Medizin

Fettabsaugung

Der Traum vom schlanken Körper ohne Aufwand scheint verlockend: Fettpolster, die Diäten und Bewegung dauerhaft widerstehen, werden in einem "kleinen" Eingriff entfernt. Von Risiken ist selten die Rede. Was erwartet Patienten tatsächlich bei einer Fettabsaugung, der sogenannten Liposuktion?

Nur einmal die Zähne fest zusammenbeißen, Augen zu und durch – und wenn der Verband fällt, kann man sein neues Ich bewundern, schlank und attraktiv. Schönheit ohne Nebenwirkungen: Diese Gleichung geht in quotenstarken Vorher-Nachher-Shows im Privatfernsehen stets auf, und leidgeplagten Patienten wird mit einer "alltäglichen" Operation in der Dauer eines Werbeblocks zu einer neuen, attraktiven Kontur und gesteigertem Selbstbewusstsein verholfen.

Tödlicher Schlankheitswahn

Die Realität sieht oft anders aus. Liposuktionen sind je nach Umfang komplizierte und risikoreiche Eingriffe, bei denen es immer wieder zu Todesfällen kommt. Risikobehaftet sind vor allem "Mega-Absaugungen", bei denen besonders viel Fettgewebe auf einmal in einer Vollnarkose entnommen wird sowie Absaugungen bei Patienten mit Vorerkrankungen. 2004 löste das Bekanntwerden zahlreicher Todesfälle einen regelrechten Skandal aus. Damals wurde in einer wissenschaftlichen Studie über Komplikationen und Fehlern bei Schönheitsoperationen ermittelt, dass zwischen 1998 und 2002 19 Patienten nach einer Fettabsaugung an postoperativen Komplikationen starben. 67 mussten mit lebensgefährlichen Infektionen, Lungenembolien oder durchstochenen Organen auf einer Intensivstation behandelt werden. Der Leiter der Studie ging zudem von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

In der Öffentlichkeit werden kosmetische Eingriffe oft vereinfacht dargestellt, obwohl es sich um komplizierte Operationen handelt. Als Reaktion darauf schlossen sich im September 2004 auf Initiative der Bundesärztekammer Vertreter aus Politik, Kirchen, Gesellschaft und Wissenschaft zur "Koalition gegen den Schönheitswahn" zusammen. Die Vereinigung möchte für die Risiken der plastischen Chirurgie sensibilisieren und dem Trend entgegenwirken, Schönheitsoperationen zu einem "erstrebenswerten Konsumgut" zu machen. Und doch: Weltweit erfreut sich die plastische und ästhetische Chirurgie steigender Umsätze.

Weltweiter Spitzenreiter

Angaben der amerikanischen International Society of Aesthetic Plastic Surgery zufolge ist die Liposuktion weltweit die am häufigsten durchgeführte plastische Operation. Allein im Jahr 2009 wurden rund 1,6 Mio. Eingriffe durchgeführt. Dabei spielt sicher eine Rolle, dass die Liposuktion auch bei Männern immer beliebter wird, trotz der zahlreichen Risiken.

Risikoreiche Operation

Wie bei allen Operationen haben die Betroffenen mit Schwellungen, Nachblutungen und Kreislaufproblemen zu rechnen. Infektionen können beim Fettabsaugen bedrohliche Ausmaße annehmen, denn die Kanülen dringen beim Eingriff mitunter tief in das Gewebe vor. Die Infektionsgefahr sollte daher durch die vorbeugende Einnahme von Antibiotika bereits ein bis zwei Wochen vor der Operation verringert werden.

Zu den spezifischen Komplikationen zählen

  • vorübergehendes Taubheitsgefühl durch Irritation der Hautnerven während der Operation,

  • Verhärtungen und Schwellungen behandelter Bereiche,

  • Hyper- oder Hypopigmentierungen,

  • Konturunregelmäßigkeiten, Asymmetrien, Dellen und Falten,

  • Juckreiz, Übelkeit und Ausschlag bei Unverträglichkeit gegen die verwendeten Substanzen,

  • Verbrennungen bei Ultraschallabsaugung; sie kommen relativ häufig vor und sind auch durch erfahrene Operateure selten ganz zu vermeiden,

  • Kreislaufprobleme und Kreislaufschocks aufgrund des großen Flüssigkeitsverlusts, der durch Infusionen oder Blutkonserven wieder ausgeglichen werden muss,

  • thrombotische Embolien; sie sind selten, bedürfen aber einer intensiven Behandlung. Mit schonenden Behandlungsmethoden und moderater Fettentnahme ist dieses Risiko weitgehend zu bannen.

Wunsch nach harmonischen Proportionen

Was also bewegt tausende Deutsche jährlich dazu, sich trotz Gefahren und Strapazen aufwendigen Operationen am eigenen Körper zu unterziehen?

Ein Beispiel. Oft leiden Frauen unter sogenannten Reiterhosen. Das sind Fettpolster an Oberschenkeln, Hüften und Knie-Innenseiten. Hinzu kommt oft ein eher zierlichen Oberkörper. Besonders ärgerlich ist, dass sich die Problemzone um Hüfte und Schenkel auch durch ausgiebiges Training und gesunde Ernährung nicht deutlich verringern lässt. Daran sind die Fettzellen der Unterhaut (Subkutis) schuld. Sie sind kissenartig angeordnet und dienen dem Körper als Stoßdämpfer, Kälteschutz und Energiespeicher – die meisten Frauen empfinden sie aber lediglich als unästhetisch und störend. Wenn die hartnäckigen Fettpolster den Betroffenen sogar psychische Probleme bereiten, kann die Fettabsaugung möglicherweise helfen.

Abdominoplastik gegen die "Fettschürze"


Eine Liposuktion kann unschöne Fettpolster beseitigen – allerdings führt sie nur bei elastischer Haut zu einem ästhetischen Ergebnis. Nach massivem Gewichtsverlust oder Schwangerschaften, wenn die Bauchmuskulatur überdehnt war, kann das stützende Gewebe mitunter seinen Aufgaben nicht mehr nachkommen. In extremen Fällen bildet sich eine Fettschürze, also ein Hautlappen. Das ehemals straffe Bindegewebe ist aufgrund von Überdehnung oder Veranlagung erschlafft und liegt als "Hängebauch" auf der Haut – dadurch kann es sogar zu Entzündungen kommen. Dann ist ein korrigierender Eingriff auch medizinisch indiziert.

Die Bauchdeckenstraffung ist eine große, blutreiche Operation, die in Vollnarkose durchgeführt wird. Es werden zwei große, bogenförmige Schnitte an der Bikinigrenze oberhalb der Schamhaare gesetzt. Von ihnen aus wird die Haut nach oben bin zu den Rippenbögen abpräpariert. Der Nabel wird dabei umschnitten – er wird am Ende der Operation an der korrekten Stelle wieder eingenäht. Die Bauchhaut wird nach unten gezogen, das überschüssige Hautteil wird entfernt, ähnlich wird auch bei einem Facelift verfahren. Im Rahmen der Abdominoplastik können bis zu zehn Kilogramm Fettgewebe mit entfernt werden.

Aufgrund der großen Wundfläche bestehen zahlreiche Risiken. Es kann zu Thrombosen, Embolien und Nachblutungen kommen. Auch Infektionen und Wundheilungsstörungen bis hin zum Absterben des Nabels sind möglich. Ein Klinikaufenthalt von bis zu zehn Tagen ist daher wichtig.

Diagnose und Indikation

Das Ziel einer Fettabsaugung ist klar definiert: Umfangsverringerung an den "Problemzonen", und damit eine ästhetische Harmonisierung der Fettgewebsverteilung. Für Fettleibige wird die Methode daher nur in Ausnahmefällen verwendet, denn sie ersetzt keine gesunde Lebensweise oder allgemeine Gewichtsreduzierung. Medizinische Indikationen für eine Fettabsaugung liegen beispielsweise bei schmerzhaften Fettgewebsvermehrungen und Lipödemen vor.

Das Alter der Patienten spielt generell keine Rolle, die Haut sollte jedoch noch straff und elastisch genug sein, um sich an den veränderten Umfang anpassen zu können. Andernfalls muss überschüssige Haut mitsamt dem Fettgewebe chirurgisch entfernt werden.

Klassische Anwendungsgebiete der Liposuktion sind neben den Schenkeln auch Bauch und Hüfte sowie der Kinn- und Halsbereich. Bei diesen Arealen sind die Operationsergebnisse meistens gut. Schwieriger hingegen sind etwa Behandlungen von

  • Oberarmen,
  • Rückenfalten, vorderer Taille,
  • Po-Umschlagfalten,
  • Außenseiten der Knie,
  • Fesseln, Knöchel.

Bei diesen Bereichen braucht es besonderes Geschick und gute Techniken, um ästhetische Ergebnisse zu erreichen.

Die Operation

Vor der Operation werden die Problemzonen am stehenden Patienten angezeichnet. Im Liegen folgen dann Minihautschnitte an unauffälligen Stellen wie der Pofalte oder dem Nabel. Durch diese arbeitet der Chirurg mit seinem Operationsinstrumentarium. Ziel der Behandlung sind die hartnäckigen Unterhautfettzellen, die traubenähnlich in dünne, bindegewebige Hüllen verpackt sind. Diese Hüllen werden je nach Methode durch Hitze, eine spezielle Flüssigkeit oder Ultraschall zerstört, so dass die Fettzellen freigesetzt werden. Danach folgt das eigentliche Fettabsaugen: Mit Unterdruck wird das gelöste Fettgewebe durch Kanülen in Auffangbehälter gesaugt. Die Menge des entfernten Fettgewebes wird während der Operation mehrmals kontrolliert: Mehr als rund drei Liter reines Fett soll bei einem Eingriff nicht entfernt werden.

Übrigens: Einmal entfernt, wachsen Fettzellen nicht mehr nach. Nimmt der Patient zu, vergrößern sich die verbliebenen Fettzellen zwar, die durch die Operation geschaffenen Konturen bleiben aber bestehen.

Die Operation erfordert viel Erfahrung vom plastischen Chirurgen: Mit Fingerspitzengefühl muss er durch die Haut ertasten, wo und wie viel Fettgewebe entfernt oder erhalten werden soll. Schließlich sollen nicht alle Fettzellen radikal entfernt werden, sondern neue, ebenmäßige Konturen entstehen. Jegliche Dellen, Falten oder Asymmetrien erfordern eine operative Nachkorrektur, die meist aufwendiger ist als die eigentliche Liposuktion.

Dauer, Risiken, Anästhesiemethode und Kosten hängen stark vom Operationsumfang ab: Kleine Eingriffe können in nur 20 Minuten erledigt sein und der Patient kann die Klinik noch am gleichen Tag verlassen, wenn keine Komplikationen auftreten. Solche Eingriffe kosten ab ca. 1000 Euro. Für umfangreiche Liposuktionen steigen die Kosten auf über 10.000 Euro. Dies ergibt sich aus einer Operationszeit von bis zu drei Stunden, umfangreicher Nachbehandlung sowie dem empfohlenen mehrtägigen Klinikaufenthalt. Entsprechend dem Grad der Gewebeschädigung und dem Ausmaß der Blutergüsse steigt auch die Erholungszeit des Patienten. Schonende Verfahren verkürzen daher die Ruhezeit nach der Operation.

Dry-, Wet-, Rütteltechnik

Früher wurden Fettabsaugungen in Vollnarkose mit großen, scharfen Kanülen ohne Flüssigkeitsinfiltration ins Gewebe durchgeführt, die sogenannte "dry technique". Die Anwendung erforderte viel Kraft, was genaues Arbeiten erschwerte. Folgenschwere Verletzungen des umliegenden Gewebes, zum Teil auch der Lymph- und Nervenbahnen, waren kaum zu vermeiden. Diese Technik ist daher durch die sicherere und gewebeschonendere Liposuktion unter Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA) abgelöst worden.

Der Name Tumeszenz leitet sich vom Lateinischen tumere ab, das bedeutet ‚anschwellen‘. Bei dem Verfahren werden über viele kleine Kanülen innerhalb etwa einer Stunde mehrere Liter Flüssigkeit in das Subkutangewebe gespritzt ("wet technique"). Die Tumeszenzflüssigkeit besteht aus einer Kochsalzlösung mit 0,04%igem Lidocain-Prilocain-Zusatz. Je nach Bedarf werden weitere Medikamente zugesetzt. Dadurch wird eine Vollnarkose in der Regel überflüssig und die Anwendung für den Patienten weniger belastend. Das Fettgewebe saugt sich mit der Flüssigkeit voll und wird gelockert. Die Blutungsneigung verringert sich. Die so entstehende weiche, gleichmäßige Masse kann der Operateur mit weniger Kraftaufwand als bei der trockenen Methode entfernen. Umliegende Strukturen und Gefäße werden geschützt.

Ein Wermutstropfen dieser Methode: Da das Fettgewebe extrem aufgeschwemmt ist, ist das Einschätzen der neuen Proportionen während der Operation sehr schwierig. Dadurch sind häufig Nachkorrekturen nötig.

Auf der Suche nach noch schonenderen Operationsmöglichkeiten haben plastische Chirurgen die Tumeszenzmethode weiterentwickelt und modifiziert.

Vibrationslipolyse. Die sogenannte Rütteltechnik ist zwar nicht das modernste Verfahren der Fettabsaugung, wird aber laut der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie am häufigsten angewendet. Die stumpfe Absaugkanüle wird durch ein elektrisch angetriebenes Handstück in sehr feine Schwingungen versetzt. Es entsteht ein Sog, der die durch Tumeszenzlösung aufgelockerten Fettzellen erfasst und sie quasi aus dem Gewebe rüttelt. Die Bewegung verhindert das Ansaugen und Festkleben des umgebenden Gewebes. Der Vorteil: Die Fettzellen werden praktisch ohne Beschädigung des subkutanen Stützapparats entfernt. Es können daher auch Areale mit viel Bindegewebe wie Waden und Fesseln modelliert werden. Auch für den Patienten ist das Verfahren dank geringerer postoperativer Schmerzen, weniger Schwellungen und einem schnelleren Heilungsverlauf relativ schonend.

Wasserstrahlassistierte Fettabsaugung (WAL). Ein hauchdünner Wasserstrahl löst unter hohem Druck das Fettgewebe, die Mischung aus Fett und Wasser wird gleichzeitig wieder abgesaugt. Da für diese Methode bis zu 70% weniger Tumeszenzflüssigkeit benötigt wird, schwemmt das Gewebe wesentlich weniger auf. Dadurch kann der Operateur seine Arbeit bereits während des Eingriffs besser einschätzen. Unebenheiten können daher größtenteils ausgeschlossen werden und die Notwendigkeit von Nachkorrekturen sinkt. Zudem ermöglicht diese Methode die Entfernung größerer Fettmengen.

"Fett-weg-Spritze" – Finger weg!


Es hört sich so einfach an: Das Phospholipid-Präparat Lipostabil® wird in das zu verringernde Unterhautgewebe injiziert. Dort sollen die Lipide die Fettpolster einfach auflösen – ohne weitere Einwirkung von außen, und wie die Anbieter versprechen, quasi über Nacht. Natürlich kommen die Fettdepots auch nicht wieder. Ein wahrer Traum für alle Problemzonen-Geplagten! Doch Vorsicht: Wie so häufig verbirgt sich auch bei diesem Schönheitsmärchen der Wolf im Schafspelz. Denn anders als bei den chirurgischen Verfahren wird hier das Fett nicht entfernt, sondern verbleibt zunächst im Organismus.

Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie warnt ausdrücklich vor der Anwendung von Lipostabil®: Weder lasse sich die genaue Menge des aufzulösenden Fettgewebes nachvollziehbar steuern, noch sei wissenschaftlich klar, ob die Substanz neben dem Fettgewebe auch andere Gewebe auflöst.

Wie die amerikanische Gesellschaft für kosmetische Chirurgie (ASAPS) bemängelt, gibt es derzeit keine aussagekräftigen klinischen Studien zu dieser "Fett-weg-Spritze" – von Langzeiterfahrungen gar nicht zu reden. Außerdem ist nach wie vor der chemische Wirkmechanismus der Fettauflösung unklar. Als Hauptrisiko gilt eine allergische Reaktion auf die Inhaltsstoffe. In diesem Fall kann es zu Symptomen kommen, die vom Hautausschlag und Juckreiz bis zu lebensbedrohlichen Kreislaufschocks reichen.

Dennoch wird Lipostabil® gelegentlich als minimalinvasives Verfahren im Kampf gegen Fett und Zellulite angewendet. Zugelassen ist diese "Fett-Auflösung" aus kosmetischen Gründen in Deutschland aber nach wie vor nicht: Der Patient muss vor der Behandlung eine entsprechende schriftliche Erklärung unterschreiben.

Hintergrund. Lipostabil® enthält 3-sn-Phosphatidylcholin und Phospholipide der Sojabohne. Es wurde für die Behandlung erhöhter Blutfettwerte entwickelt. Seit Jahren wird es in Tablettenform zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels eingesetzt, als Injektionslösung dient es zur Fettembolie-Prophylaxe und Therapie.

Lipolyse: Fettzellen einfach "wegschmelzen"

Bisher wurden nur Verfahren vorgestellt, bei denen die überschüssigen Fettzellen im Ganzen entfernt und abgesaugt werden. Anders arbeiten Methoden, bei denen die Fettzellenwände zerstört bzw. aufgelöst werden: es findet eine sogenannte Lipolyse, also eine Auflösung der Fettzellen, statt. Sie kann mit verschiedenen Techniken erreicht werden. Unabhängig von der Lyse-Methode wird für eine schonendere Suktion in der Regel auch hier das Gewebe mit einer Tumeszenzlösung getränkt.

Ultraschall. Bei der ultraschallassistierten Aspirations-Lipektomie (UAL) sendet die Spitze der Saugkanüle Ultraschallwellen aus, die gezielt Fettzellen durch Hitzeenergie zerstören. Sie implodieren und setzen das flüssige Innere frei, das zusammen mit der Tumeszenzlösung abgesaugt wird. Das Verfahren eignet sich besonders für Areale mit sehr festem Bindegewebe wie dem oberen Rücken oder der männlichen Brust. Die Hitzeenergie kann jedoch bei falscher Handhabung auch Verbrennungen auslösen. Um dies zu vermeiden und nicht zu viel Wärmeenergie auf eine Stelle einwirken zu lassen, muss die Kanüle ständig bewegt werden. Das macht die Anwendung relativ risikoreich.

Laserlipolyse. In das subkutane, mit Tumeszenzflüssigkeit angereicherte Gewebe wird eine Laserfaser eingebracht, die das Areal erwärmt. Der Operateur kontrolliert die Temperatur dabei manuell und mit einer Wärmebildkamera. Einzelarbeiten belegen eine geringere Blutungstendenz, kürzere Abheilungszeiten und eine niedrigere Komplikationsrate. Der aktuelle Forschungsstand kann aber eine Überlegenheit der Methode gegenüber traditionellen Liposuktionsverfahren nicht signifikant belegen. Als positiver Effekt kann auf jeden Fall bewertet werden, dass durch die thermische Schädigung von Zellen die Kollagenneubildung angeregt wird – das verbessert die Hautstraffung im Vergleich zu anderen Techniken.

Elektrische Impulse. Das Lipopulsing oder Hochfrequenzpulsing ist nur für kleine, exakt umschriebene Gebiete geeignet. Zwei in das Fettgewebe eingeführte Kanülen senden Impulse mit niedriger Energie und hoher Frequenz, die die Fettzellwände zerstören. Das Verfahren wird in Deutschland selten verwendet.

Ebenfalls mit elektrischer Energie arbeitet die radiofrequenzassistierte Fettabsaugung, die auch die Hautstraffung zum Ziel hat. Die Radiofrequenz bewirkt eine Kontraktion der Kollagenfasern und regt die Neubildung von Kollagen an. Das aufgelöste Fettgewebe wird dann mit einer Vibrationskanüle abgesaugt. Eine aktuelle Studie belegt eine sehr gute Lipolyse und Hautstraffung, weitere Erfahrungen müssen noch gesammelt werden.

Elektrolipolyse: Schwachstrom gegen Fett


Die Elektrolipolyse ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem die Problemzonen mit feinen Akupunkturnadeln gespickt werden. Eine Übertragung von Schwachstrom macht die Fettzellen porös und die Fettsäuren fließen heraus. Die Anwendung wird meist mit einer Hormontherapie gegen Zellulite kombiniert. Nach rund zehn einstündigen Sitzungen soll die Zellulite an den Oberschenkeln verschwunden sein – aussagekräftige Studien, die den Erfolg und die Verträglichkeit des Verfahrens belegen, stehen jedoch aus. Wie bei der Anwendung von Lipostabil® muss auch hier kritisch angemerkt werden, dass das flüssige Fett nicht aus dem Gewebe entfernt wird, sondern vom Organismus abtransportiert werden muss.

Nachbehandlung

Noch auf dem Operationstisch werden eine Miederhose, Stützstrümpfe oder Bandagen über die betroffenen Areale gezogen. Sie sollten in der ersten Woche nicht ausgezogen werden und auch danach je nach Operationsumfang über Wochen oder Monate getragen werden. Ärzte empfehlen daher für eine Liposuktion kühle Jahreszeiten. Der Kompressionsdruck hat verschiedene Funktionen:

  • Formgebung,

  • Rückbildung der Haut,

  • Linderung von Verhärtungen,

  • Vermeidung von Schwellungen: durch die Entfernung des Fettgewebes entstehen im Unterhautgewebe große Hohlräume, in denen sich Gewebeflüssigkeit ansammeln kann,

  • Vermeidung von Knoten und Narben.


Bei Liposuktionen mit Tumeszenz-Lokalanästhesie entweicht auch noch nach der Operation Tumeszenzlösung durch die Wunden. Die Einschnitte bleiben daher entweder offen oder es wird eine Drainage in die Naht gelegt. Die Fäden werden rund eine Woche nach der Operation gezogen.

Neben dem Tragen der Kompression gilt für die Patienten:

  • viel Wasser trinken,

  • kein Sport und andere Beanspruchungen für die nächsten Wochen,

  • Massagen der behandelten Areale sind nicht empfohlen, nach Fettabsaugungen an den Beinen kann aber eine Lymphdrainage helfen,

  • die Schmerzen im behandelten Bereich werden oft mit einem Muskelkater verglichen und können durch Schmerzmittel gelindert werden.


Schwellungen und Verhärtungen bilden sich oft erst nach zwei bis drei Monaten zurück.

Da die Fettabsaugung keine Kassenleistung ist, müssen auch Nachbehandlungen in der Regel privat getragen werden.

Magenverkleinerung bei "schweren" Fällen


Ziel einer Magenband-Operation, auch als "Gastric Banding" bezeichnet, ist die Verkleinerung des Magens. Die behandelten Patienten können also weniger essen, haben aber auch weniger Hunger. Das Verfahren ist nur bei erheblichem Übergewicht angezeigt und in Deutschland aktuell noch eher umstritten. In den USA und Großbritannien ist die Operation aber weit verbreitet. Allein im Jahr 2009 wurden in den USA rund 220.000 Gastric Bandings durchgeführt.

Neben dem Magenband bietet die bariatrische Chirurgie noch weitere Techniken mit dem Ziel, das Magenvolumen zu verkleinern, nämlich die Sleeve-Gastrektomie (Schlauchmagen), den Magenbypass oder die operative Magenverkleinerung. Sie werden in der Regel nur bei Patienten angewendet, die an Adipositas leiden und einen Body-Mass-Index (BMI) von über 40 aufweisen. Im Falle von Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 kann der Eingriff ab einem BMI von 35 vorgenommen werden.

Nach der Operation nehmen die Patienten rasch ab. Für eine Studie der Westfälischen Klinik Dortmund wurden übergewichtige Patienten untersucht: 250 der adipösen Patienten sollten mit einer Diät abnehmen, 153 Patienten wurden mit bariatrischen Methoden operiert. Nach vier Jahren hatten die Diät-Halter durchschnittlich 4,2 kg abgenommen – die operierten Patienten konnten einen Gewichtsverlust von durchschnittlich 34,3 kg erzielen.

Allerdings bergen die bariatrischen Methoden auch Risiken. Sie reichen von erneuten Hospitalisierungen aufgrund von Komplikationen bis hin zu einer möglicherweise erhöhten Mortalität. Um die Risiken besser erfassen zu können, wurde daher in Großbritannien ein Patientenregister für bariatrische Behandlungen eingerichtet.

Weitere Verfahren

Der Markt für Schönheitsoperationen zum Erreichen der Wunschfigur ist riesig. Nicht erst seit der hohen Nachfrage nach Liposuktionen drängen auch andere Methoden und Produkte auf den Markt. Sie locken mit scheinbar unkritischen Anwendungen und schnell sichtbarem Erfolg. Oft werden Angebote, wie die "Fett-weg-Spritze" (siehe Kasten "'Fett-weg-Spritze' – Finger weg!"), sogar von Kosmetikstudios durchgeführt. Gerade dann sollten interessierte Patienten das Angebot besonders kritisch prüfen. Die plastische Chirurgie bietet auch Operationstechniken für Patienten mit medizinischer Indikation. Die Bauchdeckenplastik (siehe Kasten "Abdominoplastik gegen die 'Fettschürze'") beispielsweise bietet eine operative Korrektur, wenn Bindegewebe und Muskeln im Bauchbereich überdehnt sind und Fett und Gewebe dadurch absinken. Auch in der Behandlung von Adipositas wird immer öfter der Nutzen von operativen Methoden diskutiert. Bariatrische Eingriffe wie das Legen eines Magenbandes (siehe Kasten "Magenverkleinerung bei 'schweren' Fällen") sind nachweislich erfolgreich im Kampf gegen das Übergewicht.


Literatur

Steinau HU, et al: Plastische Chirurgie 2004; 4: 21-25.

Sandhofer M et al: Journal für ästhetische Chirurgie 2010 (4); 196-203.

Diedrichson J, Liebau J: Journal für ästhetische Chirurgie 2010 (4);175-180.

Hohenleutner U: Journal für ästhetische Chirurgie 2010 (4); 190-195.

Koalition gegen Schönheitswahn:www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.1.17.3676.3816

International Society of Aestetic Plastic Surgery: www.isaps.org/stats.php

Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, http://dgaepc.de/


Autoren:
Hans Reuter, Martina Schramm, Schäffler & Kollegen, Augsburg, www.schaeffler.cc

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1 Kommentar

danke für den Beitrag zum Fettabsaugen

von Marie Lang am 02.05.2019 um 11:22 Uhr

Danke fpr den hilfreichen beitrag! Ich bin selber auch schon länger am Pberlegen. Solche Beiträge helfen mir da bei der Netscheidung schon sehr viel weiter.

Zitat: "Bisher wurden nur Verfahren vorgestellt, bei denen die überschüssigen Fettzellen im Ganzen entfernt und abgesaugt werden. Anders arbeiten Methoden, bei denen die Fettzellenwände zerstört bzw. aufgelöst werden: es findet eine sogenannte Lipolyse, also eine Auflösung der Fettzellen, statt. Sie kann mit verschiedenen Techniken erreicht werden. Unabhängig von der Lyse-Methode wird für eine schonendere Suktion in der Regel auch hier das Gewebe mit einer Tumeszenzlösung getränkt."

Werde mich aber nochmals beraten lassen bei mir in Frankfurt. ( https://fettabsaugenfrankfurt.de )
sowie:
Ansonsten habe ich mittlerweile ein recht gutes Bild von dem, was mich erwartet.

Auch danke hierfür:

"viel Wasser trinken,

kein Sport und andere Beanspruchungen für die nächsten Wochen,

Massagen der behandelten Areale sind nicht empfohlen, nach Fettabsaugungen an den Beinen kann aber eine Lymphdrainage helfen,

die Schmerzen im behandelten Bereich werden oft mit einem Muskelkater verglichen und können durch Schmerzmittel gelindert werden.
"

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