Arzneimittel und Therapie

Kommt der Impfstoff gegen Helicobacter pylori?

Mit weltweit nahezu einer Million Neuerkrankungen pro Jahr ist das Magenkarzinom die zweithäufigste maligne Erkrankung und hat zudem bei begrenzten therapeutischen Optionen eine sehr schlechte Prognose. Ein zentraler Faktor in der Pathogenese der Erkrankung ist das gramnegative Bakterium Helicobacter pylori. Seit etwa 20 Jahren wird an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Erreger von Magengeschwüren geforscht, bislang erfolglos. Jetzt zeigte eine klinische Studie von Magdeburger Medizinern, die einen Impfstoff mit einer neuartigen Zusammensetzung testeten, positive Ergebnisse.
Endgültig besiegt? Eine Infektion mit Helicobacter pylori kann zu Magen- und Darmulcera, in schweren Fällen zu Magenkarzinomen führen. Möglicherweise steht bald ein wirksamer Impfstoff gegen das gramnegative Bakterium zur Verfügung.
Foto: Abbott GmbH, Wiesbaden

Von den weltweit diagnostizierten Magenkarzinomen sind etwa 50 bis 70% der Patienten mit Helicobacter pylori infiziert. In Deutschland sind 20 bis 30 Millionen Menschen infiziert und somit etwa 30% der Bevölkerung. Andere Schätzungen gehen davon aus, dass 50% der Weltbevölkerung betroffen sind. Bei jedem fünften Infizierten entwickeln sich später Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre. Bei etwa 1% der chronisch Infizierten führt die dauerhafte Besiedlung zu einem Magenkarzinom. Ein Zusammenhang zwischen einer H.-pylori-Infektion und dem Auftreten von Magenkarzinomen ist epidemiologisch und tierexperimentell zweifelsfrei nachgewiesen, wenn auch andere Faktoren für die Erkrankungen wie genetische Prädisposition oder Ernährung von Bedeutung sind.

Auf dem Weg zu einem wirksamen Impfstoff

Seit etwa 20 Jahren läuft die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Helicobacter pylori mit unterschiedlicher Konzeption, die aber nach ersten Studien abgebrochen wurden, da die Impfung bereits bestehende Infektionen nicht beseitigen konnte. Jetzt haben Magdeburger Mediziner die Ergebnisse einer neuen Studie vorgestellt, die erstmals erfolgreiche Resultate vorweisen kann. Im Rahmen der randomisierten, Beobachter-verblindeten, placebokontrollierten Studie wurden 57 Probanden mit einem Impfstoff beimpft, der als Bestandteile drei unterschiedliche Proteine enthielt:

  • CagA, ein bakterielles Protein, das von Bedeutung im Pathogeneseprozess ist und in epidemiologischen Studien mit erhöhtem Magenkrebsrisiko assoziiert wurde,
  • das Cytotoxin VacA, das die Zellen über eine vermehrte Vakuolenbildung schädigt; das Toxin wird von etwa der Hälfte aller H.-pylori-Stämme gebildet, das entsprechende Gen ist aber in allen vorhanden,
  • ein Protein, das neutrophile Granulozyten aktiviert. Es bewirkt die Produktion von aggressiven Sauerstoffradikalen und trägt somit auch zu Schleimhautschäden bei.

86% der Studienteilnehmer entwickelten gegen alle drei Proteine Antikörper, jeder aber gegen mindestens einen der Bestandteile. Die Frage, ob ein prophylaktischer Impfstoff gegen eine Helicobacter-Infektion überhaupt Sinn macht, wo doch der weitaus größte Teil der Infizierten keinen Nachteil von diesem Keim hat, beantworten die Wissenschaftler mit dem Hinweis auf 36.000 Magenkrebsfälle pro Jahr, allein in Europa, "da kann man nicht von einer seltenen Erkrankung sprechen". Auch die jetzige Dreifachtherapie mit zwei Antibiotika und einem Magensäurehemmer sei wegen zunehmender Resistenzbildung zunehmend problematischer und "ein Viertel der Menschen spricht überhaupt nicht mehr auf die Medikamente an. Auch aus diesem Grund wäre ein Impfstoff ein Segen" hält der Magdeburger Gastroenterologe Peter Malfertheiner Kritikern entgegen.


Quelle

Del Giudice, G.; Malfertheiner, P.; Rappuoli, R.: Development of vaccines against Helicobacter pylori. Expert Rev Vaccines 2009; 8(8): 1037 –1049.


Dr. Hans-Peter Hanssen

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