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Roth ist Präsident der Europäischen Brunnengesellschaft

(daz). Hermann J. Roth, emeritierter Professor für Pharmazeutisch-medizinische Chemie, wurde in Juni vergangenen Jahres (2009) in Nancy einstimmig zum neuen Präsidenten der Europäischen Brunnengesellschaft (EBG) gewählt. Hauptziele dieses Vereins sind die Pflege und Unterhaltung von Brunnen, der Bau und die Sanierung von Brunnen in Notstandsgebieten sowie die wissenschaftliche Kontrolle und Weiterentwicklung der Brunnenwasseranalytik.
Alltagshelden Überreichung des Deutschen Bürgerpreises am 30.11.2009 im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin. V. l. n. r.: Hermann J. Roth, Dietrich Maier und Uwe Faulhaber.

Fotos: Roth

DAZ: Herr Roth, warum hat man gerade Sie, einen Pharmazeuten zum neuen EBG-Präsidenten gewählt, wo doch der erste Präsident der EBG ein ausgesprochener Wasserfachmann war, nämlich Prof. Dr. Dietrich Maier, der europäische "Wasserpapst"?

 

Roth: Ich nehme an, weil ich in einer früheren Jahresversammlung der Gesellschaft auf Schloss Rotenfels einen Vortrag mit dem populistischen Titel "Das Wasser und der Fußball" gehalten habe (gerade als die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen wurde), weil ich in den Mitgliederversammlungen ab und zu eine vernünftige Bemerkung machte und vielleicht auch deswegen, weil ich vor der Wahl meine Unzulänglichkeiten bekannte, für andere Kandidaten eine Lanze gebrochen und keine übertriebenen Versprechungen gemacht habe. Und was den Pharmazeuten anbelangt genügt es, an die sechs Monographien für verschiedene Wasserqualitäten zu denken, die im Europäischen Arzneibuch beschrieben sind.

DAZ: Wann, wo und warum wurde die Europäische Brunnengesellschaft gegründet?

 

Roth: Die Gründung der EBG erfolgte 2004 durch D. Maier und einige gleichgesinnte Karlsruher Bürger, als man in der badischen Metropole aus Kostengründen einige Brunnen still legen, nicht mehr pflegen oder nicht sanieren wollte. Sie wurde als gemeinnützig anerkannt und so konnte als erstes Ziel die Stilllegung der gefährdeten Brunnen verhindert und die vorhandenen durch den Einsatz von Brunnenpaten gepflegt werden.

DAZ: Was verstehen Sie unter Brunnenpaten und was ist deren Funktion?

 

Roth: Brunnenpatinnen und -paten fühlen sich verantwortlich für einen oder mehrere Karlsruher Brunnen, halten sie sauber oder melden Verunreinigungen und Schäden der Stadtverwaltung. Von den etwa 80 Mitgliedern der heutigen Sektion Karlsruhe der EBG sind 22 in dieser Funktion tätig. Darüber hinaus gibt es 38 weitere Brunnenpaten, die noch nicht Mitglieder unserer Gesellschaft sind.

DAZ: Sie sind im Dezember 2009 in Berlin in der Kategorie "Alltagshelden" mit dem Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet worden. Darf man fragen warum?

 

Roth: Nicht ich wurde ausgezeichnet, sondern wir (Maier, Faulhaber, Roth) wurden geehrt und das stellvertretend für alle aktiven Mitglieder der EBG, und wir sind stolz darauf, dass die Sektion Karlsruhe von über 1000 ehrenamtlichen Projekten den ersten Preis einer der vier Auszeichnungskategorien erhalten hat.

DAZ: Wer vergibt den Deutschen Bürgerpreis und wofür?

D. Maier Karlsruher Brunnen, Darstellung von über 200 Karlsruher Brunnen in Bildern, Modellen und Fotografien.

Roth: Der Bürgerpreis, der das ehrenamtliche Engagement von Bundesbürgern würdigt und belohnt, wird vom Deutschen Bundestag, dem deutschen Städte- und Gemeindebund sowie dem Sparkassenverband ausgeschrieben und nach der Beurteilung durch ein unabhängiges Gremium in feierlicher Form vergeben. 2009 erfolgte die Ehrung im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin. Wir erhielten den mit 5000 Euro dotierten Preis für die unermüdliche Arbeit der Brunnengesellschaft zur Erhaltung der Ressource Wasser, die durch menschliche Eingriffe vielerlei Gefahren ausgesetzt ist. Die Begründung lautete: Ihre Mitglieder schärfen mit ihrer Arbeit das Bewusstsein für die Ressource Wasser, ihren Schutz und ihre sparsame Nutzung, in Karlsruhe, in                                                                                               Deutschland und in anderen Teilen der Welt.

DAZ: Welche Beziehungen bestehen zu anderen europäischen Ländern und welche Aktivitäten entwickelten Sie in "anderen Teilen der Welt"?

 

Roth: Die meisten Mitglieder der EBG leben (bis heute) in Deutschland. Wir haben aber auch Mitglieder in Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Tschechien. Als Beispiele für weltweite Aktivitäten möchte ich die persönlichen Einsätze vor Ort bei der Tsunamikatastrophe 2004/2005 in Sri Lanka (D. Maier), die Versorgung mit über zwei Millionen Chlortabletten für die Choleraopfer in Simbabwe im Jahr 2008 (D. Maier und U. Faulhaber) und erst kürzlich die lebensrettenden Hilfen zur Entkeimung des Trinkwassers im Erdbebengebiet von Haiti (D. Maier und H. Knoll, Präsident der International Water Aid Organization e. V. IWAO) nennen. Ermöglicht wurden und werden diese internationalen Hilfen vor allem durch Spendengelder und die Mitgliedsbeiträge.

 

Simbabwe 2008 Eine Million Chlor­tabletten, Gesamtgewicht 390 kg, die nach Simbabwe geflogen und dort unter Anleitung verteilt wurden.

DAZ: Wozu werden die eingehenden Spenden generell verwendet und in welcher Form geschieht das? Können Sie garantieren, dass jeder Euro bestimmungsgemäß eingesetzt wird?

 

Roth: Die bange Frage, ob die für soziale Hilfen bei Notsituationen in fernen Ländern geleisteten Spenden tatsächlich auch zweckmäßig eingesetzt werden und nicht in kriminelle Hände gelangen, braucht man bei unseren Spendenaufrufen nicht zu stellen. Diese Gefahr wird durch den persönlichen Einsatz vor Ort ausgeschlossen. Alle unsere Tätigkeiten erfolgen ehrenamtlich. Aufwandsentschädigungen, auch bei den lebensgefährlichen Einsätzen in Katastrophengebieten, werden nicht gezahlt. Natürlich werden die vorhandenen Mittel auch zum Betrieb, zur Pflege und zur Instandsetzung europäischer Brunnen verwendet.

Simbabwe 2008 Prof. Maier bei Versuchen zur Wasserentkeimung und Analyse der Ergebnisse, vor Ort.
Sri Lanka 2005 Von der EBG installierte Pumpe, die entkeimtes Wasser aus einer Zisterne beschafft.
Sri Lanka 2005 Notdürftige Versorgung der Bevölkerung mit verseuchtem Wasser.

 

 

DAZ: Gibt es auch Publikationen und Veranstaltungen im Rahmen der EBG-Aktivitäten?

 

R. Legler Tempel des Wassers, Brunnen und Brunnen­häuser in den Klöstern Europas

Roth: Ein wichtiges Medium ist die Bekanntmachung und Präsentation der EBG in Wort, Schrift und Internet. Mit der Herausgabe der Bücher "Karlsruher Brunnen" und "Tempel des Wassers" wurde die Öffentlichkeitsarbeit des EBG begonnen. Daneben möchten wir auch ein Forum für Veröffentlichungen bieten, das in den Bereichen Architektur, Literatur, Medizin, Religion, Kunst und Wissenschaft Fachleute stimulieren soll, Themen zu Brunnen und Wasser zu publizieren. In diesem Zusammenhang ist auch das Brunnenmuseum der Stadtwerke Karlsruhe zu nennen und die von uns initiierten und organisierten themenbezogenen Ausstellungen im Brunnenmuseum und den Räumen des Regierungspräsidiums: "Wasser im Alltag", von November 2008 bis Dezember 2009, mit Bildern der sechs Realisten Karlsruhe, mit Katalog und "Karlsruhe am Wasser – Sichtweisen aus Kunst und Wissenschaft" März bis Mai 2009, mit Katalog.

DAZ: Was sind die künftigen Ziele der Europäischen Brunnengesellschaft?

 

Haiti 2010 Morgentoilette am Kanal.

Roth: Wir möchten unsere Ideen in andere Städte und Länder hinaustragen und damit das Verständnis für die Bedeutung des wichtigsten Lebensmittels, seinen Schutz und den sinnvollen sowie sparsamen Umgang wecken, zur Gründung weiterer Sektionen in Städten und Gemeinden aufrufen und neue Mitglieder werben. In Bearbeitung ist derzeit die komplette Erfassung aller Brunnen, die den Pilgerweg nach Santiago de Campostela 

Haiti 2010 Der gleiche Kanal, aus dem das Wasser zur Versorgung einer Klinik mit etwa 2000 lebensgefährlich erkrankten Patienten gepumpt wurde. Es konnte erst durch die Hilfe der EBG entkeimt werden.

säumen. Wir versuchen auch der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, dass Brunnen zum Kulturerbe der Menschheit gehören. Ein wissenschaftliches Ziel ist die Verbesserung und Entwicklung von Methoden zur Aufbereitung von kontaminiertem Brunnenwasser.

DAZ: Können Sie auch eine Hilfestellung geben für die Gründung von Brunnengesellschaften in anderen Städten und Ländern?

 

Das Objekt Phosphat-Hydrat aus der Ausstellung "Karls­ruhe am Wasser – Sichtweisen aus Kunst und Wissenschaft"

Roth: Ja, das können wir durch ein Brunneninformationssystem, das sich gerade im Aufbau befindet und so konzipiert ist, dass es auch in anderen Städten eingesetzt und genutzt werden kann.

DAZ: Herr Professor Roth, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen der EBG weiterhin Erfolg.

 

 

 


Internetadressen


EBG, Europäische Brunnengesellschaft: www.brunnengesellschaft.de

IWAO, International Water Aid Organization: www.iwao.de


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