Arzneimittel und Therapie

Schwangerschaftshypertonie mit Vitaminen vorbeugen?

Können Komplikationen einer Präeklampsie durch antioxidative Vitamine verhindert werden? Mit dieser Frage befasste sich eine amerikanische Studie. Die Ergebnisse lassen nicht erkennen, dass durch Vitamin E und C die mit der Schwangerschaftshypertonie verbundenen Komplikationen reduziert werden.

Einer Präeklampsie liegen mehrere pathophysiologische Vorgänge zugrunde. Unter anderem führt eine Störung der Plazentation (Bildung und Einnistung der Plazenta) zu Entzündungen der mütterlichen Gefäße und endothelialen Dysfunktionen, was sich in der charakteristischen Symptomatik – Hypertonie, periphere Vasokonstriktion, Proteinurie und Ödeme – äußert. Des Weiteren scheinen oxidativer Stress und die damit verbundene Bildung freier Radikaler eine Rolle zu spielen. Auf dieser Vorstellung beruhen mehrere Studien, die die Wirkung von Antioxidanzien bei Schwangerschaftshypertonie untersucht hatten. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen waren indes nicht einheitlich. So zeigte eine 1999 publizierte Studie den Nutzen einer prophylaktischen Gabe von Vitamin E und Vitamin C bei Frauen mit einem hohen Risiko für eine Präeklampsie. Andere multizentrische Untersuchungen konnten die Ergebnisse dieser Pilotstudie allerdings nicht bestätigen. Daher widmete sich eine multizentrische US-Studie erneut dieser Fragestellung.

An der randomisierten, doppelblinden und multizentrischen Studie nahmen mehr als 10.000 erstgebärende Schwangere mit einem geringen Risiko für eine Präeklampsie teil. Frauen der Verum-Gruppe nahmen zwischen der 9. und 16. Schwangerschaftswoche täglich 1000 mg Vitamin C und 400 I.E Vitamin E ein, Probandinnen der Vergleichsgruppe ein Placebo. Der primäre Studienendpunkt setzte sich aus dem Auftreten folgender Komplikationen zusammen: Schwere Schwangerschafts-assoziierte Hypertonie oder Hypertonie mit erhöhten Leberenzymen, Thrombozytopenien, erhöhtem Kreatininwert, Krampfanfällen, medizinisch indizierter Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht des Kindes oder perinatalem Tod. Für die abschließende Analyse konnten die Daten von 9969 Frauen ausgewertet werden. Ein primäres Endpunktereignis trat bei 6,1% der Frauen in der Verum-Gruppe und bei 5,7% der Frauen in der Placebo-Gruppe auf (das relative Risiko unter der Vitamineinnahme lag somit bei 1,07). Die Präeklampsieraten betrugen 7,2% respektive 6,7% (mit einem relativen Risiko unter der Vitamineinnahme von 1,07). Auch bezüglich unerwünschter perinataler Ereignisse waren keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen nachweisbar. Die Autoren kommen daher zum Schluss, dass durch die Einnahme von Vitamin C und E Komplikationen einer Schwangerschafts-assoziierten Hypertonie nicht verhindert oder reduziert werden können.


Präeklampsie


Schwangerschaftshypertonien und die Präeklampsie werden bei 6 bis 8% aller Schwangerschaften registriert. Meist treten diese Erkrankungen am oder kurz vor dem Entbindungstermin auf und haben bei leichter Ausprägung nur eine geringe mütterliche und/oder neonatale Morbidität zur Folge. Eine schwere Präeklampsie beginnt bereits vor der 35. Schwangerschaftswoche und führt zu Komplikationen bei Mutter und Kind. Die einzige kausale Therapie ist die Entbindung, die je nach Dauer der bestehenden Gravidität zu Frühgeburten mit potenziellen Komplikationen führen kann. Somit richtet sich das Vorgehen nach dem Schwangerschaftsalter, dem fetalen Zustand und der mütterlichen Symptomatik. Therapeutisch können Steroide zur Induktion der Lungenreife des Feten, Magnesium (vor der Entbindung bis mindestens 24 Stunden danach zur Prophylaxe der Eklampsie) und Antihypertensiva eingesetzt werden.

Die derzeit einzige Möglichkeit zur Prävention der Präeklampsie, von der insbesondere Frauen mit schwerer Präeklampsie in der Vorgeschichte profitieren, besteht in einer ab der Frühschwangerschaft beginnenden Einnahme von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (75 bis 150 mg/Tag).


Quelle

Roberts J., et al.: Vitamins C and E to prevent complications of pregnancy-associated hypertension. N Engl J Med 362, 1282 – 1291 (2010).

Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen; Leitlinie 015/018, www.awmf-online.de.


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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