DPhG

Das Genom als Tool für die Klinische Pharmazie

Über den Stand der pharmakogenetischen Forschung mit dem Schwerpunkt Onkologie referierte Prof. Dr. Howard L. McLeod vom UNC Institute for Pharmacogenomics and Individualized Therapy der University of North Carolina in Chapel Hill, USA.

Inhaltsverzeichnis: DPhG-Jahrestagung

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Howard L. McLeod
Foto: DAZ/hb

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat den Grundstein für die individualisierte Medizin gelegt. Bei dieser geht es für McLeod zunächst allerdings weniger darum, die hieraus gewonnenen Erkenntnisse flächendeckend anzuwenden, sondern vielmehr darum, herauszufinden, wann die genetische Disposition eines Patienten für die Arzneimitteltherapie überhaupt von Bedeutung sein könnte und wann nicht.

Pharmakogenetische Untersuchungen ermöglichen die Identifizierung von Abweichungen in der Response verschiedener Phänotypen, die zu einem höheren Toxizitätsrisiko oder auch einem Nicht-Ansprechen auf eine Therapie führen können. Sie spielen deshalb eine erhebliche Rolle für die Vorhersagbarkeit klinischer Wirkungen am Individuum und damit für die Absicherung einer Therapie und die bessere Kontrolle einer Erkrankung. Gerade in der Onkologie, wo mit stark wirksamen pharmakologischen Prinzipien therapiert wird, wurde die Bedeutung der Pharmakogenetik zur Prävention Zytostatika-bedingter Toxizität bereits erkannt.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat verschiedene pharmakogenetische Tests in die praktische Arzneimitteltherapie eingeführt (s. Tabelle), was McLeod als ersten wichtigen Schritt auf dem Weg der Integration der Pharmakogenetik in die klinische Praxis wertete. Im nächsten Schritt wären nun Genotyp-gesteuerte klinische Prüfungen wünschenswert. Hier gibt es jedoch eine Reihe von Hürden wie das Auffinden aussagekräftiger Biomarker, die Erstellung robuster, möglichst umfangreicher und realitätsnaher Datensets über Genom-Scans und natürlich deren Umsetzung in die Praxis. Bislang lief die diesbezügliche Forschung aus Sicht von McLeod noch viel zu theoretisch und zu wenig anwendungsbezogen ab.

Last but not least sprach McLeod auch die Kostenfrage an, die sich aus der Einbindung neuer Testverfahren in die bestehenden Gesundheitssysteme ergibt. Hier sind seiner Einschätzung nach noch viel Aufklärungsarbeit und ein Umdenken der Verantwortlichen in der Gesundheitsversorgung erforderlich. hb

Tab.: In den USA zugelassene pharmakogenetische Biomarkertests zur Optimierung der Arzneimitteltherapie

Testgegenstand
Wirkstoff(e)
BCR-ABL -Translokation
Imatinib-mesilat
Her2/neu
Trastuzumab
c-KIT-Mutationen
Imatinib-mesilat
EGFR-Mutationen
Gefitinib
Thiopurin-S-Methyltransferase (TPMT)
Mercaptopurin, Azathioprin
UGT1A1
Irinotecan
CYP2C9, VKORC1
Warfarin
HLA-B*5701
Abacavir
HLA-B*1502
Carbamazepin
CYP2C19
Clopidogrel
Cytochrom-P450-2D6
(CYP2D6)
5-HT3 -Rezeptorantagonisten, Antidepressiva, ADHD-Arzneimittel, Codein-Derivate, Tamoxifen