Management

Widerstandskräfte stärken und erhöhen

Mit Resilienz Burn-out bekämpfen

Finanz- und Wirtschaftskrise, Gesundheitsreformen, demografischer Wandel – die Bewältigung all dieser Probleme geht auch an dem Apotheker und seinen Mitarbeitern nicht spurlos vorbei. Sie sehen sich einem erheblichen Druck ausgesetzt. Die Folgen sind fatal: Immer mehr Menschen stehen vor dem Burn-out, sind häufiger krank und frustriert. Notwendig ist die Stärkung der Widerstandskräfte.

Nur ein Beispiel unter vielen: Ende August 2011 vermeldete die Kölner Stadtverwaltung, jeder sechste Mitarbeiter sei ein Langzeitkranker, also sechs Wochen oder länger ausgefallen. In absoluten Zahlen heißt das: 2900 von 17.700 Beschäftigten gehören zu dieser Gruppe.

Die Gründe für solche Zahlen, die tendenziell auch in vielen Unternehmen zu verzeichnen sind, sind vielfältig. Eine Ursache: Immer mehr Menschen stehen vor einem Burn-out, fühlen sich ausgebrannt. Burn-out – das ist längst keine typische Krankheit der Manager und Workaholics mehr, sondern trifft immer öfter Menschen, die in den "heilenden" Berufen arbeiten oder die Tätigkeiten nachgehen, bei denen es um das Wohl und Wehe anderer Menschen geht. Dazu zählen Krankenschwestern, Pfleger, Lehrer, Ärzte – und auch Apotheker. Diese Berufe stehen häufig unter dem besonderen Druck, es möglichst allen recht machen zu wollen. In dem Bemühen, anderen zu helfen, vergessen sie ihre eigenen Bedürfnisse.

Darum ist der Aufbau von Resilienz, von Widerstandsfähigkeit und Widerstandskraft, so wichtig. Das Apothekenteam sollte die folgenden Stärkungsquellen nutzen.

Stärkungsquelle 1: Emotionale Tankstelle nutzen

Jeder Mensch hat seine persönliche "emotionale Tankstelle", bei der er Kraft und Energie tankt, wenn der Akku zur Neige geht. Der Apotheker muss herausfinden, welche Tankstelle dies ist – bei sich selbst und bei seinen Mitarbeitern.

Der eine Apotheker benötigt die ständige Herausforderung, um zur Höchstform aufzulaufen und seine Widerstandskraft zu stärken, der andere die Möglichkeit, sich am Arbeitsplatz immer wieder entspannen zu können. Der dritte schließlich bevorzugt die Pause, die er mit einem Spaziergang im Grünen krönt. Dem vierten wiederum ist es wichtig, auch am Arbeitsplatz seinen persönlichen Wertevorstellungen gemäß leben zu können.

Der Apotheker muss feststellen, zu welchem Typus er gehört, um gezielt diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die es ihm erlauben, abzuschalten und zu entspannen. Und diese Möglichkeit sollte er auch seinem Team eröffnen.

Stärkungsquelle 2: Lebensbereiche austarieren

Bei der Arbeit gegen den Burn-out und der Etablierung prophylaktischer Maßnahmen wird allzu häufig nur an der Stellschraube "Beruf/Arbeit" gedreht. Das allein genügt meistens nicht. Vielmehr ist es notwendig, die verschiedenen Lebensbereiche zu harmonisieren, um daraus Kraft und Energie zu schöpfen. Der Apotheker sollte lernen, über sein Problem zu sprechen. Der Austausch über belastende Situationen mit einer Person seines Vertrauens ist der erste Schritt zu einem konstruktiven Umgang mit diesen Situationen, die sich meistens nicht von heute auf morgen abstellen lassen.

Um das Leben eigenverantwortlich zu gestalten und Autonomie zu erlangen, ist es notwendig, alle Lebensbereiche zu harmonisieren – nämlich Fitness/Ernährung/Erholung, Freizeit/Hobbys/Familie/Freunde, Arbeit/Karriere sowie Selbstverwirklichung. Eine Lösung liegt in der Ausbalancierung der Persönlichkeit, bei der ein unabhängiger Dritter eventuell Unterstützung gibt. Das heißt: Der Apotheker versucht, ganz bewusst vom Beruflichen ins Private, von der Sachlichkeit zur Emotionalität zu wechseln – und trotzdem in seiner Mitte er selbst zu bleiben.

Dazu ist Zielmanagement notwendig. Der erste Schritt gegen den drohenden oder bereits eingetretenen Burn-out besteht in der Klärung der Frage, welche Ziele für den Apotheker oberste Priorität genießen. Dann kann er sich mit der Frage beschäftigen: "Was muss ich tun, um diese Ziele zu erreichen?" Dabei fokussiert er sich auf die wesentlichen Aufgaben – nämlich die, die der Zielerreichung dienen. Entscheidend ist, Ziele für alle Lebensbereiche zu formulieren – nicht nur für den beruflichen.

Keine leichte, aber eine lohnende Aufgabe: Der Apotheker formuliert seine Lebens-Vision und leitet daraus seine Lebensziele ab. Die Orientierung an der Lebensvision spendet Kraft und relativiert die Fokussierung auf den beruflichen Bereich.

Stärkungsquelle 3: Belastende Situationen in den Griff bekommen

Hilfreich bei der Stressbewältigung ist die Ursachenforschung: Der Apotheker hält dazu schriftlich diejenigen Stressoren fest, die ihn vor allem belasten. Ein wichtiger Aspekt dabei ist das Gefühl, eine Situation, die man als stressend definiert, beeinflussen zu können. Resilienz baut derjenige auf, dem es gelingt, selbst in belastend-schwierigen Situationen das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Der Apotheker überprüft seine Stressoren darum daraufhin, ob er einen Einfluss auf sie hat:

  • "Ist der Stressor durch mich selbst ausgelöst und kann ich ihn beeinflussen?"
  • "Wird der Stressor durch eine andere Person verursacht und kann ich ihn trotzdem beeinflussen?"

So lassen sich vermeidbare Stressoren von vornherein ausschließen und die Stressdosis verringern. Häufig bleiben nach dieser Analyse diejenigen Belastungen übrig, die kaum oder gar nicht vom Apotheker beeinflusst werden können – zumindest nicht direkt, etwa Belastungen durch äußere Umfeld- und Rahmenbedingungen. Um diese kaum vermeidbaren Situationen trotzdem erträglich zu gestalten, stehen Techniken zur Verfügung, die zur Resilienz führen, etwa autogenes Training, Meditation, Atemtechniken oder Visualisierungsübungen.

Das Problem: Wann sollen der Apotheker und die Mitarbeiter sie anwenden? Im hektischen Apothekenalltag bleibt dafür oft keine Zeit. Eine Option besteht in der konsequenten Einhaltung einer obligatorischen "Stresspause" – fünf bis zehn Minuten genügen schon. Die Stresspause wird genutzt, jene Entspannungstechniken anzuwenden – vielleicht sogar gemeinsam, im Verbund, vom gesamten Apothekenteam.

Stärkungsquelle 4: Hemmende Überzeugungen bekämpfen

Viele Stresssituationen sind durch tief verwurzelte Überzeugungen bedingt, die sich der Apotheker im Laufe seines Lebens angeeignet hat. Ein Beispiel: Er setzt sich permanent mit dem Glaubenssatz "Ich muss perfekt sein" unter Druck und stellt jede noch so unbedeutende berufliche Tätigkeit unter das Primat des Perfektionismus.

Die Konsequenz: Der Apotheker prüft, ob er von solchen Überzeugungen blockiert wird, um Gegenstrategien zu ergreifen. Wer etwa eine Aufgabe mit der Überzeugung lösen will: "Das schaffe ich bestimmt nicht", programmiert sich auf Misserfolg, wird seine Potenziale nicht voll und ganz zur Bewältigung der Aufgabe einsetzen können, wahrscheinlich tatsächlich scheitern und sich in seiner Grundüberzeugung nur bestätigt finden. Fördernde Überzeugungen hingegen wie "Ich schaffe das" setzen Ressourcen frei, die der Apotheker zur Lösung eines Problems einsetzen kann. Indem er seine Überzeugungen erkennt, kann er sich kritisch mit ihnen auseinandersetzen und ihnen ihre blockierende Macht nehmen..


Dr. Michael Madel, freier Autor und Kommunikationsberater



AZ 2011, Nr. 43, S. 6

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