Medizin

Faltenentfernung

Mit einem Blick ins Gesicht bilden wir uns den ersten Eindruck von unserem Gegenüber. Das Gesicht soll daher so positiv wirken wie möglich. Moderne Schönheitsmaßstäbe setzen dies oft gleich mit "jugendlich". Es wächst daher der Markt für die Bekämpfung von Falten.

Spuren des Alters

Das für die Faltenbildung hauptsächlich verantwortliche kutane Bindegewebe degeneriert mit zunehmendem Alter, die Papillarkörper atrophieren und die Anzahl der Fibroblasten und Kapillaren nimmt ab. Die Haut wird dünner und unelastischer.

Darüber hinaus lassen auch exogene Faktoren die Haut altern, z. B. Nicotin oder Sonnenlicht.

Als besonders störend empfinden wir in der Regel die Lichtalterung, auch Photoaging genannt. Als Folge von übermäßiger Sonnenexposition zeigt sie sich vor allem in Form von flächigen Kräuselfältchen an Wangen, Kinn und im Stirnbereich, bei Rauchern auch an Ober- und Unterlippe.

Um unerwünschte Falten verschwinden zu lassen, kann die Haut geglättet, Falten unterspritzt, Muskeln gelähmt oder Gewebe operativ gestrafft werden. Die Wahl der Methode richtet sich nach Lokalisation, Ausprägung und der Abwägung zwischen Belastung, Risiken und gewünschtem Ausmaß und Dauer der Faltenglättung.

Hautglättung

Bei oberflächlichen Falten können Hautglättungskonzepte viel erreichen. Mit verschiedenen Methoden wird die Haut bis zur Dermis abgetragen. Für alle Methoden gilt:

  • bei zu oberflächlicher Behandlung ist der Effekt gering,
  • wird die Haut zu tief entfernt, drohen Narben.

Bei der Behandlung wird die Haut großflächig verletzt und ist daher sehr anfällig für Infektionen. Welchen Erfolg die Behandlung hatte, kann erst nach dem Regenerationsprozess nach etwa drei Monaten beurteilt werden. Bei allen Methoden hält der Verjüngungseffekt zwei bis zehn Jahre an, ähnlich wie bei einem operativen Facelifting.

Dermabrasion. Eine schnell drehende Diamantscheibe schleift die obersten Hautschichten unter örtlicher Betäubung ab. Durch das mechanische Verfahren geraten keine chemischen oder biologischen Substanzen in den Organismus.

Peeling. Mit dem Pinsel wird eine Säure – meistens ein Phenol oder Trichloressigsäure – verdünnt auf die Haut aufgetragen. Diese schält die Haut ab und regt die Kollagenbildung an. Die Tiefe der Behandlung ist allerdings nur schwer zu kontrollieren. Dies ist gefährlich, denn Phenole können Herz und Nieren angreifen, wenn sie in die Blutbahn geraten.

Laser-Skin-Resurfacing. Der Laser vaporisiert (verdampft) die oberen Hautschichten. Die Wärmewirkung des Lasers verschließt Blutgefäße, versiegelt Nervenenden und senkt so die Schmerzempfindlichkeit und das Infektionsrisiko. Zudem löst die Wärme ein sog. Shrinking, ein Zusammenziehen der Kollagenfasern, aus. Dieser Effekt strafft die Haut zusätzlich.

Spritzkur gegen Falten

Beim Aufbaukonzept werden die Falten mit Bio- oder Kunststoffen unterfüttert. Mit einer Nadel wird der "Polsterstoff" tröpfchenweise unter die Falte eingebracht. Dazu setzt der Arzt etwa alle drei Millimeter einen neuen Einstich entlang des Faltenverlaufs. Der Organismus behandelt die Füllsubstanzen als Fremdkörper und umgibt sie mit einer Bindegewebskapsel. Dadurch entsteht eine Art Stützkissen, das die Falte unterfüttert und anhebt. Wichtig für eine effektive Behandlung ist die richtige Einspritztiefe, die bei jedem Patient unterschiedlich ist:

  • wird zu tief gespritzt, bleibt die Anti-Falten-Wirkung aus und Entzündungen oder lokale Nekrosen entstehen,
  • sticht der Arzt zu flach oder dosiert er zu hoch, wird die Durchblutung gestört.

Die Behandlung dauert in der Regel weniger als eine Stunde und der Patient ist nach Abklingen der Rötungen und Schwellungen schnell wieder "gesellschaftsfähig". Selten entstehen Blutergüsse.

Bei schlechter Verträglichkeit entzündet sich das Gewebe und es können Narben zurückbleiben. Als Faustregel gilt: Je mehr Substanzen in einem Präparat zur Unterspritzung enthalten sind, desto größer ist das Risiko für Allergien und Komplikationen.

Biostoffe. Stoffe, die von Natur aus im menschlichen Körper vorkommen, verträgt der Organismus zwar besser als körperfremde, sie werden aber abgebaut. Soll der Verjüngungseffekt dauerhaft sein, muss der Patient daher je nach Resorptionsgeschwindigkeit etwa jedes halbe Jahr zum Nachspritzen.

Eine häufig verwendete Substanz ist Kollagen , das vor allem aus Rindereiweiß gewonnen wird. Die Unterspritzung mit gereinigtem Eigenfett ist besonders gut verträglich, wird aber vom Körper auch besonders schnell abgebaut. Der Operationsaufwand ist durch die Fettentnahme an Bauchdecke, Hüfte oder Oberschenkel höher. Hyaluronsäure wirkt dauerhafter. Sie besteht meist aus Vogeleiweiß aus Hahnenkämmen oder wird gentechnisch gewonnen.

Neu in Deutschland ist die Verwendung von Milchsäure in Form von Poly-L-Milchsäure. Der Effekt stellt sich erst nach einigen Monaten ein, wenn sich die Bindesubstanz langsam abbaut und die körpereigene Kollagenbildung anregt, und hält etwas länger an.

Kunststoffe. Da künstliche Substanzen nicht vom Körper abgebaut werden können, ist der Anti-Falten-Effekt größer – ebenso aber das Anwendungsrisiko. Auch wenn die Verträglichkeit anfangs gut ist, können noch nach Jahren Gewebsveränderungen auftreten: Die Implantate verrutschen oder reagieren chemisch-physikalisch. Da für viele Substanzen noch keine Langzeitbeobachtungen vorliegen, kann das Risiko nicht sicher angegeben werden.

In Deutschland mittlerweile verboten ist flüssiges Silikon, weil es u. a schädliche Beimischungen enthielt. Üblich sind Mischungen aus Kollagen mit Mikrosphären Polymethylmethacrylat (PMMA) oder Dextranperlen mit Hyaluronsäure. Gore-Tex-Fäden (Polytetrafluorethylen) werden durch zwei kleine Einschnitte implantiert. Diese Methode wird vor allem für tiefe Mimikfalten an der Stirn, der Nasolabialfalte und zum Verbreitern schmaler Lippen verwendet.

Wundermittel Botox?

Die Anwendung des Botulinumtoxin A – besser bekannt als Botox – ist heute der häufigste Eingriff in der ästhetischen Medizin, vor allem bei Mimikfalten.

Das Gift wird in den Gesichtsmuskel, der für den Falteneinzug verantwortlich ist, injiziert. Es verhindert die Ausschüttung des Transmitters Acetylcholin, das Muskelkontraktionen auslöst. Nach zwei bis sieben Tagen ist der Muskel für drei bis vier Monate gelähmt. Die Behandlung ist relativ schmerzfrei und unkompliziert – im besten Fall ist man bereits am nächsten Tag wieder "ansehnlich".

Bei falscher Anwendung kann das Botox auch unerwünschte Muskelpartien lähmen. Dann hängen z. B. Brauen oder Augenlider herab. Diese Lähmungen verschwinden mit der nachlassenden Wirkung des Nervengifts von selbst.

In seltenen Fällen sind Patienten immun gegen Botox. Dies wird fast immer mit einer Testinjektion geklärt.

Klassiker Facelifting

Ptosis-Konzept. Bei einer fortgeschrittenen Senkung des Gesichtsgewebes fällt die Wahl meist auf eine Form des operativen Faceliftings. Ihnen allen ist eine mehrstündige Operation mit stationärem Krankenhausaufenthalt und eine "gesellschaftliche Schonfrist" von rund zwei Wochen gemeinsam. Infolge der Operation kommt es zu Blutergüssen und die Haut ist im Ohrbereich besonders sensibel. Wird die Blutversorgung der Haut gestört, drohen zudem Nekrosen. Ein gesteigertes Risiko besteht bei Rauchern. Die Schädigung von Gesichtsnerven ist eine seltene, aber gravierende Nebenwirkung. Die Narben – meistens in der behaarten Kopfhaut an Schläfen, unter und hinter dem Ohr – fallen nach der Heilung kaum auf. Bei entsprechender Disposition kann es jedoch zu Keloiden kommen.

Bio-Lifting. Der Begriff bezeichnet eher irreführend eine Liftingmethode, bei der das gelöste Muskel-, Sehnen- und Fettgewebe nicht mit Nähten, sondern mit Gewebe- oder Fibrinkleber fixiert wird. Die Narbenbildung ist reduziert, die Heilung beschleunigt und es kommt seltener zu Blutergüssen. Ansonsten handelt es sich um eine konventionelle Liftingmethode.

Minilifting. Nur die Dermis des Ober- und Mittelgesichts wird über kleine Schnitte an den behaarten Schläfen gestrafft. Der Effekt hält z. T. nur wenige Monate. Viele Eingriffe, die sich als neue Methoden anpreisen, sind nichts anderes als diese oberflächliche Hautstraffung.

SMAS-Lifting. Moderne Liftings umfassen in der Regel die Straffung der SMAS-Schicht (superfizielles muskuloaponeurotisches System). Das ist die gefäßarme Muskelschicht, die das Fettgewebe unter der Haut in zwei Lagen teilt. Erst wird das SMAS, dann die Haut gelöst, geglättet und ohne Spannung vernäht.

Subperiostales Lifting. Das Liften der Tiefenschicht wird nur in ausgeprägten Fällen und bei Stirnliftings eingesetzt. Dabei strafft der Chirurg auch das unmittelbar auf dem Periost aufliegende Gewebe. Das Ergebnis hält lange bei erhöhtem Risiko von Komplikationen.

Angesichts möglicher Komplikationen und den nicht nur finanziellen Belastungen sollte jeder prüfen, ob und wie die Falten wirklich stören.

Quellen www.gacd.de/upload/pdf/leitlinien_faltenunterspritzung.pdf www.gacd.de/upload/pdf/leitlinien_botulinumtoxin.pdf www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/: Anwendung von porcinem Kollagen in der Ästhetischen Medizin Jacobi, Günther et.al (Hrsg.): Kursbuch Anti-Aging. 2005. Stuttgart, Thieme.


 

Autoren: Hans Reuter, Martina Schramm, Schäffler & Kollegen, Augsburg, www.schaeffler.cc

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