Ernährung aktuell

Zu viel Cadmium in edler Schokolade?

Das toxische Schwermetall Cadmium ist in einigen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten, so auch in Kakao und Schokolade. Dabei schwanken die Cadmium-Konzentrationen erheblich. Leider sind sie in der Regel umso höher, je edler der Kakao ist. Da edle Schokoladesorten einen immer größeren Anteil am Markt gewinnen, geht von ihnen ein gewisses Gesundheitsrisiko aus.

Die Toxizität von Cadmium beruht vor allem darauf, dass es in den Calciumstoffwechsel eingreift. Dies wirkt sich insbesondere auf die Knochen und auf die Nieren aus. Darüber hinaus ist es mutagen und kanzerogen.

Das Schwermetall hatte in den 50er Jahren Schlagzeilen gemacht, nachdem es in Japan als Ursache einer schweren Erkrankung des Skeletts, verbunden mit Nierenschäden, erkannt worden war. Das in den Abraumhalden von Bergwerken lagernde Cadmium wurde vom Regen ausgespült, gelangte über die Bewässerung auf die Reisfelder und von dort in die Reiskörner und erreichte im Körper der Reisesser im Laufe der Zeit hochtoxische Konzentrationen. Die nach dem japanischen Wort für "schmerzhaft" benannte Itai-Itai-Krankheit führte in vielen Fällen nach langem Siechtum zum Tod der Patienten.

Seither wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um Cadmium aus der Umgebung des Menschen zu verbannen. Beispielsweise wurde das einst beliebte Cadmiumrot (Cadmiumselenid) auf keramischem Geschirr verboten.

Cadmium in Lebensmitteln

Im Dezember 2009 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Broschüre "Cadmium in Lebensmitteln" herausgegeben. Demnach stammt jeweils etwa ein Drittel der mit der Nahrung aufgenommenen Cadmium-Menge aus Getreide, aus Gemüse oder aus sonstigen Lebensmitteln, die weiter untergliedert sind. Hier findet sich Kakao zusammen mit Obst und Nüssen in einer Kategorie, die nur knapp zehn Prozent ausmacht [1]. Doch dies sind Durchschnittswerte; individuell kann das Nahrungsspektrum ganz anders aussehen, wobei die Menge des aufgenommenen Cadmiums durchaus in einen kritischen Bereich kommen kann.

Durch die EU-Verordnung EG 1881/2006 wurden für Getreide und einige andere Lebensmittel Grenzwerte des Cadmium-Gehalts festgelegt. Kakao und seine Produkte sind von dieser Verordnung nicht betroffen. Daraufhin hatte das BfR im Januar 2007 empfohlen, für Schokolade einen Höchstgehalt festzusetzen, der zwischen 0,1 und 0,3 mg Cadmium je kg Schokolade liegen sollte. Die meisten Schokoladehersteller könnten vermutlich einen Cadmium-Grenzwert in diesem Bereich akzeptieren, denn eine Vollmilchschokolade enthält in der Regel weniger als 0,1 mg/kg. Problematisch wäre ein solcher Grenzwert hingegen für manche edle Bitterschokolade, denn deren Cadmium-Gehalt kann bis zu 1,3 mg/kg betragen [2]. Das liegt einerseits an dem höheren Anteil der Kakaomasse im Produkt, andererseits an den unterschiedlichen Kakaoqualitäten.

Dass 1,3 mg Cadmium in 1 kg Schokolade ein extremer Ausnahmewert sein dürfte, lässt eine in diesen Tagen publizierte Meldung der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) vermuten. Die AGES hat 40 Schokoladen mit einem Kakaogehalt über 50% untersucht und nur bei sechs Produkten (15%) einen Cadmium-Gehalt über 0,3 mg/kg festgestellt; bei den 34 anderen Produkten lag der Cadmium-Gehalt hingegen unter 0,2 mg/kg und war somit unbedenklich [3].

Anfang 2009 hatte die European Food Safety Authority (EFSA) in einer Bewertung der Toxizität von Cadmium verkündet, dass eine wöchentliche Aufnahme von 2,5 μg je kg Körpergewicht tolerabel sei, was bei einer 80 kg schweren Person 200 μg entspricht; wenn diese Person täglich 100 g Schokolade mit einem Cadmium-Gehalt von 0,3 mg/kg verzehren würde, würde sie innerhalb einer Woche den empfohlenen Grenzwert nur um 10 μg überschreiten. Eine Entwarnung ist dennoch nicht angebracht, denn der Mensch lebt nicht von Schokolade allein, sondern auch von (Cadmium-haltigem) Gemüse und Getreide.

Die Statistik besagt, dass der durchschnittliche erwachsene Bundesbürger pro Woche 133 g Schokolade verzehrt. Während die relativ Cadmium-reichen Bitterschokoladen Mitte der 1970er Jahre nur einen Anteil von acht Prozent am gesamten Schokoladenmarkt hatten, beträgt ihr Anteil heute 18 Prozent. Und der Trend ist ungebrochen.

Das Problem an der Wurzel packen

Während die Masse des Kakaos, der zu "Konsumschokolade" verarbeitet wird, im tropischen Afrika produziert wird, stammt der "Edelkakao" überwiegend aus Amerika, wo der Kakaobaum zu Hause ist und bereits vor der Ankunft der Europäer kultiviert wurde. Nur etwa fünf Prozent der Welternte sind Edelkakao; dessen wichtigste Produzenten sind Mexiko, Ecuador und Papua-Neuguinea.

Der unterschiedliche Cadmium-Gehalt der Kakaobohnen hängt nicht von den Sorten der kultivierten Kakaobäume ab, sondern von dem Boden, auf dem sie wachsen. Die Standorte, auf denen die Bäume Spitzenqualitäten hervorbringen, sind überwiegend vulkanischen Ursprungs; diese vulkanischen Böden sind aber reich an Cadmium.

Das Problem der Cadmium-haltigen Schokolade könnte an der Quelle, das heißt beim Anbau gelöst werden. Einerseits sind vulkanische Böden keine Bedingung für die gute Erntequalität von Kakao; denn der Kakaobaum wächst, ähnlich wie der Weinstock, auf unterschiedlichen Böden. Vulkanische Böden sind in den Anbaugebieten Mittel- und Südamerikas zwar vorherrschend, aber es finden sich dort auch andere Böden, auf denen Kakaobäume kultiviert werden und die für eine Ausweitung des Anbaus in Zukunft zur Verfügung stehen.

Man könnte in Zukunft aber auch Kakaobäume anbauen, die kein Cadmium aus dem Boden aufnehmen. Cadmium ist prinzipiell für Pflanzen giftig. Die meisten Pflanzen, die einen relativ hohen Cadmium-Gehalt des Bodens tolerieren, binden das Schwermetall mithilfe bestimmter Proteine, der Phytochelate. Einige Pflanzen sind darüber hinaus imstande, das Eindringen von Cadmium in die Wurzel zu verhindern. Auch beim Kakaobaum gibt es Genotypen, die der letzteren Gruppe angehören. Sie werden beispielsweise am Biozentrum Klein Flottbeck der Universität Hamburg in der Arbeitsgruppe von Professor Reinhard Lieberei erforscht, aber noch nirgendwo für den Markt kultiviert. Ob sie sich überhaupt für den kommerziellen Anbau eignen, ist also noch nicht bewiesen. cae


Quellen

[1] Bundesinstitut für Risikobewertung, Cadmium in Lebensmitteln. 2009.

[2] Hucklenbroich C. Schatten über der Edlen Kakaokultur. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2010.

[3] Schlagenhaufen C. Dunkle Schokolade kann zu viel Cadmium enthalten. www.ages.at, 22.01.2010.


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