Aus der Hochschule

Studierende informieren sich über Adipositas und Diabetes

Kommilitonen in Lederhosen und Dirndln begrüßten die Teilnehmer des diesjährigen Pharmaweekends am 11. Juni in München. Auch das Wetter – ein strahlend blauer Himmel mit wenigen weißen Wolken – machte der bayerischen Flagge alle Ehre. Das Thema der dreitägigen Fortbildungsveranstaltung für Pharmaziestudierende lautete "Adipositas und das metabolische Syndrom".
Pharmaweekend in München Begrüßung durch Maria-Christina Scherzberg, Präsidentin des BPhD ...
Foto: BPhD

Nachdem die Teilnehmer am Freitagnachmittag im Haus International angekommen waren, gingen sie zum Campus Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), wo ihnen sehr schnell klar wurde, warum er den Namen "Hightech Campus" trägt – nicht wenige Studenten gingen mit neidvollen Blicken über die grüne, moderne Anlage.

Begrüßt wurden die Studierenden durch Sina Heintz, Veronika Hogger und Matthias Wurm von der Fachschaft München und dem Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD), die keine Mühen gescheut hatten, dieses Wochenende perfekt zu organisieren. Anschließend begrüßte Prof. Dr. Franz Paintner die Studierenden im Namen der LMU.

Konkurrenz für Viagra?

Den Eröffnungsvortrag hielt Dr. Jürgen Krauss von der LMU über "Aphrodisiaka".

Mit seiner offenen, humorvollen und lebendigen Art weckte er die Aufmerksamkeit der Studierenden, die teilweise eine weite, ermüdende Anreise hinter sich hatten. Er präsentierte statistische Auswertungen, einen Vergleich der Problematik bei Männern und Frauen sowie die verschreibungspflichtigen Arzneimittel, die derzeit als Aphrodisiaka in der Apotheke verfügbar sind. Zum Schluss gab er noch einen Ausblick auf aktuelle Forschungen und Entwicklungen und nannte zum Beispiel einen aphrodisierenden Wirkstoff im Gift der Bananenspinne, der dem bekannten Viagra® durchaus Konkurrenz machen könnte. Der Abend klang im Augustiner Braustübchen aus, einem urigen Lokal mit traditionellem, bayerischem Abendessen inklusive Blasmusik – ein absoluter Erfolg.


... und Mitglieder der Fachschaft München.

Diabetes – Pharmakologie und Praxis in der Apotheke

Am Samstag folgten die Vorträge des Hauptthemas. Die BPhD-Präsidentin Maria-Christina Scherzberg begrüßte die Studierenden und den ersten Referenten, Prof. Dr. Jens Schlossmann von der Universität Regensburg, der über Adipositas und Diabetes aus der Sicht eines Pharmakologen referierte. Er ging hierbei auf die physiologischen Krankheitsbilder sowie die Therapiemöglichkeiten von Diabetes Typ 1 und Typ 2 ein. Anschließend stellte er noch ein paar neue Zielstrukturen für künftige Arzneitherapien vor. Verbesserungen erwartet er auch in den Bereichen Prävention und Diagnostik.

Ulrich Koczian, Apothekenleiter in Augsburg, referierte über "Adipositas und das metabolische Syndrom – Prävention in der Apotheke". Wegen des breiten Wissensspektrums der Apotheker, ihrer Stellung als Vertrauensperson in der Bevölkerung und den durchschnittlich vier Millionen Kundenkontakten pro Tag in Deutschland können die Apotheken eine wichtige Rolle für die Prävention spielen. In diesem Sinne führt das WIPIG – das wissenschaftliche Institut für Prävention im Gesundheitswesen – Schulungen durch, um ein Netzwerk für Prävention aufzubauen. Koczian stellte verschiedene Präventionsmaßnahmen wie die Kontrolle des Body-Mass-Index, des Blutzuckerspiegels und des Blutdrucks vor und präsentierte eine WIPIG-Umfrage, bei der deutlich wurde, dass viele Kunden Präventionsmaßnahmen in der Apotheke befürworten. Zum Abschluss sagte er noch, dass das WIPIG Ausbildungsplätze für Pharmazeuten im Praktikum anbietet.

Schulung von Diabetikern – auch mit Psychologie

Eva Küstner, Fachpsychologin Diabetes DDG aus dem Diabeteszentrum im Klinikum Offenbach, beleuchtete das Thema "Insulinpumpen". Sie stellte die beiden geläufigsten Pumpentypen mit ihren Anwendungsweisen vor und nannte die Vor- und Nachteile im Vergleich zu den Pens. Bei der anschließenden Diskussion wurde beispielsweise erörtert, ob es für die Patienten schwierig ist, sich den für die Pumpen benötigten Katheter zu setzen. Laut Küstner ist dafür weniger Geschick erforderlich als für die Anwendung eines Pens, aber die psychischen Hürden sind höher. Anhand von Fotos schilderte Frau Küstner den Ablauf der zweiwöchigen Schulung insulinbedürftiger Patienten in Offenbach, gerade auch im Hinblick auf psychologische Aspekte.

Kooperation mit Selbsthilfegruppen

Marion Köstlmeier, Vorsitzende des Regionalverbands Stadt München des Diabetikerbunds Bayern, betonte, dass Selbsthilfegruppen keine Konkurrenz zur professionellen Betreuung darstellen, sondern eine wertvolle Ergänzung sind. Sie fördern den Erfahrungsaustausch unter den Patienten, bieten aber auch Beratung, Vorträge und Ausflüge an.

Köstlmeier diskutierte mit den Studierenden auch spezielle Fragen wie den Umgang mit Kindern, die an Diabetes erkrankt sind, sowie die Schwierigkeit, bei vielen Diabetikern das Bewusstsein für den Ernst ihrer gesundheitlichen Lage zu schärfen. Außerdem legte sie den Studierenden ans Herz, später im Apothekenalltag den Diabetikern und anderen chronisch Kranken ein offenes, freundliches und hilfsbereites Auftreten entgegenzubringen, ihnen die Einnahmehinweise genau zu erläutern oder auch Fördermitglied des Diabetikerbundes zu werden. Chronisch kranke Patienten wollen sich aufgehoben fühlen und nicht wie in einer Drogerie abgefertigt werden. "Eine halbe Stunde Beratungsgespräch kann ein Leben verändern!"

Finanzierung von Studium und Berufsstart

Die wissenschaftlichen Vorträge ergänzte Pierre Reiter von der Deutschen Ärzte Finanz, die den BPhD gemäß einem kürzlich geschlossenen Kooperationsvertrag unterstützt. Er stellte die Konzepte speziell für Pharmaziestudierende und Berufsstarter vor. Themenschwerpunkte waren die Studienfinanzierung, das spätere Einkommen, empfohlene Absicherungen und die Deutsche Ärzte Finanz als Partner des BPhD.

Über die aktuellen Angebote und Leistungen, die die Deutsche Apotheker- und Ärztebank den Pharmaziestudierenden bietet, informierte Christian Liebers. Der Tag endete im Ysenegger in Neuhausen mit einem gemeinsamen Abendessen.

Am Sonntag folgte das kulturelle Rahmenprogramm. Die Studierenden hatten die Wahl zwischen einer Brauereiführung, einer Stadtführung auf Englisch und einem Besuch im Schloss Nymphenburg. Nach einem gemeinsamen Brunch endete das Pharmaweekend gegen Mittag. Das nächste Pharmaweekend findet 2011 in Halle statt.

Wir danken allen Unterstützern, die das Pharmaweekend 2010 ermöglicht haben: Noweda, Deutsche Ärzte Finanz, Bayerische Landesapothekerkammer, Wala Arzneimittel, Bayerischer Apotheker Verband, WIPIG, Deutscher Apotheker Verlag, Lesmüller Stiftung, Protina Arzneimittel, Dr. Ravati Seminare, Stada Arzneimittel, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutsche Apotheker- und Ärztebank und Govi-Verlag.


Mareike Zuck

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