder Stundenlohn von 6000 oder 8000 Euro zustande", kommentiert dies Stefan Reker vom PKV-Verband.

Mittlerweile bekommt der Apotheker für die Zubereitung nur noch eine Pauschale von 90 Euro. "Über diese deutliche Kürzung sind einige Apotheker offenbar so verärgert, dass sie versuchen, aus alten Rechnungen Gewinn zu schlagen", heißt es im "plusminus"-Beitrag. Sie hatten in der Vergangenheit statt des 90-prozentigen Zuschlags nur 30 Prozent erhoben. Dass dies weniger "versehentlich", denn bewusst geschah, meint auch VZA-Präsident Peter Eberwein. Gegenüber "plusminus" erklärte er, dass sich diese Apotheker damit zunächst einen Wettbewerbsvorteil verschaffen wollten. Ein zweiter Grund sei aber sicher auch gewesen, dass die 30 Prozent durchaus auskömmlich waren. Eberwein: "Wenn jetzt diese Apotheken solche Nachforderungen stellen, dann finde ich das regelrecht unverschämt, eine Frechheit ist das."

Gegenüber der AZ zeigte sich Eberwein verärgert über die erneut "tendenziöse" Berichterstattung – aber auch über die Kollegen, die eine solche Diskussion erst möglich machen. Ihm persönlich seien lediglich drei Apotheken – eine in Koblenz, eine im Saarland und eine in Berlin – bekannt, die derartige Forderungen gestellt haben. Aus seiner Sicht ist der mediale Rummel von der privaten Krankenversicherung gesteuert – allen voran von der Debeka. Ihr Ziel dabei offenbar zum einen, sich bei den laufenden und anstehenden Rechtsstreitigkeiten einen Meinungsvorteil zu verschaffen. Zum anderen wolle die PKV politisch erreichen, auch die 90 Euro Pauschale zu kippen – für gesetzliche Krankenversicherte bekommen die Apotheken nämlich nochmals einige Euro weniger.

Der DAV-Vorsitzende Becker erklärte: "Sollten die Medienberichte zutreffen, dann ist es unverfroren, auf welche groteske Weise Einzelne versuchen, einen persönlichen Vorteil zu generieren und ihre Umsätze zu verbessern." Dieser Mangel an Sensibilität gegenüber den Betroffenen und ihren Angehörigen führe dazu, dass das Verhalten einiger Weniger ein schlechtes Licht auf die übrigen rund 21.500 Apothekenteams werfe. Becker weiter: "So, wie wir Apotheker eine faire Honorierung unserer Leistungen verlangen, wollen wir sicherstellen, dass Patienten auf einen fairen Umgang vertrauen können." Der DAV forderte deshalb von den Verursachern und auch vom VZA eine "ehrliche und umgehende Aufklärung und Richtigstellung sowie eine umgehende Entschuldigung bei den Betroffenen".



AZ 2011, Nr. 5, S. 1

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