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Wohin steuert der VSA-Tanker?

MÜNCHEN (diz). Im Markt der Rezeptabrechner macht sich Unruhe breit. Seit Kurzem versucht ein Softwarehaus, an diesem Markt zu partizipieren. Deutschlands größter apothekereigener Rezeptabrechner, die VSA in München, war vor einigen Jahren den anderen Weg gegangen und kaufte zu ihrem Kerngeschäft der Rezeptabrechnung Apothekensoftwarehäuser hinzu. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden der VSA GmbH, Karl-August Beck, wie sich die Softwaresparte seines Unternehmens entwickelt. Wir wollten auch wissen, wie die seit mehreren Jahren angekündigte Neuentwicklung Jump vorankommt und wie sich die Mitgliederzahlen beim Tanker VSA entwickeln. Das Interview führte DAZ-Chefredakteur Peter Ditzel.
Karl-August Beck Der Markt der Rezeptabrechnung ist ein schwieriger Markt.
Foto: VSA

DAZ: Herr Beck, ein neuer Mitbewerber ist im Markt der Apothekenrechenzentren angetreten. Ist die Ruhe dahin? Ist das eine Kampfansage?

Beck: Zunächst, der Markt der Rezeptabrechnung ist ein schwieriger Markt. Alles, was heutzutage ein Rezeptabrechner leisten muss, sei es mit der Abwicklung des Kassenabschlages, des Herstellerrabatts, die Vorauskasse und vieles mehr, ist sehr komplex. Ob der neue Mitbewerber Pharmatechnik vor diesem Hintergrund ein echter Mitbewerber für die Apothekenrechenzentren werden wird, wird sich noch herausstellen. Das sieht man auch daran, dass er nicht selbst in den Markt einsteigt, sondern sich – wie zu erfahren war – eines Dienstleisters in Form eines bereits existierenden Rechenzentrums bedienen soll. Pharmatechnik kommt von der Seite der Apotheken-Software-Unternehmen. Ob man darunter einen neuen Wettbewerber verstehen kann, ist die Frage. So gesehen würde es sich bei dem "Deutschen Apotheken Rechenzentrum" lediglich um eine Vertriebsgesellschaft handeln.


DAZ: Wird der Preiswettbewerb zunehmen? Kann sich ein neuer Mitbewerber einen Preiskampf leisten?

Beck: Ganz ehrlich, wir sind sicher, eher nein, da der Preis für die Rezeptabrechnung schon am unteren Ende angekommen ist. Sie selbst kennen den Markt lange genug Herr Ditzel. Sie wissen, dass die Rechenzentren schon heute viele zusätzliche Leistungen erbringen müssen, die nicht mehr vergütet werden, wie z. B. die Rückrechnung des Apothekenabschlags.


DAZ: Die VSA ist bekanntlich ein apothekereigenes Unternehmen – über den FSA als tätigen Gesellschafter. Ist diese Konstruktion FSA/VSA heute noch zeitgemäß?

Beck: Was heißt hier noch zeitgemäß? Schließlich ist der FSA die größte Kooperation von Apotheken – oder sind Kooperationen nicht mehr zeitgemäß? Nein Spaß beiseite. Neben der Tatsache, dass wir tatsächlich die größte Kooperation von Apotheken sind, haben wir sogar die gesellschaftliche Struktur FSA/VSA in den letzten Monaten wohlüberlegt an die zukünftigen Herausforderungen des Marktes angepasst und in den letzten Vertreterversammlungen entsprechend verabschiedet.

Bei allen Änderungen ist aber eines geblieben: Die VSA ist ein apothekereigenes Unternehmen! FSA-Mitglieder können nur approbierte Apothekeninhaber werden, die dann wiederum die Beschluss- und Aufsichtsgremien der VSA wählen. Neu ist auch, dass es in der VSA ab 2011 keinen Vorstand mehr gibt, sondern es wird einen neunköpfigen Aufsichtsrat geben, in dem wiederum die Apotheker mit fünf Personen die Mehrheit haben werden. Gerade in Zeiten wie diesen ist es für die inhabergeführten Apotheken wichtiger denn je, starke und loyale Partner zu haben. Und von daher kann ich nur betonen, dass die Konstruktion FSA/VSA als Garant einer apothekerorientierten Geschäftspolitik wichtiger ist denn je.


Zum Weiterlesen


Fusion: Apotheken-EDV-Anbieter Awinta geht an den Start

DAZ 2009, Nr. 38

Rechenzentrum: VSA erhält neue Leitungsstruktur

DAZ 2009, Nr. 26

www.deutsche-apotheker-zeitung.de


DAZ: Was hat sich bei der Struktur der VSA denn noch geändert? Der Aufsichtsrat steht quasi an der Spitze – und darunter: Gibt es jetzt auch einen Vorstand, der die Geschäfte führt oder bleibt die Geschäftsführung erhalten?

Beck: Nein, die Geschäftsführung bleibt erhalten, sie hat sogar mehr Kompetenzen und einen größeren Verantwortungsbereich bekommen. Der Aufsichtsrat fungiert als Kontrollorgan. Diese Konstruktion ist moderner, zukunftsorientiert, von den Apothekern gewählt.


DAZ: Das scheint bei einigen Mitgliedern der VSA nicht angekommen zu sein – sie kehrten der VSA den Rücken. Klagen Sie über Mitgliederverlust?

Beck: Wenn ein Unternehmen so groß ist wie wir, dann ist da ab und an schon mal ein Austritt zu verzeichnen. Manche treten aus, weil sie sich beispielsweise einer Kooperation anschließen und dort ein bestimmtes Rechenzentrum favorisiert wird. Zudem ist es sicher einfacher, den Rezeptabrechner zu wechseln als auf eine andere Software in der Apotheke umzustellen. Beim Rezeptabrechner hör ich heute hier auf und morgen liefere ich die Rezepte bei einem anderen ab, das geht einfach. Wobei viele den Nachteil nicht bedenken, dass sie dann keine durchgehende Statistik haben. Aber die Software in der Apotheke auszutauschen, das erfordert auch Investitionen.


DAZ: Also, ein übliches Marktgeschehen …?

Beck: Durchaus, außerdem sind in den letzten Jahren private Abrechner in den Markt gekommen. Aber nicht nur wir verlieren Kunden, sondern darunter leiden alle etablierten Abrechner. Was wir aber mit Sicherheit sagen können: Die VSA hat keine Kunden verloren wegen des Preises und wegen der Leistung.


Das Kerngeschäft Rezeptabrechnung hat die VSA durch die Übernahme vom Softwarehäusern ausgebaut.
Foto: VSA

DAZ: Bleiben wir bei der VSA und ihrem Softwarehaus bzw. ihren Softwarehäusern. Seit einiger Zeit auch mit Awinta (Pro Medisoft mit Prokas), Stahl/Infopharm, CSE/Pharmasoft, Wabe, Jump: ein schwieriger Gemischtwarenladen?

Beck: Die VSA trat seinerzeit im Markt als reiner Rezeptabrechner an. Als deutlich wurde, dass das elektronische Rezept kommen wird, entschlossen wir uns dazu, auch ein Software-Haus zu haben: Wir übernahmen Stahl, CSE, Wabe. Lassen Sie es mich so formulieren: Wir haben fünf starke Marken mit unterschiedlichen Stärken unter einem gemeinsamen Dach. Was ist daran verkehrt? Natürlich ist es leichter, sich auf ein Produkt zu konzentrieren, aber unsere Intention ist es ja, die verschiedenen Stärken zu bündeln und daraus das Beste in einem Produkt zu vereinen. Das geht nicht von heute auf morgen, insofern haben Sie recht, wenn Sie sagen schwierig – aber es ist machbar. Wir haben damit den entscheidenden Vorteil, gegenüber allen anderen Marktteilnehmern eine breite Basis an POS-Apotheken abdecken zu können und unser Selbstverständnis als Marktführer zu behaupten, auch in diesem Bereich.


DAZ: Kommen wir zum VSA-Flagschiff Jump. Allzu viele Apotheken sollen damit noch nicht arbeiten, obwohl es schon seit Jahren angekündigt und beworben wird …

Beck: Das stimmt so nicht. Wir haben mittlerweile schon über 170 Anwender von Jump, derzeit sollen jede Woche zwei neue Anwender dazu kommen. Jump ist bereits heute für rund 70 bis 80 Prozent der Apotheken geeignet.


DAZ: Aber es dürfte unbestritten sein, dass es Schwierigkeiten bei der Entwicklung und Einführung von Jump gab und gibt. Es soll schon Millionen verschlungen haben. Da darf die Frage erlaubt sein: Hat sich die VSA mit ihrem Software-Engagement, insbesondere mit Jump, übernommen? Oder noch härter gefragt: Stirbt Jump?

Beck: Nun, da muss ich Ihnen widersprechen, Herr Ditzel. Zugegeben, es war schwerer als wir gedacht haben. Aber Jump ist nicht aus einem vorhandenen Programm entstanden, es ist eine komplette Neuentwicklung. Das ist nun mal viel mehr als ein Face-Lifting oder eine Funktionserweiterung in einem bestimmten Bereich. Warum will man eigentlich nicht wahrhaben, dass viele am Markt befindlichen Systeme im Grunde genommen am Ende ihres Lebenszyklus sind. Wir sind hier eingestiegen, um etwas Neues zu beginnen und damit die Zukunft des Apothekers mit abzusichern.

Ob Jump stirbt? Sicherlich nicht. Gerade Jump war ja ein ausschlaggebender Grund, dass Pro Medisoft seinerzeit die Fusion mit der VSA ApothekenSysteme GmbH eingegangen ist. Pro Medisoft als damaliger Wettbewerber attestierte Jump die absolute Zukunftsfähigkeit. Wie gesagt, zwischenzeitlich haben wir Installationen im dreistelligen Bereich und wöchentlich kommen neue dazu. Sie können sich ja gerne auf der Expopharm von der Leistungsfähigkeit von Jump überzeugen.


DAZ: Werfen wir einen Blick auf Ihr jüngstes Softwarehaus: Awinta. Entstanden ist es aus der Fusion des VSA-Software-Hauses mit Pro Medisoft. Warum war es hier eine Fusion und kein Kauf?

Beck: Dass Pro Medisoft unsere Software-Abteilung kauft oder wir Pro Medisoft, das stand niemals zur Debatte. Die Pro Medisoft brachte ihr System Prokas ein, wir unser Jump und daraus ist die Awinta entstanden zu gleichen Teilen.


DAZ: Erhoffte man sich Hilfe für Jump?

Beck: Wir zielten auf Synergieeffekte, da manche Module bei Pro Medisoft bereits entwickelt waren. Pro Medisoft attestierte Jump im Übrigen die absolute Zukunftsfähigkeit. Und wir wollten die Marktbreite.


DAZ: Jetzt steigen Sie auch in den Blisterbereich mit der Software Phadiso ein. Warum?

Beck: Gerade Sie wissen doch wie kaum ein anderer, dass das Thema Blistern sich sehr schnell weiterentwickeln wird und viele hundert Apotheken heute bereits in diesem Umfeld aktiv sind. Wir sehen uns hier mit Phadiso und den übrigen Lösungen in der VSA-Gruppe gut gerüstet und optimal aufgestellt.

Bleiben wir aber bei Phadiso: Dort wurde von Apothekern die bisher einzige webbasierte Blisterlösung, also eine spezielle Software entwickelt. Eine kostengünstige Lösung, da zusätzliche Hardware und Installationskosten wegfallen. Gerade weil wir als apothekereigenes Unternehmen die Interessen der inhabergeführten Apotheken in den Mittelpunkt stellen, passt ein Engagement wie das bei Phadiso perfekt in das Konzept der VSA. Die Phadiso-Lösung web2dose können Sie sich übrigens auch auf der Expopharm live ansehen.


DAZ: Herr Beck, vielen Dank für das Gespräch.

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