Arzneimittel und Therapie

Nateglinid und Valsartan bei Prädiabetes enttäuschend

In einer der weltweit größten Interventionsstudien zur Therapie von Patienten mit einem Prädiabetes ließ der Hersteller Novartis seine Medikamente Nateglinid und Valsartan an mehr als 9000 Probanden testen. Die Ergebnisse der sogenannten NAVIGATOR- Studie, die jetzt veröffentlicht wurden, sind jedoch ernüchternd: Beide Arzneimittel konnten die Rate von kardiovaskulären Komplikationen nicht senken [1, 2]. Lediglich das Antihypertonikum Valsartan zeigte eine geringe Wirkung bei der Prävention von Diabetes-Neuerkrankungen.
Bei einem Prädiabetes ist eine Änderung des Lebensstils zur Prävention eines Typ-2-Diabetes und Folgekrankheiten einer medikamentösen Therapie überlegen.
Foto: LifeScan

Etwa 60 Millionen Menschen leben in Europa mit einem Prädiabetes. Die Zahl der Patienten ist in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen. Hoffnungen auf eine medikamentöse Therapie der Erkrankung konnten bislang nicht erfüllt werden. Zwar zeigte eine im letzten Jahr veröffentlichte Studie, dass Metformin die Rate von Diabetes-Neuerkrankungen senken kann, eine Änderung des Lebensstils war jedoch vergleichsweise effizienter [3]. Zu den Risikofaktoren für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes zählen vor allem Übergewicht, mangelnde Bewegung und falsche Ernährung.

Das orale Antidiabetikum Nateglinid steigert die Insulinausschüttung nach den Mahlzeiten und senkt die Blutzuckerspitzen zu diesen Zeitpunkten. Dies könnte zweifellos ein interessanter Ansatzpunkt zur Prävention eines Typ-2-Diabetes und seiner kardiovaskulären Folgekrankheiten sein. Ein weiteres, potenziell interessantes Medikament ist der Angiotensin-II-Rezeptorblocker Valsartan, der in früheren Studien bei Typ-2-Diabetikern kardiovaskulären Ereignissen vorgebeugt hatte.

Für die aufwendige NAVIGATOR (Nateglinide and Valsartan in Impaired Glucose Tolerance Outcomes Research)-Studie wurden 9300 Teilnehmer aus einer Gruppe von insgesamt über 43.000 Patienten mit einem diagnostizierten Prädiabetes randomisiert. Obwohl ein Viertel der Patienten beide Wirkstoffe erhalten hatte, zeigen die jetzt veröffentlichten Ergebnisse der Studie im Verlauf von fünf Jahren keine Verminderung von kardiovaskulären Komplikationen [1, 2]. In den Vergleich wurden kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall und Hospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz einbezogen.

Im Gegensatz zu Metformin konnte Nateglinid die Zahl der Diabetes-Neuerkrankungen nicht vermindern. Eine geringe, aber signifikante Wirkung zeigte allerdings Valsartan. Im Vergleich zum Placebo (36,8%) erkrankten im Verlauf der fünf Jahre unter der Therapie mit dem ARB 33,1% an einem Typ-2-Diabetes mellitus. Novartis kündigte in einer Pressemitteilung an, einen Antrag zur Ausweitung der Indikation bei der FDA zu stellen [4].

David M. Nathan vom Diabetes Center der Harvard Medical School kommt im "New England Journal of Medicine" zu dem Ergebnis, dass sowohl Nateglinid als auch Valsartan zur Therapie der Prädiabetes ungeeignet sind und es keine Alternative zur Änderung des Lebensstils gibt. Für bestimmte Patienten sei lediglich eine Metformin-Behandlung sinnvoll [5].

Quelle [1]The NAVIGATOR study group: Effect of nateglinide on the incidence of diabetes and cardiovascular effects. New Engl. J. Med. 2010; 362(16): 1463 – 1476. [2] The NAVIGATOR study group: Effect of valsartan on the incidence of diabetes and cardiovascular effects. New Engl. J. Med. 2010; 362(16): 1477 – 1490. [3] Diabetes Prevention Program Research Group: 10-year follow-up of diabetes incidence and weight loss. The Lancet 2009; 374 (9702): 1677 – 1686. [4] Novartis Pharmaceutical Corporation. Pressemitteilung, 14.03.10. [5] Nathan, D.M. New Engl. J. Med. 2010; 362(16): 1533 – 1535.

 


Dr. Hans-Peter Hanssen

Typ-2-Diabetes

Was ist Prädiabetes?


Der Prädiabetes ist das Vorstadium des Typ-2-Diabetes. Er liegt vor bei Nüchtern-Plasmaglucose-Werten von 110 bis 125 mg/dl oder 2-Stunden-Werten nach oraler Glucosebelastung zwischen 140 und 199 mg/dl. Solche Werte sind Indizien für eine beginnende Insulinresistenz und gestörte Glucosetoleranz. Möglicherweise ist der Prädiabetes die Folge von mehreren genetischen Defekten in Kombination mit Umweltbelastungen. Die Schädigung der Gefäße beginnt schon im Stadium des Prädiabetes. Zu diesem Zeitpunkt ist sie noch reversibel.

Wird ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert, liegen oft irreversible Gefäßschäden z. B. in Form einer Koronarsklerose oder einer diabetischen Nephropathie vor. Bis zur Entwicklung eines Diabetes können bis zu 15 Jahre vergehen, wobei das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen parallel dazu steigt. Eine erfolgreiche Prävention muss daher schon im prädiabetischen Stadium einsetzen.

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