Gesundheitspolitik

AMNOG wirkt sich "dramatisch" auf Apothekengewinn aus

Ernüchternde Zahlen beim 48. DAV-Wirtschaftsforum

Potsdam (lk). Die mit dem Start des AMNOG verbundenen Befürchtungen über die wirtschaftlichen Folgen für die Apotheken werden offenbar von der Realität noch weit übertroffen. Nach aktuellen Zahlen der Treuhand Hannover GmbH führen die neuen gesetzlichen Regelungen wie der erhöhte Apothekenabschlag zu einem "historischen Rückgang" beim Einkommen selbstständiger Apotheker. Beim 48. DAV-Wirtschaftsforum in Potsdam berichtete Treuhand-Geschäftsführer Dr. Frank Diener von einer "dramatisch" verschlechterten betriebswirtschaftlichen Lage für viele Apotheken. DAV-Vorsitzender Fritz Becker sagte, das Maß sei voll. Die Politik habe den Apotheken "maßlos in die Tasche gegriffen".

Anhand von im 1. Quartal für eine typische Apotheke gewonnenen betriebswirtschaftlichen Daten rechnete Diener die Gesamtentwicklung für das Jahr 2011 hoch: Ausgehend vom 1. Quartal 2011 lasse sich für das Gesamtjahr 2011 auf eine "schwarze Null" bei der Umsatzentwicklung schließen, sagte Diener. Wesentlich negativer werden sich aber Rohertrag und Betriebsergebnis entwickeln.

"Die betriebswirtschaftliche Lage vieler Apotheken ist problematisch", sagte Diener. Der Rohgewinn werde sich "massiv verschlechtern" und sinke für eine durchschnittliche Apotheke von 25,9 auf 24,5 Prozent um 1,4 Prozentpunkte. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeute dies einen Rückgang um 18.000 Euro von 336.000 Euro im Jahr 2010 auf 318.000 Euro im laufenden Jahr. Das ist ein Minus von fünf Prozent. Das Betriebsergebnis vor Steuern werde sogar um 27,5 Prozent von 5,8 Prozent auf 4,2 Prozent abnehmen. Für eine typische Apotheke mit einem Jahresumsatz zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Euro bedeute dies einen "dramatischen Rückgang" von über 20.000 Euro von 75.000 Euro im Jahr 2010 auf nur noch 54.600 Euro im laufenden Jahr. Nach Steuern und Abgaben verblieben für den Apothekeninhaber nur noch 25.600 Euro zum Leben nach 39.100 Euro, rechnete Diener vor: "Das ist ein historischer Rückgang um 35 Prozent" – und weniger als ein angestellter Pharmazeut mit 32.500 Euro verdiene.

Becker: Das Maß ist voll

Angesichts der dramatischen Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage sagte Becker beim DAV-Wirtschaftsforum in seinem politischen Lagebericht, den Apotheken werde "maßlos in die Tasche gegriffen. Das Maß ist absolut voll." Der DAV-Chef forderte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler auf, den ab Januar 2011 auf 2,05 Euro festgesetzten Apothekenabschlag im anstehenden Versorgungsgesetz freizugeben und ab dem kommenden Jahr wieder der Selbstverwaltung zu überlassen. Außerdem forderte Becker, endlich das Apothekenhonorar zu dynamisieren. "Jeder Versorgungsauftrag hat seinen Preis", rechtfertigte Becker. "Nach sieben Jahren können wir das nicht länger akzeptieren." Auch für Nacht- und Notdienste benötigten die Apotheken ein kostendeckendes Honorar.

Kritik übte der DAV-Vorsitzende an der Rabattpolitik des Großhandels: "Der Großhandel ist nicht willens, seinen Beitrag zu leisten." Er kürze die Konditionen teilweise "deutlich mehr als um 0,85 Prozent". Das habe "verheerende Auswirkungen" auf den Rohertrag der Apotheken in diesem Jahr. In der Summe würden die Apotheken durch das AMNOG daher mit 400 Millionen Euro belastet. Becker: "Das AMNOG nimmt uns die Luft zum Atmen. Das ist eine inakzeptable Situation. Unser Geduldsfaden ist jetzt gerissen."

ApBetrO – Konsens mit Apotheken notwendig

Korrekturen verlangte Becker an den Eckpunkten für die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO). Die darin vorgesehenen Erleichterungen für Filialapotheken bei der Laborausstattung, bei Nacht- und Notdiensten müssten korrigiert werden: "Apotheken 2. Klasse wird es mit uns nicht geben." Es dürfe auch kein Platz sein für eine "dramatische Ausweitung von Rezeptsammelstellen", forderte Becker. Die ApBetrO sei das "Grundgesetz" für die Apotheken. Daher müsse die Politik dies im Konsens mit den Apotheken erarbeiten.


Mehr zum Thema: Hier finden Sie Interviews mit Fritz Becker und Frank Diener.



AZ 2011, Nr. 19, S. 1