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Ausgabenanstieg bei Arzneimitteln gebremst

BERLIN (ks). Die gesetzlichen Krankenkassen haben vom 1. bis 3. Quartal 2010 einen Überschuss von rund 277 Mio. Euro verbuchen können. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr, als die Kassen noch ein Plus von 1,4 Mrd. Euro in den ersten neun Monaten aufweisen konnten. Im Arzneimittelbereich hat sich der Ausgabenzuwachs seit Wirksamwerden des erhöhten Herstellerrabatts abgeflacht.

Für das verbleibende Quartal erwartet das Bundesgesundheitsministerium (BMG), dass die Ausgaben noch höher liegen werden. Es sei davon auszugehen, dass die Zusatzbeiträge und weitere Einnahmen (z. B. Zinseinnahmen) im Gesamtjahr 2010 nicht ausreichen werden, um die Unterdeckungen der Ausgaben durch die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds vollständig auszugleichen. Insofern müssten Defizite von Kassen in 2010 häufig aus noch vorhandenen Finanzreserven kompensiert werden.

Zusatzbeiträge, die von einigen Krankenkassen zum Teil ab dem 1. oder dem 2. Quartal 2010 erhoben wurden, haben bislang zu Einnahmen in Höhe von 463 Mio. Euro geführt. Ohne diese Zusatzbeiträge, so das Ministerium, hätte sich schon in den ersten drei Quartalen bei der Summe sämtlicher Kassenergebnisse ein Defizit ergeben.

Die Leistungsausgaben der Krankenkassen sind im 1. bis 3. Quartal 2010 um 3,9 Prozent je Versicherten gestiegen. Im 1. Halbjahr lag der Anstieg noch bei 4,2 Prozent. Damit bewegt sich der Zuwachs im Rahmen der Jahresprognose des Schätzerkreises, der von einem Plus von rund vier Prozent ausgegangen war. Dem Ausgabenanstieg stand ein Zuwachs der Kasseneinnahmen (überwiegend aus Zuweisungen des Gesundheitsfonds) von 2,7 Prozent gegenüber.

4,2 Prozent Plus bei Arzneimitteln

Bei den Arzneimittelausgaben (ohne Impfkosten) lag das Plus bei 4,2 Prozent je Versicherten (Anteil am GKV-Gesamtausgaben: 18 Prozent). Im 1. Halbjahr lag der Zuwachs noch bei 4,8 Prozent. Die deutliche Ausgabenabflachung sei insbesondere auf die ersten Maßnahmen des Arzneimittelsparpakets zurückzuführen – bereits ab 1. August 2010 gilt der erhöhte Herstellerrabatt für Nicht-Festbetragsarzneimittel. Er entlastet die GKV monatlich um rund 100 Mio. Euro. Im 4. Quartal rechnet das Ministerium mit einer Fortsetzung des Trends – und für das nächste Jahr verspricht es sich viel von den Maßnahmen des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes.

Die Ausgaben für die ambulante ärztliche Behandlung – ihr Anteil liegt ebenfalls bei 18 Prozent der GKV-Gesamtausgaben – wuchsen um 3,7 Prozent je Versicherten. Der Anstieg bei den Ausgaben für die Krankenhausbehandlung – sie machen ein Drittel der GKV-Gesamtausgaben aus – lag je Versicherten bei 4,5 Prozent. Das prozentual größte Plus war abermals beim Krankengeld zu verzeichnen. Nach den zweistelligen Zuwachsraten der Jahre 2008 und 2009 lag es in den ersten drei Quartalen 2010 bei 9,8 Prozent. Mit absoluten Ausgaben von 5,85 Mrd. Euro hat das Krankengeld einen Anteil von vier Prozent an den GKV-Gesamtausgaben. Dass die Kosten steigen, liege unter anderem an der zunehmenden Zahl von Krankengeldberechtigten bei steigendem Renteneintrittsalter sowie der starken Zunahme langwieriger psychischer Erkrankungen, so das BMG.

Steigende Verwaltungskosten

Der Zuwachs der Netto-Verwaltungskosten der Kassen lag im 1. bis 3. Quartal bei rund 3,9 Prozent. Sie machen fünf Prozent der GKV-Ausgaben aus. Vor diesem Hintergrund, so das BMG, erscheine die Begrenzung der Verwaltungskosten der Kassen in den Jahren 2011 und 2012 auf das Niveau des Jahres 2010 als "unverzichtbarer Beitrag der Krankenkassen zur notwendigen Ausgabenbegrenzung" in der GKV.

Ins nächste Jahr blickt man im Ministerium positiv. Mit der Reform im Arzneimittelmarkt und der GKV-Finanzierungsreform sieht man das zunächst erwartete Defizit von bis zu neun Mrd. Euro verhindert. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag werde im Jahr 2011 bei Null liegen – das schließe allerdings nicht aus, dass einzelne Krankenkassen im nächsten Jahr einen Zusatzbeitrag erheben müssen.

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