Apothekenpraxis

Schritt für Schritt zur seniorengerechten Apotheke

Ältere Menschen als Zukunftschance

Von Elisabeth Thesing-Bleck und Iris Hinneburg

Frau Müller, eine ältere Dame von 75 Jahren, löst die Rezepte für sich und ihren Mann eigentlich immer in der Luisen-Apotheke ein. Mit dem Apothekenpersonal kommt sie ganz gut zurecht, auch wenn sie sich schon ein paar Mal geärgert hat. Als sie neulich etwas für die Blasenschwäche ihres Mannes kaufen wollte, hat die PTA so laut gesprochen, dass die nebenstehenden Kunden ganz neugierig wurden. Und darunter war auch die aufdringliche Nachbarin von Frau Müller, für die das natürlich besonders interessant war. Die Stufen in die Apotheke muss sie sich auch immer hinaufquälen …

Inhalt


Sicher haben Sie auch in Ihrer Apotheke zahlreiche Kunden wie Frau Müller – und künftig werden es noch mehr, wenn man die demografische Entwicklung betrachtet. Die öffentliche Apotheke befindet sich dabei in einer Schlüsselposition, um die gesellschaftlichen Veränderungen aktiv mitzugestalten.

Patientenorientierung

Mit einer Spezialisierung auf Senioren können Apotheker sich nicht nur im Wettbewerb behaupten, sondern sich durch ihre beratende Tätigkeit als Heilberuf positionieren und ihre Stärke in der Patientenorientierung ausspielen – das ist ein eindeutiger Marktvorteil für die wohnortnahe Präsenzapotheke. Nicht zuletzt leistet die öffentliche Apotheke mit ihrer Ausrichtung auf ältere Menschen auch einen gesellschaftlich relevanten Beitrag: Eine verstärkte seniorenspezifische Beratung trägt dazu bei, unerwünschten Arzneimittelwirkungen vorzubeugen und altersbedingte Beschwerden zu lindern. Eine Apotheke mit einem umfangreichen Sortiment an altersgerechten Hilfsmitteln und der entsprechenden Beratung kann Senioren dabei unterstützen, länger selbstbestimmt in der eigenen Wohnung zu leben.

Wenn Pflege notwendig wird, fördert die Versorgung und Betreuung in der Familie nicht nur die Lebensqualität für die Pflegebedürftigen, sondern entlastet auch die Pflegekassen. Wichtig sind dabei Hilfestellungen für die pflegenden Angehörigen, die ihnen das Leben und die Pflege erleichtern. Deshalb sollte die seniorengerechte Apotheke immer in ein multiprofessionelles Netzwerk mit den behandelnden Ärzten und Pflegeeinrichtungen vor Ort eingebunden sein.

Der folgende, dreiteilige Beitrag wirft Schlaglichter auf verschiedene Bereiche, in denen Schritte hin zu einer seniorengerechten Apotheke gegangen werden können: angefangen von den äußeren Voraussetzungen über eine seniorenspezifische Beratung in der Selbstmedikation bis hin zu einer Angebots- und Sortimentsgestaltung, die den Bedürfnissen der Senioren entspricht.

Was heißt schon "alt"?


Auch wenn die WHO den Begriff "Senioren" bzw. "ältere Menschen" für alle Personen jenseits des 50. Lebensjahres verwendet, trifft sie damit nicht das Lebensgefühl dieser Bevölkerungsgruppe. Die eigene Wahrnehmung des Alters wird durch viele Faktoren geprägt, nicht zuletzt auch durch die Art und Anzahl der Erkrankungen sowie die Beeinträchtigung aufgrund der alterstypischen physiologischen Veränderungen. Die international gebräuchlichen Bezeichnungen wie "Silver Ager" oder "Golden Oldies" sind dabei wesentlich positiver geprägt als die typisch deutschen Benennungen "Senioren" oder "ältere Herrschaften".

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie definiert den geriatrischen Patienten durch

  • die geriatrietypische Multimorbidität und
  • höheres Lebensalter, in der Regel 70 Jahre oder älter.

Dabei wird das biologische Alter (bedingt durch Erkrankungen) höher gewertet als das kalendarische Alter. So wird ein gesunder 70-Jähriger nicht zwangsläufig als geriatrischer Patient betrachtet, während andererseits diese Definition durchaus auf einen multimorbiden 60-Jährigen mit typischen Alterserkrankungen zutreffen kann.

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