Gesundheitspolitik

In Baden-Württemberg lebt es sich am gesündesten

Barmer GEK präsentiert "Morbiditätsatlas"

Berlin (az). Die Häufigkeit der Volkskrankheiten ist in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt: Im Osten der Republik finden sich beispielsweise weit mehr Patienten mit Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als im Süden. Betrachtet man die 80 Krankheiten, die dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich zugrunde liegen, so ist in Sachsen die Krankheitslast am höchsten, in Baden-Württemberg am geringsten.

Die Barmer GEK hat für ihre Publikation "Gesundheitswesen aktuell 2011" unter anderem die Verteilung der Morbidität unter die Lupe genommen. Dazu standen ihr die Daten ihrer 8,4 Millionen Versicherten zur Verfügung – eine Datenmenge, die für die Bundesrepublik durchaus repräsentativ ist. Danach weisen 43 Prozent aller Versicherten bundesweit mindestens eine der 80 Morbi-RSA-Krankheiten auf. Der "Morbiditätsatlas" der Barmer GEK zeigt aber auch die regionalen Unterschiede auf. Dass die neuen Bundesländer so viel stärker belastet sind, liegt nur teilweise daran, dass die Menschen hier älter sind. Selbst beim Herausrechnen von Alters- und Geschlechtsunterschieden, ist die Krankheitslast signifikant höher. "Es zeigt sich der wesentliche Einfluss von Bildung und Einkommen auf Gesundheitschancen", kommentiert Uwe Repschläger, Leiter für Unternehmensstrategie und Controlling bei der Barmer GEK, und Verfasser des Morbiditätsatlasses. Doch es gibt noch mehr Faktoren, die die Krankheitslast beeinflussen können. Anschaulich wird das bei der Depression. Hier zeigt sich bei der regionalen Verteilung ein ganz anderes Bild als bei den übrigen Volkskrankheiten: Bayern und Berlin liegen an der Spitze, während die neuen Bundesländer das Schlusslicht bilden. Repschläger führt dies nicht zuletzt auf eine "angebotsinduzierte Nachfrage" zurück: "Mit der Zahl der Psychotherapeuten steigt naturgemäß die Zahl der Depressionsdiagnosen." So liegt die Psychotherapeutendichte in den Stadtstaaten bis zu 150 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, im gesamten Osten rund 50 Prozent darunter.

Dr. Christoph Straub, der neue Chef der Barmer GEK, schätzt den Blick auf die regionalen Gegebenheiten. So ließen sich die örtlichen Ressourcen besser abstimmen und Mängelsituationen vorbeugen – wie zum Beispiel bei der Nachbesetzung von Arztsitzen. Straub betonte aber auch: "Es darf nicht sein, dass der Wohnort die Versorgungsqualität bestimmt. Beim Anspruch an gute Versorgung oder medizinische Evidenz gebe es keine regionalen Unterschiede. "Das Ärzteangebot muss sich an den Krankheitslasten ausrichten, nicht umgekehrt", fordert Straub.

Die politischen Regionalisierungsbestrebungen im Rahmen des geplanten GKV-Versorgungsstrukturgesetzes sieht Straub kritisch, dort führe Regionalisierung in die Überregulierung. Insbesondere die Beanstandungsrechte der Länderaufsichten bei Selektiv-Verträgen bedeuteten eine Wettbewerbsverzerrung. Straub: "Eine Abstimmung bundesweiter Versorgungsverträge mit 17 Aufsichtsbehörden führt zum Stillstand."



AZ 2011, Nr. 36, S. 8

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