Ernährung aktuell

Aus klein und stark wird groß und kräftig

Jungen, die in den ersten sechs Lebensmonaten besonders stark zunehmen, kommen schneller in die Pubertät und weisen ein männlicheres Erscheinungsbild auf. Dies konnten Wissenschaftler bei 770 Männern im Rahmen einer Langzeitstudie beobachten. Der Zusammenhang wird durch eine gute Ernährung nach der Geburt erklärt. Sie soll neben einem raschen Wachstum auch einen erhöhten Testosteronspiegel bewirken.

Immer wieder konnte im Rahmen von Tierversuchen gezeigt werden, dass Ernährung, Hormone und Umweltfaktoren wie Stress die Entwicklung eines Neugeborenen beeinflussen und stark miteinander verknüpft sind. Beispielsweise kann ein Nahrungsmangel bei männlichen Ratten und Schafen die Geschlechtsreife hinauszögern. Humandaten waren dagegen bislang nur unzureichend verfügbar.

Nun haben Wissenschaftler der Northwestern University, Evanston, die Daten einer Langzeitstudie veröffentlicht, die die Entwicklung von 770 phillippinischen Männern seit ihrer Geburt 1983/84 untersucht. Im Fokus der Studie standen Parameter wie Körpergröße und -gewicht sowie der durchschnittliche Nährstoffgehalt der Muttermilch und sonstiger Nahrung. Des Weiteren wurde der Testosteronspiegel der Jungen gemessen. Dieser war in den ersten Lebensmonaten fast vergleichbar hoch wie im Erwachsenenalter. Daher stellten die Wissenschaftler um Christopher Kuzawa die Hypothese auf, dass durch Testosteron bereits in dieser Lebensphase die Weichen für die spätere Entwicklung von Körpermerkmalen und des Hormonspiegels gestellt werden. Weiterhin gingen sie davon aus, dass der Hormonspiegel eng mit der Ernährungssituation verknüpft ist, die sich in der Geschwindigkeit der Gewichtszunahme äußerte.

In späteren Jahren untersuchten die Wissenschaftler auch, wann die Pubertät der Jungen einsetzte, wie viel Nahrung sie verzehrten, wann sie das erste Mal Geschlechtsverkehr hatten und maßen zudem den Hormonspiegel. Als Volljährige erklärten sich die Studienteilnehmer zudem bereit, an weiteren Tests und Befragungen teilzunehmen. Auch hier wurde der Testosteronspiegel sowie Größe, Gewicht und Kraft gemessen und die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr und Partnerwechsel ermittelt.

Nach Auswertung aller Tests stellten Kuzawa und sein Team fest, dass bei Jungen, die in den ersten sechs Lebensmonaten besonders viel an Gewicht zunahmen, nicht nur die Pubertät früher einsetzte, sondern dass diese auch häufiger Geschlechtsverkehr hatten und ihre Partnerinnen häufiger wechselten. Weiterhin sind diese Männer größer, kräftiger und weisen einen höheren Testosteronspiegel auf, während keine Unterschiede hinsichtlich des Körpergewichts beobachtet wurde.

Für Mädchen, bei denen eine ähnliche Untersuchung durchgeführt wurde, konnte kein derartiger Zusammenhang festgestellt werden. 
 

ka

Quelle: Kuzawa, Ch. et al.: Proc. Nat. Acad. Sci., OnlineVorabpublikation, DOI: 10.1073/pnas.1006008107

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