Arzneimittel und Therapie

Verlängertes Überleben mit neuem Taxan

Spricht beim hormonresistenten fortgeschrittenen Prostatakarzinom die First-line-Therapie mit Docetaxel nicht mehr an, kann durch die Gabe eines neuen Taxans ein weiterer Benefit erzielt werden. Der Zugewinn am Gesamtüberleben wird allerdings mit häufig auftretenden Nebenwirkungen erkauft.
Cabazitaxel ist ein neues ein semisynthetisches Taxanderivat.

Beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom, das nicht mehr auf eine antihormonelle Behandlung anspricht und somit kastrationsresistent (= hormonresistent) ist, gilt eine zytostatische Therapie mit Docetaxel in Kombination mit Prednison als Mittel der Wahl. Tritt unter diesem Vorgehen ein erneuter Tumorprogress auf, gibt es nur wenige therapeutische Alternativen. Teilweise wird das Chemotherapeutikum Mitoxantron eingesetzt, das zwar die Lebensqualität, aber nicht das Überleben verbessern kann. Eine neue Alternative ist das Taxan Cabazitaxel, für das aktuelle Studiendaten vorliegen.

Studie mit Docetaxel-resistenten Patienten

In der randomisierten und multizentrischen Phase-III-Studie (TROPIC-Trial) wurden zwei Therapieregime für das fortgeschrittene, kastrations- und Docetaxel-resistente Prostatakarzinom miteinander verglichen.

  • Mitoxantron-Schema: täglich 10 mg Prednison oral und alle drei Wochen 12 mg/m2 Mitoxantron als 15-bis 30-minütige Infusion; Wiederholung nach 21 Tagen.

  • Cabazitaxel-Schema: täglich 10 mg Prednison oral und alle drei Wochen 25 mg/m2 Cabazitaxel als einstündige Infusion; Wiederholung nach 21 Tagen.


Der primäre Studienendpunkt war das Gesamtüberleben. Sekundäre Endpunkte umfassten das progressionsfreie Intervall und die Sicherheit der Therapie. Die Daten wurden mithilfe einer Intention-to-treat-Analyse ausgewertet.

Die Cabazitaxel-Behandlung verbesserte das mittlere progressionsfreie Überleben bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom.
Quelle: sanofi-aventis

An der Studie nahmen zwischen Januar 2007 und Oktober 2008 755 Männer an 123 Zentren teil. 377 Probanden erhielten Mitoxantron, 378 Cabazitaxel. Die Teilnehmer der Cabazitaxel-Gruppe erhielten durchschnittlich sechs Therapiezyklen, die der Mitoxantron-Gruppe vier Therapiezyklen. Zum Zeitpunkt der letzten Analyse hatten die Probanden der Cabazitaxel-Gruppe ein signifikant längeres Gesamtüberleben als die Patienten der Mitoxantron-Gruppe (Hazard ratio 0,70; 95% Konfidenzintervall 0,59 – 0,83; p < 0,0001). Das mediane Gesamtüberleben lag in der Cabazitaxel-Gruppe bei 15,1 Monaten, in der Mitoxantron-Gruppe bei 12,7 Monaten. Das mediane progressionsfreie Überleben lag in der Cabaxitaxel-Gruppe bei 2,8 Monaten vs. 1,4 Monaten unter Mitoxantron (HR 0,64; 95% Konfidenzintervall 0,64 – 0,86; p < 0,0001).


Hier finden Sie eine tabellarische Übersicht zu den häufigsten Nebenwirkungen unter Cabazitaxel und Mitoxantron.

Problematische Nebenwirkungen

Unter der Therapie mit Cabazitaxel traten häufiger schwere Nebenwirkungen auf als unter der Mitoxantron-Gabe (siehe Tabelle). Dies betraf vor allem hämatologische Parameter und Diarrhöen. So trat unter Cabazitaxel bei 82% der Patienten eine Neutropenie auf, verglichen mit 58% unter Mitoxantron. Die Rate febriler Neutropenien lag unter Cabazitaxel bei 8% vs. 1% unter Mitoxantron. Knapp die Hälfte der Cabazitaxel-Gruppe litt unter Diarrhö (verglichen mit etwa 10% unter Mitoxantron). Ferner kann es während der Infusion zu schweren Überempfindlichkeitsreaktionen kommen. Todesfälle aufgrund anderer Ursachen als der Krankheitsprogression wurden bei 5% der mit Cabazitaxel behandelten Patienten und bei 2% der mit Mitoxantron therapierten Patienten registriert.

Mögliche gravierende Nebenwirkungen wie ausgeprägte Neutropenien und schwere Durchfälle erfordern eine engmaschige Kontrolle des Patienten und ein sofortiges und wirksames Management der Nebenwirkungen (z. B. Gabe von C-GSF).


Quelle

De Bono J., et al.: Prednisone plus cabazitaxel or mitoxantrone for metastatic castration-resistant prostate cancer progressing after docetaxel treatment: a randomised open-label trial. Lancet 376, 1147 – 1154 (2010).

Dorff T., et al.: Cabazitaxel in prostate cancer: streching a string. Lancet 376, 1119 – 1120 (2010).


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

Cabazitaxel (Jevtana®)


Das Taxan Cabazitaxel ist ein Mikrotubuli-Inhibitor, der unter dem Namen Jevtana® (sanofi-aventis U.S. LLC) seit 2010 in den USA zugelassen ist. Bei den Europäischen Behörden ist die Zulassung beantragt. Der Wirkstoff wird semisynthetisch aus einem Extrakt aus Eibennadeln hergestellt. Cabazitaxel bindet an Tubulin und unterstützt dessen Einbau in Mikrotubuli, während es gleichzeitig einem Abbau der Mikrotubuli entgegenwirkt. Dies führt zur Stabilisierung der Mikrotubuli. Daraus folgt eine Hemmung der Zellteilung und zellulärer Interphasenfunktionen. Cabazitaxel ist bei Docetaxel-sensitiven Tumoren und in Docetaxel-resistenten Tumorzelllinien wirksam.

Jevtana® ist in Kombination mit Prednison zur Behandlung von Patienten mit hormonrefraktärem metastasiertem Prostatakarzinom angezeigt. Voraussetzung ist eine Vorbehandlung mit einem Docetaxel-haltigen Therapieschema. Die empfohlene Dosis beträgt 25 mg/m² Cabazitaxel alle drei Wochen als einstündige intravenöse Infusion.

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