Gesundheitspolitik

Apothekenrabatt steigt sprunghaft

Arzneimittelmarkt im Januar 2011: Versandhandel legt zu – Vor-Ort-Apotheken stagnieren

Berlin (lk). Als Folge der von der Bundesregierung verordneten Erhöhung des Apothekenzwangsrabatts von 1,75 auf 2,05 Euro zum 1. Januar 2010 ist der monatliche Gesamtnachlass der Apotheken an die gesetzlichen Krankenkassen sprunghaft gestiegen. Während im Vorjahr noch 85 Millionen Euro an Rabatt von den Apotheken an die gesetzlichen Krankenkassen gewährt werden mussten, schnellte der Apothekenrabatt im Januar 2011 auf 104 Millionen Euro hoch.

Das ist eine Steigerung von 12,2 Prozent oder 19 Millionen Euro. Nach Einschätzung von IMS Health ist eine Hochrechnung der Januarzahlen auf das Gesamtjahr 2011 derzeit noch nicht aussagekräftig. Im Januar gab es einen saisonal überdurchschnittlichen Anstieg von Erkältungserkrankungen, die zu entsprechend höheren Verordnungszahlen von Antibiotika führten.

Würde sich der Trend zu steigenden Packungszahlen über den Jahresbeginn hinaus jedoch verstetigen, dürfte der Apothekenrabatt für das Gesamtjahr 2011 damit sogar über das von der Bundesregierung vorgegebene Maß von 200 Millionen Euro ansteigen.

Versandhandel: Umsatzplus auch bei Rx-Arzneien

Die IMS Health Januarstatistik zeigt eine weitere Besonderheit auf: Während der Arzneimittelumsatz im Januar 2011 in den Vor-Ort-Apotheken stagniert, befindet sich der Versandhandel weiter auf dem Vormarsch. Dieser Trend gilt im neuen Jahr nicht nur für den OTC-Bereich, sondern auch für rezeptpflichtige Medikamente. Danach konnte der Versandhandel im Januar 2011 seinen Rx-Umsatz – wenn auch auf niedrigem Niveau – zum zweiten Mal nach November 2010 stärker steigern als im OTC-Bereich. Die Abgabe von Rx-Arzneien wuchs um rund neun Prozent auf 16 Millionen Euro, während der Zuwachs bei OTC-Produkten rund sieben Prozent auf 43 Millionen Euro betrug.

Auch bei den Packungszahlen verbucht der Versandhandel wieder zweistellige Wachstumsraten: Die Abgabe von Rx-Arzneien stieg auf niedrigem Niveau um 12 Prozent auf 500.000 Stück. OTC-Packungen legten um zehn Prozent auf 6,5 Millionen Stück zu. Zusammen legte der Versandhandel nach Packungen gemessen um zehn Prozent zu.

Dagegen stagnierte der Umsatz der Vor-Ort-Apotheken zu Jahresbeginn nahezu: Zwar erhöhte sich der Absatz nach Packungen um 3,7 Prozent auf 126 Millionen Stück. Der Gesamt-Apothekenumsatz stagnierte jedoch nahezu (plus 0,6 Prozent) bei zwei Milliarden Euro.

Darin spiegeln sich der neue Großhandelsabschlag und der auf 2,05 Euro gestiegene Apothekenabschlag wider. Auch die seit August 2010 erhöhten Zwangsrabatte der Hersteller und das Preismoratorium wirken sich weiterhin statistisch aus.

Der Umsatz rezeptpflichtiger Arzneien stagnierte im Januar 2011 ebenfalls mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der Packungsabsatz wuchs hingegen um 4,9 Prozent auf 58 Millionen Rx-Packungen.

Nicht anders zeigt sich die Entwicklung im gesamten GKV-Markt einschließlich des Versandhandels: Der Umsatz zu Apothekenverkaufspreisen legte um knapp ein Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu, während die Zahl der abgegebenen Packungen um rund sechs Prozent auf 58 Millionen zulegte. Auch hier wirken sich die Folgen der Arzneimittelgesetzgebung der Bundesregierung aus.



AZ 2011, Nr. 12, S. 1

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