Arzneimittel und Therapie

Studie mit Buprenorphin-haltigem Implantat

In einer US-Studie wurde bei drogenabhängigen Probanden ein Buprenorphin-haltiges Implantat eingesetzt. Im Vergleich mit einem Placebo-Implantat konnten dadurch die Einnahme illegaler Drogen verringert und die Entzugssymptomatik gelindert werden.

Zur Substitution Heroinabhängiger wird in den USA häufig sublinguales Buprenorphin (bzw. Buprenorphin kombiniert mit Naloxon) eingesetzt, da es im Vergleich zu Methadon einige Vorteile aufweist: Da Buprenorphin partiell agonistisch wirkt, ist die Gefahr einer Überdosierung geringer als unter Methadon. Ferner kann Buprenorphin auch außerhalb spezieller Zentren verschrieben werden (Anmerkung: In den USA wird Methadon nur in speziellen Kliniken verabreicht). Probleme wie mangelnde Compliance, Rückfälle, Entzugssymptome, Craving oder Veräußerung des Substitutionsmittels auf dem Schwarzmarkt bestehen allerdings auch bei sublingualem Buprenorphin. Ein Teil dieser Schwierigkeiten kann durch die Verwendung einer anderen Arzneiform verringert werden. So wurde auf der Basis einer Ethylenvinyl-Acetat-Matrix ein Buprenorphin-haltiges Implantat entwickelt, das den Wirkstoff über sechs Monate hinweg kontinuierlich freisetzt (Hersteller: Titan Pharmaceutical). Dieses Präparat wurde nun in einer Phase-III-Studie in den USA getestet.

Studie mit Opioid-abhängigen Probanden

An der randomisierten und placebokontrollierten Studie nahmen 163 drogenabhängige Probanden (zu zwei Dritteln Heroin-, zu einem Drittel medikamentenabhängig) im Alter von 18 bis 65 Jahren an 18 Zentren in den USA teil. Nach einer Induktionsphase mit sublingual verabreichtem Buprenorphin/Naloxon wurden die Probanden zwei Gruppen zugeteilt und erhielten folgende Therapien:

  • Verumgruppe: Die 108 Teilnehmer erhielten vier Buprenorphin-Implantate (jeweils 80 mg Wirkstoff pro Implantat) ins Unterhautfettgewebe des Arms implantiert.
  • Vergleichsgruppe: Die 55 Probanden der Vergleichsgruppe bekamen vier Placebo-Implantate ins Unterhautfettgewebe des Arms eingesetzt.

Allen Studienteilnehmern war im Bedarfsfall eine kontrollierte, begrenzte Einnahme von sublingualem Buprenorphin/Naloxon gestattet. Falls erforderlich, konnte ein fünftes Implantat eingesetzt werden. Der Urin der Patienten wurde regelmäßig auf Drogen kontrolliert. Alle Probanden wurden über ihr Drogenproblem individuell beraten.

Der primäre Studienendpunkt war der Anteil negativer Urinproben (Testung auf fortgesetzten Drogenkonsum). Weitere Studienparameter ermittelten unter anderem die Häufigkeit der Entzugssymptomatik, die Abbruchrate, Therapieversagen und unerwünschte Wirkungen.

Verringerter illegaler Drogenkonsum

Im Verlauf der Studie lagen bei den Probanden der Verumgruppe signifikant mehr negative Urinproben vor als bei den Teilnehmern der Vergleichsgruppe. Die Anzahl negativer Urinproben – das heißt kein Nachweis eines illegalen Drogenkonsums – lag bei 40% vs. 28%. Auch die sekundären Studienparameter wurden durch das Buprenorphin-Implantat günstig beeinflusst. So lagen die Compliance-Raten am Ende der Studie bei 66% bzw. bei 31% und die Teilnehmer der Verumgruppe litten im Verlauf der gesamten Studie weniger häufig unter Entzugssymptomen und Craving-Erscheinungen als die Probanden der Vergleichsgruppe. In der Verumgruppe wurden keine Therapieversager registriert. Alle Probanden kamen mit vier oder fünf Implantaten aus. In der Vergleichsgruppe wurden 31% der Teilnehmer als Therapieversager eingestuft, da sie häufiger als dreimal pro Woche eine sublinguale Buprenorphingabe benötigten.

Die Implantate führten zu geringen Hautreaktionen. Schwerwiegende Ereignisse waren selten. Im Hinblick auf das klinische Erscheinungsbild, Blutwerte, Koagulationsparameter und EKG zeigten sich keine Auffälligkeiten. Auch hatte kein Patient versucht, das Implantat zu entfernen.

Zum Weiterlesen

Pharmazeutische Beratung bei Substitutionsmitteln: Ein Überblick über die derzeit genutzten Substitutionsmittel.

DAZ 2009, Nr. 3, S. 64 – 68.

 

Kommentator hebt verbesserte Compliance hervor

Ein Kommentator sieht in der Depotform von Buprenorphin einen wichtigen Schritt zu einer besseren Substitutionspraxis. Wichtige Pluspunkte für das Implantat sind die verbesserte Compliance der Betroffenen und die Unwahrscheinlichkeit, das eingesetzte Implantat auf dem Schwarzmarkt zu veräußern. Problematisch ist das komplexe Prozedere, das eine zusätzliche sublinguale Einnahme von Buprenorphin/Naloxon erlaubt und das chirurgische Eingriffe beim Einsetzen und Entfernen des Implantats erfordert. Ferner hält der Kommentator fest, dass durch das Implantat nicht alle Probleme gelöst sind, da noch immer mehr als die Hälfte der Probanden weiterhin Drogen einnimmt. Weitere Anstrengungen zur Entwicklung besserer Substitutionsprogramme seien notwendig, ein wichtiger neuer Ansatz ist aber bereits initiiert.

Quelle Ling W., et al.: Buprenorphine implants for treatment of opiod dependence. J. Am. Med. Assoc. (2010) 304, 1576 – 1583. O`Connor P.: Advances in the treatment of opioid dependence: Continued progress and ongoing challenges. J. Am. Med. Assoc. (2010) 304, 1612 – 1614.

 


 

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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