Arzneimittel und Therapie

Lupus: Molekularbiologische Zusammenhänge nachgewiesen

Wissenschaftler der Universität Münster haben erstmals gezeigt, wie bestimmte Moleküle zur Entwicklung einer systemischen Autoimmunität beitragen können. An einem Mausmodell und dann durch Untersuchungen an Patienten wurde die entscheidende Rolle von zwei Proteinen bei der Entstehung des systemischen Lupus erythematodes (SLE) nachgewiesen [1]. Diese Ergebnisse könnten Grundlage neuer Therapieansätze für den SLE, aber auch andere Autoimmunerkrankungen sein, die auf ähnliche Mechanismen zurückzuführen sind.
Lupus erythematodes Eine neue Therapieoption für den systemischen Lupus erythematodes (SLE) ergibt sich möglicherweise durch den Nachweis molekularbiologischer Zusammenhänge, die zur Entstehung der Erkrankung führen.
Foto: "Hautkrankheiten im Blick", WVG

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) gehört zu den am häufigsten auftretenden Autoimmunerkrankungen. In Deutschland sind etwa 40.000 Menschen betroffen, vor allem junge Frauen im gebärfähigen Alter. Charakteristisch für die Erkrankung ist eine schmetterlingsförmige Rötung der Gesichtshaut, das Erythem. Der systemische Lupus erythematodes kann jedoch auch die Gelenke sowie andere Körperorgane wie Herz, Lungen, Nieren und Hirn befallen und es kann zu einem Multi-Organ-Versagen kommen. Die Erkrankung tritt zumeist in Schüben auf, die durch Infektionen ausgelöst werden.

Bei Autoimmunerkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes greifen Antikörper körpereigene DNA und bestimmte Proteine, die in Zellkernen und weißen Blutkörperchen vorkommen, an und lösen damit Entzündungen aus. Der genaue Ablauf der Ereignisse auf molekularbiologischer Ebene, der dann zu der Erkrankung führt, war bislang weitgehend unklar. Wissenschaftler der Universität Münster konnten jetzt zeigen, dass die Calcium-bindenden Proteine Mrp8 und Mrp14, die in myeloiden Zellen sehr stark exprimiert werden, bei diesen Vorgängen eine wichtige Rolle spielen.

An einem speziellen Mausmodell und durch vergleichende Untersuchungen an Patienten wurde zunächst nachgewiesen, dass in entzündeter Haut sowohl von Mäusen als auch Patienten Mrp8 und Mrp14 vermehrt gebildet werden. Diese Proteine bezeichnet man auch als damage-associated molecular pattern molecules (DAMPs). Sie docken an den so genannten Toll-like-Rezeptor 4 (TLR 4) an. Diese Rezeptoren sind wesentlicher Bestandteil der Immunabwehr, die krankheitsassoziierte molekulare Muster erkennen. Toll-like-Rezeptoren sind Transmembranmoleküle und zunächst ein wesentlicher Signalgeber für einen spezifischen Liganden (Bindungspartner) der T-Zellen. In diesem Fall stimulieren die Proteine Mrp8 und Mrp14 CD8+T-Zellen, Interleukin-17 (IL-17) zu produzieren. Von diesem körpereigenen Botenstoff aus der Gruppe der Zytokine ist bekannt, dass er die Gewebezerstörung bei Autoimmunerkrankungen bewirkt. Letztlich belegen die Resultate eine Verbindung zwischen dem Auftreten von lokalen damage-associated molecular pattern molecules (hier die Proteine Mrp8 und Mrp14) und der Entwicklung einer systemischen Autoimmunität.

Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass der Nachweis dieses Zusammenhangs die Grundlage für die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze sein könnte – nicht nur zur Behandlung des systemischen Lupus erythematodes, sondern auch anderen systemischen Autoimmunerkrankungen, denen die nachgewiesenen Zusammenhänge ebenfalls zugrunde liegen [2].

Quelle [1] Loser, K. et al.: The Toll-like receptor 4 ligands Mrp8 and Mrp14 play a critical role in the development of autoreactive CD8+ T cells”. Nat. Med. 2010; doi:10.1038/nm.2150, veröffentl. 9. Mai 2010.[2] Pressemitteilung der Medizinischen Fakultät der WWU Münster vom 10. Mai 2010.

 


Dr. Hans-Peter Hanssen

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