Praxis aktuell

Anti-Aging-Kosmetik in der Apotheke – mehr Transparenz

Der Markt der Anti-Aging-Kosmetik ist verwirrend, eine Vielzahl von Produkten ist in den letzten Jahren auf den Markt gekommen. Um dem Apotheker den Durchblick zu erleichtern und ihn bei der Beratung seiner Kundinnen (und Kunden) zu unterstützen, hat die Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) eine Leitlinie "Dermokosmetika gegen Hautalterung" erarbeitet. Der nachfolgende Beitrag stellt die Leitlinie vor.

Die Leitlinie "Dermokosmetika gegen Hautalterung" wurde auf der 14. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie e. V. (GD), 22. bis 24. März 2010 in Berlin, von der Fachgruppe Dermokosmetik der Gesellschaft neu erarbeitet.


Der Wunsch, sich bis ins hohe Alter ein attraktives Aussehen zu bewahren, ist weit verbreitet. Viele Menschen – insbesondere Frauen – sind bereit, in "Verjüngungsmaßnahmen" wie Kosmetika oder sogenannte Schönheitsoperationen beträchtliche finanzielle Mittel zu investieren. Auch im Bereich der Apothekenkosmetik hat die Zahl der Anti-Aging-Produkte in den letzten Jahren ständig zugenommen.

Allein aus der Deklaration der Produktbestandteile auf der Verpackung oder den beiliegenden Informationen ist für den Kunden oft nicht genau ersichtlich, ob die ausgewählte Zubereitung die optimale Lösung für sein Hautproblem (z. B. starke Faltenbildung, übermäßige Pigmentierungen) ist. In der Apotheke kann er zu Recht eine gute Beratung auf diesem Gebiet erwarten. Doch auch für Apothekenmitarbeiter ist es oft schwierig, auf Basis der nach Kosmetikrecht recht spärlichen Angaben ein Produkt genau zu beurteilen.

Unterstützung bei der Lösung derartiger Probleme bietet die von der Fachgruppe Dermokosmetik der Gesellschaft für Dermopharmazie unter Leitung von Dr. Tatjana Pavicic, ästhetische Dermatologin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, kürzlich erstellte Leitlinie "Dermokosmetika gegen Hautalterung". Zielgruppe dieses Konsenspapiers sind "Personen, die Dermokosmetika gegen Hautalterung entwickeln, herstellen, prüfen, analysieren, vermarkten und zu ihrer Anwendung beraten". Die Leitlinie basiert auf Recherchen in wissenschaftliche Datenbanken wie PubMed und anderer zugänglicher Fachliteratur.

"Zahlreiche Anti-Aging-Produkte versprechen viel, doch unterstützen oft nur wenige wissenschaftliche Daten die ausgelobte Wirkung."

Zitat aus der Leitlinie

Einteilung in drei Kategorien

Bei ihrer Recherche stellten die Experten nach eigenen Angaben fest, dass es nur sehr wenige und vor allem wenige qualitativ hochwertige Studien gibt, in denen Anti-Aging-Effekte von Inhaltsstoffen und Zubereitungen wissenschaftlich gut dokumentiert sind. Sie verweisen zusätzlich darauf, dass für eine abschließende Bewertung von Kosmetika-Inhaltsstoffen stets der Einfluss der Grundlage mit zu berücksichtigen sei. Daher sei es im Sinne einer evidenzbasierten Dermokosmetik wichtig, dass die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe durch aussagefähige Studien bis hin zu placebokontrollierten, doppelblinden In-vivo-Studien gegen die wirkstofffreie Grundlage belegt werden können. Vor diesem Hintergrund teilten die Experten die in Dermokosmetika gegen Hautalterung eingesetzten Inhaltsstoffe in drei verschiedene Kategorien ein (siehe Tab.).

Tab. Kategorien der GD-Leitlinie "Dermokosmetika gegen Hautalterung"

In vivo belegte Wirksamkeit
In vitro belegte
Wirksamkeit
Keine wiss. belegte Wirksamkeit
PKDB-Studien
Objektivierbare
Methoden keine PKDB
Vitamin A, -Derivate
Vitamin E
Coenzym Q10
Patentgeschützte firmenspezifische Stoffe oder –gemische (häufig basierend auf Vorbildern aus der Natur)
Vitamin C
Niacinamid (Vit. B3)
Polyphenole
Alpha-Liponsäure
DMAE
Polypeptide
Phytohormone
Hyaluronsäure, - Derivate

©Dr. Tatjana Pavicic

Die erste Hauptkategorie umfasst Wirkstoffe, deren Wirksamkeit in vivo an menschlicher Haut nachgewiesen wurde. Innerhalb dieser Kategorie nahm man eine weitere Unterteilung vor – je nachdem, ob der Wirksamkeitsnachweis in placebokontrollierten Doppelblindstudien (PKDB-Studien) oder in sonstigen mit objektivierbaren Methoden durchgeführten Studien erbracht wurde. Zur ersten Unter-Kategorie gehören Vitamin A, und -Derivate, Vitamin C, Alpha-Liponsäure und Polypeptide.

In die zweite Unterkategorie wurden Vitamin E, Niacinamid (Vitamin B3), 2-Dimethylaminoethanol, Phytohormone und Hyaluronsäure und -Derivate aufgenommen, für die noch keine Ergebnisse aus PKBD-Studien vorliegen. Der zweiten Hauptkategorie wurden Wirkstoffe zugeordnet, für die lediglich in vitro "hautverjüngende" Stoffwechseleffekte gezeigt werden konnten (Coenzym Q10, pflanzliche Polyphenole). Die dritte Hauptkategorie umfasst ausgelobte Wirkstoffe, für die es in der wissenschaftlichen Literatur noch keine Wirksamkeitsnachweise gibt. Dabei handelt es sich häufig um patentgeschützte firmenspezifische Stoffe oder Stoffgemische.

Vitamin A und seine Derivate.

Vitamin A (Retinol) kommt als natürliches Antioxidans in der Haut vor. Die biologisch aktive Form (all-trans-Retinsäure, Tretinoin) darf als verschreibungspflichtiger Wirkstoff nicht in Kosmetika enthalten sein. In kosmetischen Mitteln dürfen nur weniger potente Formen von Vitamin A (z. B. Retinylpalmitat, Retinaldehyd) verwendet werden. In der Haut erfolgt die Umwandlung in die biologisch aktive all-trans-Retinsäure. In mehreren PKDB-Studien führte die topische Anwendung von Retinol zu Effekten wie z. B. der signifikanten Verminderung feiner Fältchen, einer signifikanten Reduktion der Faltentiefe oder einer deutlich verbesserten Zusammensetzung der extrazellulären Matrix.

Vitamin C (L-Ascorbinsäure). Dieses Vitamin ist ein Co-Faktor in der Kollagensynthese, gehört zu den am besten untersuchten Anti-Aging-Wirkstoffen. In mehreren placebokontrollierten Doppelblindstudien konnten Effekte wie z. B. eine signifikante Verbesserung der Hauttextur, des Faltenreliefs, der Hautrauigkeit festgestellt werden. Bei topischen Vitamin-C-Zubereitungen ist die Instabilität des Wirkstoffs ein Problem. Werden sie nicht zuverlässig vor Licht- und Lufteinfluss geschützt, kann es bereits wenige Stunden nach Öffnen des Behältnisses zur vollständigen Wirkstoff-Inaktivierung kommen.

Alpha-Liponsäure. Sie ist ein lipophiles Coenzym mit Radikalfänger-Eigenschaften. In einer kleinen PKDB-Studie wurde nach der topischen Applikation eine Reduktion der Hautrauigkeit festgestellt.

Polypeptide. Für das an Palmitinsäure gebundene Polypeptid Palmitoyl-Lysin-Threonin-Threonin-Lysin-Serin (pal-KTTS) konnte gezeigt werden, dass es die Kollagensynthese signifikant erhöhen kann. Einer PKDB-Studie hat für diesen kosmetischen Wirkstoff die Abnahme von Faltentiefe und -dicke belegt.

Vitamin E. Dieses Vitamin (neben freiem Tocopherol findet sich in Dermokosmetika auch Tocotrienol und Vitamin-E-acetat) wird in Konzentrationen von zwei bis 25 Prozent eingesetzt. Zurzeit sind nur wenige Daten zur Wirksamkeit publiziert. Zum Beispiel wurde in einer kleineren klinischen Untersuchung nach vierwöchiger Anwendung eine hautglättende Wirkung gefunden. Aus Mikro- und Nanoemulsionen scheint Vitamin E deutlich besser in die Haut zu penetrieren als aus Wasser-in-Öl-Emulsionen und Vaseline. Die Kombination von Vitamin C und Vitamin E wird als sinnvoll erachtet, da auf molekularer Ebene Vitamin C die Regeneration von Vitamin E aus seiner oxidierten Form unterstützt und sich dadurch die antioxidative Gesamtkapazität erhöht.

Beratungsleitfaden „Welche Creme für welche Haut?“ © Petra Liekfeld

Vitamin B3 und (DMAE). Für Vitamin B3 (Niacinamid) und 2-Dimethylaminoethanol (DMAE) gab es in den letzten Jahren vielversprechende Ergebnisse aus In-vitro- und In-vivo-Studien. Beispielsweise konnten in einer In-vivo-Studie mit einer fünfprozentigen Niacinamid-Creme feine Falten, Hyperpigmentierungen und Hautrötungen signifikant gemindert werden. Die Applikation von dreiprozentigem DMAE im Gesicht führte in einer Studie nach 16 Wochen zu einer Verbesserung von Falten, periokulären Dunkelverfärbungen, Nasolabialfalten sowie zu einer Straffung der Halshaut.

Phytohormone. Ein relativ neuer dermokosmetischer Ansatz ist die topische Applikation von Phytoöstrogenen wie z. B. Isoflavonen (Genestein, Daidzein), Cumestanen und Lignanen. Sie sollen postmenopausalen Hautveränderungen wie z. B. der Abnahme des Kollagengehalts entgegenwirken können. Für eine Isoflavon-haltige Creme konnte in einer Studie eine Faltenreduktion und eine Tonizitätserhöhung gezeigt werden.

Hyaluronsäure und Derivate.

Hyaluronsäure findet sich beim Menschen unter anderem in der Lederhaut, wo sie aufgrund ihres hohen Wasserbindungsvermögens für die Festigkeit und Elastizität des Gewebes sorgt. Untersuchungen zufolge nimmt mit zunehmendem Alter die Hyaluronsäureproduktion des Körpers ab. Hyaluronsäure gehört heute zu den am meisten verwendeten Wirkstoffen gegen Hautalterung. Eine signifikante Zunahme der Hautdicke konnte klinisch belegt werden.

Coenzym Q10 (Ubiquinon).

Ubiquinon ist ein lipophiles Antioxidans, das eine Schlüsselrolle in der Atmungskette besitzt und vom Menschen selbst produziert werden kann. Eine Wirksamkeit konnte bisher lediglich in vitro gezeigt werden.

Pflanzliche Polyphenole. Zu den pflanzlichen Polyphenolen, die in Anti-Aging-Produkten enthalten sind, gehören Anthocyane, Bioflavonoide, Proanthocyanidine, Katechine, Hydroxycynaminsäuren und Hydroxybenzoesäuren. Sie kommen natürlicherweise in z. B. in Rotwein (Anthocyane, Bioflavonoide, Katechine, Hydroxycynaminsäure), Tee (Proanthocyanidine, Katechine,Hydroxybenzoesäure) oder Früchten (Anthocyane, Hydroxybenzoesäure) vor. Kontrollierte Studien, die die Wirkung gegen Hautalterungserscheinungen nach topischer Applikation belegen, fehlen derzeit allerdings noch.

Was sind Dermokosmetika?

Die Gesellschaft für Dermopharmazie hat Dermokosmetika als "kosmetische Mittel definiert, bei denen der kosmetische Anwendungszweck unter Mitberücksichtigung dermatologischer und pharmazeutischer Gesichtspunkte erreicht wird. Da solche kosmetischen Mittel auch unterstützend zur Vorbeugung und Behandlung von Hauterkrankungen eingesetzt und mitunter auf vorgeschädigter Haut angewendet werden, sollten sie bestimmte Vorgaben hinsichtlich ihrer Qualität und Dokumentation erfüllen.

Dermokosmetika gegen Hautalterung sollten pflegende, schützende und aufbauende Eigenschaften aufweisen, um degenerativen Veränderungen der Haut entgegenzuwirken.

Dabei sind Wirksamkeit und Verträglichkeit Voraussetzung für ein sinnvolles und sicheres Dermokosmetikum."

Sonstige ausgelobte Wirkstoffe

In Anti-Aging-Kosmetika sind zahlreiche patentgeschützte firmenspezifische Stoffe oder Stoffgemische (vielfach basierend auf Vorbildern aus der Natur) enthalten, für die bei der Erarbeitung der Leitlinie mit den angewandten Suchkriterien keine wissenschaftlich belegte Wirksamkeit gefunden werden konnte. Dazu zählen beispielsweise Zubereitungen aus Pimpinella anisum, Buddleja axillaris, Calendula, Fagus sylvestris und Guggulu (Commiphora mukul) sowie Oliven- und Mandelöl.

Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

 


Quellen: Dr. med Tatjana Pavicic, München, Petra Liekfeld, Saarbrücken: Vorträge im Rahmen des Symposiums "Dermokosmetika gegen Hautalterung" der GD-Fachgruppe Dermokosmetik auf der 14. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie, Berlin, 24. März 2010.

 

Leitlinie "Dermokosmetika gegen Hautalterung", Hrsg. GD Gesellschaft für Dermopharmazie e.V., www.gd-online.de

Internet


Die Leitlinie "Dermokosmetika gegen Hautalterung" der Gesellschaft für Dermopharmazie e. V., findet man im Internet unter www.gd-online.de

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.