Wirtschaft

DAX: Auf den Spuren des Dollar

Korrektur beim DAX setzt sich fort – Generalstreik in Griechenland belastet Euro

(hps). Zuerst die Zinspause der EZB, dann die Proteste in Griechenland. Das setzte nicht nur dem Euro zu, sondern brachte auch die Börsen unter Druck. Die Schicksalsgemeinschaft zwischen Dollarkurs und Aktienmärkten macht wieder einmal Schlagzeilen. Doch so ernst die Griechenland-Krise auch sein mag – das Aufwärtspotenzial beim Greenback ist definitiv begrenzt.

Die Marktlage

Der DAX, der Dollar und Griechenland – eine unheilige Allianz. Seit die EZB letzte Woche überraschend doch keine weitere Zinserhöhung für den Juni signalisierte, stiegen die Investoren nicht nur scharenweise aus dem Euro aus, sondern veräußerten zudem auch Rohstoffe – bislang die eigentlichen Profiteure der jüngsten Dollarschwäche. Als dann auch noch eine mögliche Umschuldung der griechischen Staatsverschuldung zur Diskussion stand, verstärkte sich die Abwärtstendenz beim Euro. Auch den Aktienmärkten passt der Schwächeanfall der Gemeinschaftswährung nicht ins Konzept, denn seit Wochen gehen starke Aktienkurse und ein steigender Euro Hand in Hand. Sind die fallenden Rohstoffpreise ein Warnschuss für die Aktienmärkte, wie einige Analysten inzwischen mutmaßen? Ist die Rohstoffbaisse ein Indiz dafür, dass der Glaube an die baldige Erholung der US-Konjunktur erschüttert ist? Zumindest fürchten viele Profis jetzt das Auslaufen der Berichtssaison. Denn damit richte sich der Fokus automatisch wieder mehr auf die volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten – und da präsentiert sich die Nachrichtenlage in den USA eher durchwachsen. Andere sehen die deutsche Wirtschaft inzwischen "auf dem Gipfel ihrer Schaffenskraft" und raten deshalb zu Gewinnmitnahmen. Indes: Wie soll die Alternative zu Aktien aussehen, fragen all jene, für die grundsätzlich jede Schwächetendenz an der Börse allenfalls ein "Korrektürchen" auf dem Weg nach oben sein kann, solange die Notenbanken an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten. Viele Investoren, die sich die Verschuldungsproblematik in den USA ansehen und den enormen Rohstoffhunger Asiens verfolgen, kommen zu dem Schluss, dass sowohl ein Wiedererstarken des Greenback als auch die fallenden Rohstoffpreise nur eine vorübergehende Erscheinung sein können. Die meisten Profis gehen davon aus, dass die Marktteilnehmer in der Euroschwäche und den sinkenden Rohstoffen lediglich einen willkommenen Grund für Gewinnmitnahmen gefunden haben. Und mehr will derzeit kaum ein Händler in die Kurskorrektur beim DAX hineininterpretieren.

Bulle & Bär

"Einerseits sind wir für Aktien optimistisch, gleichzeitig sind wir aber auch skeptisch", meint die Saxo Bank und trifft damit wohl das allgemeine Stimmungsbild der Profis. Die wissen nämlich nicht recht, wie sie sich im gegenwärtigen Marktumfeld positionieren sollen. Keine Frage: Der jüngste Rohstoffcrash hat auch so manchen Aktienanalysten aufgescheucht. Dennoch zeigen sich beispielsweise die Strategen der BayernLB davon überzeugt, dass es mit den Aktien weiter aufwärts gehe. Eine nur leichte Verlangsamung der Konjunktur, wie sie sich gegenwärtig abzeichne, sei einfach nicht dazu angetan, am Aktienmarkt eine kräftige Korrektur auszulösen, so lautet es aus Bayern. Als "sehr positiv" schätzt die DZ-Bank den Ausblick für den DAX ein. Die Baader Bank ist ebenfalls positiv gestimmt und sieht die Wirtschaft jetzt in einem Übergangsstadium vom Nachkrisenwachstum zu einem nachhaltigen Aufschwung. Gestützt wird diese optimistische Grundeinschätzung von den Charttechnikern. Sie sehen den DAX nun auf dem Weg Richtung 7800/8000 Punkte.

Unterdessen haben letzte Woche die fallenden Rohstoffnotierungen wie befürchtet auch die Aktienmärkte unter Druck gesetzt. Weitet sich nun der bisherige Kursrückgang zur ausgewachsenen Korrektur aus? Wohl eher nicht. Die "Konfettiwährung" Dollar will in Wirklichkeit niemand mehr haben. Anscheinend nehmen hier Spekulanten lediglich ein paar schnelle Eurogewinne vom Tisch – was sich angesichts der Hürde von 1,50 Dollar auch abgezeichnet hatte. Insgesamt dürfte jedoch der Umschichtungsprozess von Dollar in Euro anhalten. Ähnlich verhält es sich mit den Rohstoffen. Für Spekulanten ist es einfach zu verführerisch, vor dem Hintergrund der Chinafantasie sich wieder billiger mit Rohstoffen eindecken zu können. Die Weggefährten der Aktienmärkte werden also nicht endlos abstürzen. Und da sich weder am Verschuldungsproblem der USA noch an der US-Notenbankpolitik des billigen Geldes etwas ändert, dürfte sich auch die Korrektur am Aktienmarkt in Grenzen halten. Chancen auf ein schnelles Comeback haben dabei die Publikumslieblinge und DAX-Schwergewichte BASF, Bayer und Siemens sowie die relativ leicht gewichtete, aber insgesamt sehr stabile VW-Aktie.


Eckdaten zum 12. Mai 2011 (alle Angaben ohne Gewähr)
DAX (12. 5., 13.30 h)
7387 Punkte
Dow Jones (11. 5. Schluss)
12.630 Punkte
Gold (Feinunze)
1489,50 Dollar
Tagesgeld 5000 € (Durchschnitt)
1,30%
Festgeld 3 Monate (Durchschnitt)
Bester überregionaler Anbieter mit Einlagensicherung*
1,05%
1,55%
(IKB direkt AG)
Festgeld 12 Monate (Durchschnitt)
Bester überregionaler Anbieter mit Einlagensicherung*
1,78%
2,80%
(IKB direkt AG)

*Quelle: www.festgeld.de



AZ 2011, Nr. 20, S. 5

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.