Aus der Hochschule

Resolution gegen Bachelor

In der Fahrradstadt Münster fand die 108. Bundesverbandstagung (BVT) des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) statt. Die Delegierten von 18 Fachschaften wählten sechs neue Vorstandsmitglieder, ernannten das erste Ehrenmitglied des BPhD und verabschiedeten eine Resolution zum Bachelor und Master in der Pharmazie.
Foto: BPhD

Erstmals wurden die Delegierten einer BVT auf einem Campingplatz untergebracht. Nachdem ein kleines Dorf aus Zelten aufgeschlagen war, ging es mit Shuttle-Bussen zum Plenum in das Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster.

Den wissenschaftlichen Festvortrag hielt Prof. Dr. Thomas Schmidt vom Institut für Pharmazeutische Biologie. Er referierte über "Neglected Diseases", von der pharmazeutischen Industrie vernachlässigte Krankheiten wie z. B. die Schlafkrankheit. Hierdurch konnte er viele Studenten auf dieses sensible Thema aufmerksam machen.


Stehender Beifall für die scheidenden Vorstandsmitglieder des BPhD.
Foto: BPhD

Neue Vorstandsmitglieder

In den Plenarsitzungen ergab sich sehr viel Neues für den BPhD: Sechs Vorstandsämter waren neu zu besetzen. Nach eineinhalb Jahren Amtszeit als BPhD-Präsident verabschiedete sich Hannes Müller und bekam für sein großes Engagement stehende Ovationen des Plenums. Als Nachfolgerin wurde Maria-Christina Scherzberg aus Saarbrücken gewählt. Auch die Schatzmeisterin Stephanie Lange aus Hamburg gab ihr Amt ab und erhielt Beifall für ihre Leistungen. Ihre Nachfolge trat Matthias Wurm aus München an, der bereits in seiner Fachschaft mit den Finanzen betraut ist.

Beim erweiterten Vorstand, der aus Beauftragten für bestimmte Arbeitsbereiche besteht, standen vier Neuwahlen an. Der Beauftragte für Internet und Presse, Stefan Rack aus Münster, übergab sein Amt an Mareike Zuck aus Mainz. Kontaktperson für Sponsoren – bisher Michael Althoff – ist nun Maissun Al-Kaddah aus Bonn. Als Schnittstelle zwischen Vorstands- und Fachschaftsarbeit fungiert der Beauftragte für Bildung und Tagung, bisher Jan Erdmann aus Berlin, nun Judith Heidland aus Münster. Als Beauftragte für die Repräsentation des BPhD im europäischen Dachverband EPSA wirkte bisher Kathrin Jungmann aus Saarbrücken, ab jetzt Daniela Kolberg aus Würzburg.

Ehrenmitglied Barbara Schmidt-Arndt

Eine Satzungsänderung vor einem Jahr ermöglichte die Aufnahme von Ehrenmitgliedern in den Studierendenverband. Eine Kandidatin wurde schnell gefunden: Barbara Schmidt-Arndt. Sie war als erste Frau Vorsitzende des "Fachverband Pharmazie" gewesen, der später in BPhD umbenannt wurde. Sie fährt bis heute zu zahlreichen internationalen Studierendenkongressen und hielt dem Verband auch lange nach dem Ende ihrer Vorstandstätigkeit die Treue. Sichtlich gerührt nahm sie die Ehrenurkunde persönlich entgegen und begeisterte die Studierenden mit einer aufrichtigen Rede über die Faszination, die vom Engagement der Verbände – auch auf internationaler Ebene – ausgeht. Auch die späteren Diskussionen im Plenum bereicherte sie voller Elan mit Wortmeldungen und Erfahrungswerten, die so keiner beisteuern konnte. Dadurch bestätigte sie die richtige Entscheidung der Delegierten, sie als erstes Ehrenmitglied des BPhD zu wählen.

Diskussion über Bachelor/Master in der Pharmazie

Eine umfassende Diskussionen entfachte das Thema "Bachelor-Studiengang im Bereich der Pharmazie". Dabei ging es darum, eine Resolution zu erarbeiten, in welcher der BPhD Stellung zu diesem neuen Studiengang bezieht. Zwei Studierende aus München, eine Bachelor- sowie eine Master-Studentin, stellten zunächst ihr Studium vor. Zusätzlich wurde der Studiengang aus Freiburg präsentiert. Es folgte eine Diskussion, die zur Verabschiedung der Resolution führte (s. Kasten).

Resolution

Bachelor/Master: Pharmaceutical Sciences/ Pharmazeutische Wissenschaften


Seit dem Wintersemester 2009/ 2010 gibt es an der Uni Freiburg einen neuen Bachelor-Studiengang: Pharmazeutische Wissenschaften. Die Uni folgt damit der LMU München, die bereits zum Wintersemester 2004/2005 einen vergleichbaren Studiengang mit zusätzlichem Master eingeführt hat. Die Studiengänge laufen an den o. g. Unis parallel zum Staatsexamen-Studiengang Pharmazie, wobei in Freiburg der Abschluss des Bachelors zusammen mit einer absolvierten Famulatur als Äquivalent zum ersten Staatsexamen angerechnet werden kann.

Wir sehen in diesen "innovativen" Studiengängen folgende Probleme:

Sollte der Bachelor/Master nach § 15 AMG ein Nachweis für die Sachkenntnis sein, stellt sich die Frage nach der Eignung, denn sowohl der sechssemestrige Bachelor, als auch der viersemestrige Master können nicht die umfassende, bewährte Ausbildung zum Apotheker ersetzen.

In Zukunft könnte der zu erwartende Apothekermangel dazu führen, dass sich die Politik dazu gezwungen sieht, den Bachelor/Master als Pharmazeutisches Personal in der Apotheke zuzulassen. Dies würde zu einer generellen Verschlechterung der Arzneimittelsicherheit in Deutschland führen, da Kenntnisse u. a. in Klinischer Pharmazie in den Bachelor/Master-Studiengängen nicht vermittelt werden.

Die 108. Delegiertenversammlung des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland e.V. fordert daher die Universitäten dazu auf, von den Bachelor/Master-Studiengängen Abstand zu nehmen und sich im Rahmen der Arzneimittelsicherheit auf die Qualität der Ausbildung approbierter Apotheker zu fokussieren.

Von dieser Resolution bleiben Aufbaustudiengänge in Form von Master, Diplom etc. für Approbierte unberührt.

Finanzprobleme

Ein heikles Thema stellte die aktuelle finanzielle Lage dar, die die ehemalige Schatzmeisterin Stephanie Lange erläuterte: Durch die drastischen Kürzungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bei der Unterstützung der Veranstaltungen hat der BPhD derzeit ernste Geldsorgen. Als Folge wurden die Mitgliedsbeiträge umstrukturiert. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dem Verband als Fördermitglied beizutreten. Ein entsprechendes Formular findet sich auf der Homepage des BPhD unter Downloads (www.bphd.de).

Deutliche Erleichterung verschaffte daraufhin die Deutsche Ärzte Finanz (DÄF), deren neue Kooperation mit dem BPhD vorgestellt wurde. Diese zielt über ein reines Sponsoring hinaus auf eine Partnerschaft zum gegenseitigen Vorteil ab. So soll zum Beispiel durch die Erstellung von Versicherungsangeboten in Zusammenarbeit mit den Studierenden ein für diese attraktives Dienstleistungspaket angeboten werden. Die Fachschaften können die DÄF selbstständig heranziehen, um zum Beispiel eine Seminarreihe zum Thema Finanzen zu gestalten. Die bereits vor der Tagung abgeschlossene Kooperationsvereinbarung wurde noch einmal erörtert, und die DÄF stellte sich selbst vor. Diese neue Unterstützung fand auf beiden Seiten große Zustimmung – geht sie doch über die schlicht monetäre Förderung deutlich hinaus.


Patient Counseling Event Johanna Lempp aus Freiburg (links) erläutert die Anwendung eines Asthmasprays – und überzeugte die Jury.
Foto: BPhD

Patient Counseling Event

Ein weiterer Höhepunkt der Bundesverbandstagung war das zweite Patient Counseling Event (PCE), an dem die Studierenden teilnehmen konnten. Es wurde eine Beratungssituation in der Apotheke dargestellt und von einer fachkundigen Jury bewertet. Die Gewinnerin – Johanna Lempp aus Freiburg – bekam ein Stipendium für den EPSA-Kongress in Helsinki.

Insgesamt brachte die 108. BVT in Münster für den BPhD viele Neuerungen: Die zahlreichen Neubesetzungen im Vorstand, das erste Ehrenmitglied, eine klare Aussage zu den Bachelor-Studiengängen in Freiburg und München sowie finanzielle Veränderungen. Man darf gespannt sein, wie sich der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland weiterentwickeln wird.

Wir danken den Unterstützern der 108. BVT des BPhD: Deutsche Ärzte Finanz, Noweda, Stada, The Merck Group, Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Klosterfrau Healthcare Group, Anzag, Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Awinta GmbH, Deutscher Apotheker Verlag, Dr. Ravati Seminare, Rausch.


Mareike Zuck

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