Gesundheitspolitik

Arzneimittelfälschungen: Zoll und ABDA warnen Verbraucher

Zollfahnder bleiben wachsam – Internet als Einfallstor

Berlin (ks). Die Zollfahndungsämter haben vergangene Woche ihre Jahresbilanzen für 2010 vorgestellt. Vielfach beklagen die Behörden erneut die kriminelle Energie von Arzneimittelfälschern – immer wieder werden illegale Arzneien sichergestellt, vor allem Dopingsubstanzen machen den Fahndern zu schaffen. Auch ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf warnte die Verbraucher zu diesem Anlass vor dem Bezug von Arzneimitteln aus unseriösen Internetquellen.

"Unverändert besorgniserregend" sei der Trend, heißt es in einer Mitteilung des Zollfahndungsamts Berlin-Brandenburg. Das Motto "billig, ohne Rezept und anonym" verleite offensichtlich viele Menschen zum Kauf derartiger Produkte, "die in einer überwiegend großen Anzahl durch die Beimengungen falscher Wirksubstanzen stark gesundheitsgefährdend sind". Dabei machten etwa 40 Prozent der beim Zollfahndungsamt bearbeiteten Ermittlungsverfahren anabole Steroide aus.

Lukratives Geschäft für Kriminelle

Das Zollfahndungsamt Stuttgart meldet 1,7 Millionen eingeschmuggelte Tabletten und Ampullen sowie 16 Kilogramm Rohstoffe zur Herstellung illegaler Arzneimittel. Das Spektrum reiche von Vitaminpräparaten über Appetitzügler bis hin zu Doping-, Potenz- und Krebsmedikamenten. "Diese Ergebnisse zeigen, dass wir mit unserem Ermittlungsschwerpunkt im Bereich des illegalen Arzneimittelhandels richtig gelegen haben", so der Stuttgarter Amtsleiter Ralf Stolze. Die Behörde verweist auch auf die enormen Gewinne auf dem Arzneimittelschwarzmarkt: So bearbeiteten die Fahnder einen Fall, in dem die illegal erlangte Summe bei 17 Millionen Euro lag – die Tatverdächtigen hatten über fünf Jahre hinweg nicht zugelassene Arzneimittel nach Deutschland geliefert.

Selbstversuche mit ungewissem Ausgang

Ähnliche Meldungen kommen vom Zollfahndungsamt Essen. Hier verweist man zudem auf die herausragende Rolle des vermeintlich anonymen Internethandels. Mit Unterstützung von Pharmaunternehmen, Apothekerverbänden und der Kreditkartenwirtschaft gehe man intensiv gegen diesen Täterkreis vor, so das Amt. Von den 79 Ermittlungsverfahren, die im Jahr 2010 in diesem Bereich geführt wurden, betrafen zwar 51 ausschließlich Dopingsubstanzen. Dass der Schmuggel etwa von Potenzpillen nicht abnehme, zeige aber ein Fall aus dem Frühjahr 2010, in dem 83.000 gefälschte Viagra-Tabletten aus China beschlagnahmt wurden. Der Wirkstoffgehalt fiel vollkommen unterschiedlich aus und habe nicht im Geringsten den deutschen Qualitätsnormen entsprochen. "Vor der Einnahme solcher Pillen muss dringend gewarnt werden, denn man weiß nie, wie solche Selbstversuche enden", so das Zollfahndungsamt.

Indien an der Spitze

Wolf kann sich den Warnungen der Zollbehörden nur anschließen: "Wer Arzneimittel bei dubiosen Internetadressen im Ausland bestellt, läuft Gefahr, nicht nur sein Konto, sondern auch seine Gesundheit zu ruinieren", betonte er. Die sicherste Art und Weise, ein geprüftes Medikament zu bekommen, sei nach wie vor der Gang zur Apotheke um die Ecke.

Nach Angaben der Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz in München hat der Zoll 574 Beschlagnahmen im Jahr 2010 durchgeführt. Unter den Herkunftsländern der Aufgriffe liegt Indien mit 68 Prozent vor Hongkong (10 Prozent) und Iran (8 Prozent). Im Jahr 2009 lag Indien (86 Prozent) vor China (5 Prozent) und den Seychellen (4 Prozent).



AZ 2011, Nr. 12, S. 8

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