Gesundheitspolitik

AMNOG-Folgen: Wirtschaftlicher Druck auf Apotheken nimmt zu

Apotheken befürchten für die ersten vier Monate 2011 Abschläge in Höhe von 415 Mio. Euro

Berlin (lk). Die negativen Auswirkungen des AMNOG verstärken sich in den ersten vier Monaten dieses Jahren kontinuierlich: Die Apotheken geraten gleich zweifach unter erheblichen wirtschaftlichen Druck. Einerseits befindet sich der Umsatz des Apothekenmarktes weiter ungebremst auf Talfahrt. Zugleich müssen die Apotheken an die gesetzlichen Kassen immer höhere Beträge für den Apothekenabschlag überweisen.

Nach einem Minus von 6,4 Prozent im März setzte sich der Umsatzrückgang im Apothekenmarkt im April 2011 mit einem Rückgang von 5,7 Prozent fort. Nur OTC-Produkte konnten leicht zulegen. Nach aktuellen Zahlen von IMS Health betrug der Umsatz im April auf Basis ApU einschließlich Impfstoffen nur noch 2,1 Mrd. Euro nach 2,2 Mrd. Euro im März.

Auf der anderen Seite ist wie schon im ersten Quartal des Jahres auch im April 2011 der Apothekenrabatt kräftig im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen: Während im April des Vorjahres noch 91 Mio. Euro Nachlass von den Apotheken an die gesetzlichen Krankenkassen gewährt werden musste, schnellte der Apothekenrabatt im April 2011 auf 102 Mio. Euro empor. Das entspricht einer Steigerung von 12,1 Prozent oder 11 Mio. Euro. Im Januar 2011 betrug der Apothekenrabatt laut Marktdaten von IMS Health 104 Mio. Euro, im Februar 99 Mio. Euro und im März 110 Mio. Euro.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres führten die Apotheken damit insgesamt 415 Mio. Euro Abschlag an die GKV ab. Das sind 60 Mio. Euro mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum, ein Plus vom 16,9 Prozent.

Herstellerrabatt verdoppelt

Auch die Arzneimittelhersteller werden immer kräftiger zur Kasse gebeten: Im April 2011 beliefen sich die Hersteller-Zwangsabschläge insgesamt auf 185 Mio. Euro (Vorjahr: 90 Mio. Euro). Im ersten Jahresdrittel 2011 fielen damit bereits 749 Mio. Euro für Zwangsrabatte an, mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr (344 Mio. Euro).

Auch im Umsatzrückgang des Apotheken-Gesamtmarktes spiegeln sich der neue Großhandelsabschlag und der auf 2,05 Euro gestiegene Apothekenabschlag wider. Die seit August 2010 erhöhten Zwangsrabatte der Hersteller und das Preismoratorium wirken sich ebenfalls aus. Denn der Absatz nach Packungen schrumpfte deutlich geringer als der Gesamtumsatz mit einem Minus von 0,4 Prozent. Abgesetzt wurden laut IMS Health 120 Millionen Packungen.

Weniger Rx-Packungen

Der Umsatz rezeptpflichtiger Arzneimittel sank im April 2011 noch stärker um sieben Prozent auf 1,7 Mrd. Euro (März: minus 7,5 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro). Die Zahl der abgegebenen Rx-Packungen schrumpfte um 3,1 Prozent auf 57 Millionen Stück (März: minus 2,8 Prozent auf 62 Millionen Stück).

Die GKV-Ausgaben für Arzneimittel einschließlich Impfstoffen und Testdiagnostika beliefen sich im April auf 2,4 Mrd. Euro (Apothekenverkaufspreis, AVP, abzüglich der von Herstellern und Apotheken geleisteten Zwangsrabatte, AVP abzgl. ZwR, ohne Berücksichtigung der Einsparungen aus Rabattverträgen). Das entspricht einem Rückgang von 8,1 Prozent.

Der Absatz nach Packungen schrumpfte um 4,1 Prozent. Damit beschleunigte sich der Umsatzrückgang im GKV-Segment nochmals leicht (März 2011: minus 7,3 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro).

Leichtes Plus bei OTC

Einen positiven Trend gab es hingegen bei OTC-Produkten: Der Umsatz rezeptfreier Arzneimittel legte im April 2011 mit einem Plus von 1,2 Prozent leicht zu. Der Absatz stieg um 2,1 Prozent. Neben bestimmten Erkältungspräparaten erhöhte sich im April vor allem der Abverkauf von Antiallergika wie systemischen und topischen Antihistaminika oder auch abschwellenden Augenpräparaten.

Der Versandhandel befindet sich zum dritten Mal innerhalb der ersten vier Monate dieses Jahres bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln auf dem Vormarsch. Nur im März wuchs der Rx-Bereich langsamer als OTC-Produkte. Nach einem ungewöhnlich starken Plus von 13 Prozent im Februar legte der Rx-Bereich im April 2011 nach aktuellen Zahlen von IMS Health mit neun Prozent zu. Insgesamt wuchs der Versandhandel im April um sechs Prozent.

Der OTC-Bereich wuchs im Versandhandel im April dagegen nur um vier Prozent. Insgesamt erhöhte sich der Umsatz des Versandhandels im April um sechs Prozent (März 2011: plus sechs Prozent).

Insgesamt setzte der Versandhandel im April 2011 Produkte im Wert von 53 Mio. Euro um (plus sechs Prozent), davon 17 Millionen Rx-Produkte. Bei den Packungszahlen verbuchte der Versandhandel einen etwas schwächeren Zuwachs von sieben Prozent auf 6,1 Millionen Stück. Die Abgabe von Rx-Arzneien verharrte auf niedrigem Niveau bei 500.000 Stück. OTC-Packungen sanken gegenüber dem Vormonat um 800.000 auf 5,6 Millionen Stück.



AZ 2011, Nr. 24, S. 1

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