Gesundheitspolitik

Medco Celesio wirbt um Partner

Berlin (ks). Im Juni 2010 haben der Stuttgarter Pharmahändler Celesio und der US-Gesundheitsdienstleister Medco die Gründung ihres Joint Ventures Medco Celesio bekannt gegeben. Nun ist die Aufbauarbeit abgeschlossen, verkündete letzte Woche Thorsten Beer, Mitglied der Geschäftsführung: "Das Baby Medco Celesio hat mittlerweile laufen gelernt."

Der Hauptsitz des Joint Ventures in Amsterdam ist eröffnet, 30 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Auch in Berlin wurde ein Büro aufgebaut – ebenso ein Service-Center. Von hier aus kümmern sich derzeit rund zehn Apotheker und PTAs um die telefonische pharmazeutische Betreuung von Chronikern im Rahmen des Versorgungsprogramms ACS (Advanced Clinical Solutions). Diese den Krankenkassen angebotene und in den USA bereits erprobte Dienstleistung wurde den Besonderheiten des deutschen Marktes angepasst. Ziel ist es, im Verhältnis Patient – Arzt – Apotheke zu koordinieren und zu unterstützen. Dazu werden zunächst Patientendaten analysiert und therapeutische Lücken aufgespürt. ACS ist eine der drei Säulen des Medco Celesio Gesamtkonzepts, mit dem das Unternehmen den europäischen Markt erobern will. Bislang ist die BIG direkt gesund einziger Kooperationspartner. Immerhin hatten sich bis Mitte April schon 1000 chronisch kranke Versicherte in das "Big Medcoach"-Programm eingetragen – monatlich kommen 100 weitere hinzu, sagt Beer. Max Müller vom Berliner Büro ist optimistisch, dass bald noch mehr Versicherer mit ins Boot kommen. Dass sich viel sparen lässt, wenn Chroniker vernünftig betreut werden und ihre Medikamente richtig einnehmen, ist schließlich kein Geheimnis: "Wir sind in vielen Gesprächen mit Kassen, die sehr interessiert an unserem Ansatz und dessen Umsetzung sind", sagt Müller. Die finanziellen Eckdaten veranschaulichten den Handlungsdruck. "Wir sind daher zuversichtlich, dass unser innovatives Konzept weiterhin auf breiten Zuspruch stoßen wird."

Die zweite Säule des Medco Celesio Konzepts nennt sich "Specialty pharmacy solutions" – gemeint ist damit die Unterstützung bei der Arzneimitteleinnahme und -anwendung im häuslichen Bereich. Mit diesem Ansatz kommt das Unternehmen in Deutschland derzeit nicht weit – die rechtlichen Voraussetzungen für eine Übertragung ärztlicher Aufgaben sind nicht gegeben. Doch Beer gibt sich zuversichtlich, dass hier noch Bewegung möglich ist.

Säule Nummer drei sind die Versandapotheken DocMorris und Europa Apotheek, die ebenfalls mitmischen sollen. Allerdings betonte Beer erneut, dass Medco Celesio auch die enge Einbindung der niedergelassenen Apotheken wichtig sei. Nicht nur DocMorris-Markenpartner oder Gehe-Apotheker sind damit gemeint. "Die hohe Beratungskompetenz und das hohe Ansehen der Apotheken sind für unser Geschäftsmodell unverzichtbar", so Beer. Noch sind die Apotheken vor Ort allerdings außen vor. Das Konzept zur Zusammenarbeit werde noch erarbeitet.

Als positiv und den eigenen Ansatz bestätigend wertet Medco Celesio übrigens das ABDA/KBV-Versorgungskonzept. "Wir begrüßen es, dass man sektorübergreifend agiert und die Versorgung optimiert", so Müller.



AZ 2011, Nr. 20, S. 1

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