Arzneimittel und Therapie

Eribulin verlängert Gesamtüberlebensdauer

Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse einer Phase-III-Studie belegen eine deutliche Verlängerung der durchschnittlichen Gesamtüberlebensdauer bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs durch Eribulin-Mesylat. Bei der Jahresversammlung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentierte Eisai Inc. die Auswertung der EMBRACE-Studie [1], einer offenen, randomisierten, multizentrischen Studie an 762 Patientinnen mit lokal rezidivierendem oder metastasiertem Brustkrebs, die zuvor bereits mindestens zwei Chemotherapien erhalten hatten.

Eribulin-Mesylat (Prüfpräparat E7389) ist ein synthetisches Analogon des Naturstoffes Halichondrin B, das von dem Meeresschwamm Halichondria okadai gebildet wird [2]. Bereits der Ausgangsstoff, ein Polyether, zeigte sowohl in vitro als auch in vivo eine deutliche zytotoxische Wirksamkeit. Eribulin-Mesylat ist noch wirksamer als das natürliche Vorbild. Sein Wirkmechanismus unterscheidet sich von dem anderer, Tubulin angreifenden Zytostatika, wie beispielsweise den Vinca-Alkaloiden. Es bindet an Tubulin, verhindert dessen Polymerisation und blockiert die Funktion der Mikrotubuli: Der Spindelapparat kann sich nicht entwickeln, der Zellzyklus wird in der G2/M-Phase blockiert und das Tumorwachstum auf diese Weise unterdrückt.

Ergebnisse der EMBRACE-Studie

An der EMBRACE-Studie (Eisai Matastatic Breast Cancer Study Assessing Physician’s Choise Versus E7389) nahmen 762 Patientinnen mit lokal wiederkehrendem oder metastasierendem Brustkrebs teil, die zuvor mit mindestens zwei bis maximal fünf Chemotherapien behandelt worden waren (einschließlich Anthracyclinen oder Taxanen). Gemäß der Studienbezeichnung wurden nun die Patientinnen entweder mit Eribulin (zwei- bis fünfminütige i.v. Gabe an Tag 1, 8 und dann alle 21 Tage) oder der – nach Überzeugung des behandelnden Arztes – bestmöglichen Therapie weiterbehandelt (Chemotherapie, Hormonbehandlung, targeted therapy mit Biologicals, Bestrahlungstherapie oder Palliativbehandlung). Anlässlich der Jahresversammlung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentierte Eisai Inc. jetzt die Auswertung der Studie [1].

Patientinnen, die mit Eribulin therapiert wurden, überlebten im Durchschnitt 2,5 Monate länger als die, die nach bisher als optimal eingestuften Therapieformen (TPC) behandelt wurden (13,12 Monaten gegenüber 10,65 Monaten). Als wichtigste Nebenwirkung trat eine Myelosuppression auf.

Am 30. März 2010 gab Eisai bekannt, dass man die behördliche Genehmigung zum Einsatz von Eribulin-Mesylat zur Therapie von lokal fortgeschrittenem oder metastatischem Brustkrebs bei den entsprechenden Behörden in Japan, den USA und der Europäischen Union (EU) beantragt habe. Neben Brustkrebs wird Eribulin auch gegen eine Reihe anderer solider Tumore, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, Prostatakrebs und Sarkome geprüft.

Quelle [1] Twelves, C.; et al.: A Phase III Study (EMBRACE) of Eribulin Mesylate vs Treatment of Physician‘s Choice in Patients with Locally Recurrent or Metastatic Breast Cancer Previously Treated with an Anthracycline and a Taxane. Abstract 1084, American Society of Clinical Oncology (ASCO) congress, Chicago (2010). [2] Hirata, Y., Uemura, D.: Halichondrins – antitumor polyether macrolides from a marine sponge. Pure Appl. Chem. 58(5): 701 – 710 (1986).

 


Dr. Hans-Peter Hanssen

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