Arzneimittel und Therapie

Update Mammakarzinom

Die Therapie des Mammakarzinoms richtet sich nach der jeweiligen Tumorbiologie und den Risikofaktoren der Patientin. Das Ziel, anhand prädiktiver und prognostischer Faktoren bereits im Vorfeld entscheiden zu können, wer von einer Therapie profitiert und wer nur unter ihr leidet, ist noch nicht erreicht. Erste Schritte in diese Richtung sind aber bereits getan, so Prof. Possinger beim 9. NZW-Süd in Ravensburg.

Bei einer Brustkrebserkrankung beeinflussen Tumoreigenschaften und persönliche Risikofaktoren den Therapieerfolg. So konnte in einer aktuellen Studie gezeigt werden, dass bei übergewichtigen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs der Aromatase-Hemmer Anastrozol weniger gut wirksam ist als bei normalgewichtigen Frauen. Das krankheitsfreie und das Gesamtüberleben der übergewichtigen Patientinnen, die mit Anastrozol behandelt wurden, waren signifikant kürzer als das der normalgewichtigen Frauen. Hingegen bestand unter einer Tamoxifen-Therapie zwischen normalgewichtigen und übergewichtigen Patientinnen kein Unterschied im krankheitsfreien und im Gesamtüberleben. Fazit: Normalgewichtige Patientinnen profitieren gleichermaßen von Tamoxifen oder dem Aromatase-Hemmer Anastrazol. Bei übergewichtigen Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium scheint Tamoxifen wirksamer zu sein.

Genanalyse zur Therapieentscheidung?

Bei frühen, kleinen Mammatumoren (T1, N0) ist in den meisten Fällen eine adjuvante Chemotherapie überflüssig, vor allem, wenn keine Risikofaktoren bestehen und die Hormonrezeptoren (Estrogen- und Progesteron-Rezeptor) positiv sind. Wahrscheinlich ist hier eine Anti-Hormontherapie ausreichend. Da man aber derzeit noch nicht mit großer Sicherheit prognostizieren kann, welche Patientin von welcher Therapie profitiert, werden viele Frauen übertherapiert. Ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma sind Genanalysen, mit deren Hilfe die Aktivität krankheitsassoziierter Gene bestimmt werden kann. Die bekanntesten, kommerziell erhältlichen genomischen Assays sind Oncotype DX und MammaPrint. Da die vorliegenden Daten zur Aussagekraft von Genanalysen retrospektiv gewonnen wurden, kann derzeit kein definitives Urteil über ihre prognostische Zuverlässigkeit getroffen werden. Bis die Daten aus prospektiven Studien (z. B. TAILORx und MINDACT) vorliegen, sollte keine alleinige Therapieentscheidung aufgrund der Gensignatur getroffen werden.

PARP-Inhibitoren

Die molekulare Klassifikation eines Mammakarzinoms kennt fünf Subtypen, die sich in ihrem biologischen und klinischen Verhalten unterscheiden. Dreifach negative Tumore (unter anderem gekennzeichnet durch Verlust von Estrogen-Rezeptor, Progesteron-Rezeptor, Her2 und verminderter Expression bzw. Verlust von BRCA) weisen eine schlechte Prognose auf und sind schwierig zu therapieren. Da bei der Mehrzahl dreifach negativer Tumore das PARP1-Enzym hochreguliert ist, erscheint die Gabe von PARP-Inhibitoren vielversprechend. PARP-Inhibitoren unterbinden die Reparatur von DNA-Schäden und führen zur Apoptose der geschädigten Zellen. Einige Vertreter dieser Wirkstoffgruppe wie etwa Olaparib und Iniparib werden bereits in klinischen Studien eingesetzt und erste Ergebnisse zu ihrer Anwendung beim Mamma- und Ovarialkarzinom sind vielversprechend.

Metastasierte Situation

Auch bei der Therapie des fortgeschrittenen, metastasierten Mammakarzinoms ist die Bestimmung der Tumorbiologie erforderlich. So konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass sich die Eigenschaften der Metastase (Hormonrezeptorstatus von Estrogen, Progesteron und Her2) von denjenigen des Primärtumors nicht selten unterscheiden, was wiederum die weiterführende Therapie bestimmt.

Zur Behandlung der fortgeschrittenen Tumorerkrankung gibt es einige neue vielversprechende Substanzen. Zu nennen sind hier der Spindelhemmer Eribulin, der bei mehrfach vorbehandelten Patientinnen zu Tumorremissionen und zu einem verbesserten Überleben führte und der Antikörper T-DM1 zur Anti-Her2-Therapie. Bei T-DM1 handelt es sich um ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das aus Trastuzumab (T) und der zytotoxischen Substanz DM1 (Maytansinoid) besteht. T-DM1 kann als Weiterentwicklung von Trastuzumab betrachtet werden, das auch bei Vorliegen einer Trastuzumab-Resistenz wirksam sein kann.

Ein weiteres Beispiel für eine Therapie, die sich an der Tumorbiologie orientiert, ist der Einsatz von PARP-Inhibitoren (PARP = Poly(adenosindiphosphat [ADP]-ribose polymerase) bei dreifach negativen Tumoren (insbesondere bei BRCA-positiven Karzinomen).

Für die Gabe von Fulvestrant liegen Daten vor, dass durch Dosisverdoppelung (von 250 mg auf 500 mg) deutlich bessere Therapieergebnisse erzielt werden.

Enttäuschend sind die aktuellen Daten zur Gabe des Angiogenese-Hemmers Bevacizumab beim Mammakarzinom, da im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie die Kombination aus Angiogenese-Hemmer und zytostatischer Behandlung zwar das progressionsfreie Überleben, aber nicht das Gesamtüberleben verlängerte.

Quelle Prof. Dr. Kurt Possinger, Berlin: "Neue Therapiestrategien beim Mammakarzinom"; Vortrag gehalten am 17. 9. 2010 beim 9. NZW-Süd in Ravensburg.

 


 

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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