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Gute Beratung für Eltern und Kinder

Wer als Einzelkind aufgewachsen ist, hatte nie die Chance mitzuerleben, wie einem Geschwisterchen mühevoll ein Fieberzäpfchen oder ein Antibiotikum verabreicht wurde. Daher fällt diesen Menschen beim eigenen Kind die Arzneimittelgabe oft doppelt schwer, erläuterte Constanze Schäfer, Mülheim/Ruhr, auf einer Fortbildungsveranstaltung in Berlin. Eine gute Beratung in der Apotheke kann dazu beitragen, diese Defizite zu überwinden und damit letztlich die Wirksamkeit der verordneten Medikamente zu erhöhen.
Nicht immer reichen die Informationen im Beipackzettel für die richtige Anwendung eines Kinderarzneimittels aus. Zusatzhinweise aus der Apotheke werden daher von Eltern dankbar angenommen.
Foto: ABDA

"Für die Beratung von Eltern gibt es keine Patentlösung – man muss sich immer wieder neu auf die Situation einstellen", betonte Schäfer. Denn Eltern kranker Kinder sind nicht nur in Sorge, sondern häufig auch gestresst, nervös, unsicher oder überfordert. Häufig stehen sie vor der Herausforderung, ihrem Kind das Arzneimittel gegen seinen Willen zu verabreichen. In der Apotheke muss dies berücksichtigt werden; die Beratung sollte daher empathisch, laien- und migrantengerecht, aber dennoch zielgerichtet sein. Auch die kleinen Patienten können einbezogen werden, wobei berücksichtigt werden sollte, dass die Kommunikation mit Kindern altersabhängige Besonderheiten aufweist. Erst mit etwa neun Jahren sind sie beispielsweise in der Lage zu begreifen, dass die Einnahme eines Arzneimittels ihre Beschwerden lindern kann.

Beipackzettel hilft oft nicht weiter

Schäfer bedauerte, dass viele Gebrauchsinformationen nicht alle Informationen zur richtigen Anwendung des entsprechenden Arzneimittels enthalten. Daher können Zusatzhinweise aus der Apotheke sehr hilfreich sein. Relativ wenig bekannt ist beispielsweise, dass sich Suppositorien mit dem stumpfen Ende voran leichter einführen lassen. Danach drückt man die Pobacken des Kindes kurzzeitig zusammen, um ein reflexhaftes Herauspressen des Zäpfchens zu vermeiden. Nach etwa 15 Minuten sollte kontrolliert werden, ob das Zäpfchen eventuell wieder herausgerutscht ist.

Wichtig ist auch, dem Kind während des "Angriffs von hinten" ein Gefühl der Sicherheit zu geben, zum Beispiel durch das Zudecken mit einer Decke oder die "Gesellschaft" des Lieblings-Kuscheltieres. Ältere Kinder können aufgefordert werden, vor der Zäpfchengabe tief einzuatmen – diese "Mitarbeit" kann die Angst verringern. Tritt innerhalb von 30 Minuten nach der Applikation Durchfall auf, sollte eine weitere Dosis verabreicht werden.

Viele Fehlerquellen bei Trockensaft-Zubereitung

Ein weiteres beratungsintensives Thema sind Antibiotika-Säfte. Die Angaben und Erläuterungen in den Packungsbeilagen sind auch hier nicht immer hilfreich oder sogar kontraproduktiv. Beispielsweise könnte die Abbildung einer Medizinflasche unter einem Wasserhahn, wie sie im Beipackzettel eines Clarithromycin-Trockensaftes zu finden ist, Eltern dazu verleiten, das Wasser direkt aus dem Hahn in die Flasche zu füllen. Gelegentlich kann auch der Hinweis sinnvoll sein, dass Milch oder Säfte zur Zubereitung von Antibiotika ungeeignet sind. Heute liegen vielen Antibiotika-Präparaten für Kinder zur leichteren Applikation Dosierpipetten bei. Da die Suspensionen durchweg klebrig sind, ist es wichtig, die Pipette unmittelbar nach der Applikation mit warmem Wasser gründlich auszuspülen (dazu den Kolben komplett herausziehen) und anschließend an der Luft trocknen zu lassen. Keinesfalls dürfen Dosierhilfen in der Spülmaschine gereinigt werden.

Nicht "austricksen", sondern belohnen

Antibiotika-Säfte werden vor allem von kleinen Kindern häufig ungern eingenommen. Ein Grund dafür ist deren geringe Geschmackstoleranz. Um den bitteren Geschmack einiger Wirkstoffe zu überdecken, enthalten manche Präparate (z. B. Klacid® , Ciprobay®) Mikropellets. Diese werden zerstört, wenn das Kind auf der Suspension "kaut"; daher sollte das Kind die Dosis möglichst schnell schlucken und mit seinem Lieblingsgetränk "nachspülen". Wenn sich die Verabreichung einer oralen Zubereitung als sehr schwierig erweist, kann eventuell eine in Aussicht gestellte Belohnung (z. B. ein Kinobesuch) helfen. Bei Säuglingen wird das Schlucken der Dosis durch leichtes Streichen am Hals in Abwärtsrichtung unterstützt, so Schäfer.

Verabreichung von Augen-, Ohren- und Nasentropfen

Auch bei der Gabe von Augentropfen ist es manchmal ratsam, ein Getränk bereitzuhalten. Denn Zubereitungen mit den bitter schmeckenden Wirkstoffen Chloramphenicol, Norfloxacin oder Azelastin können beim Abfluss über den Tränen-Nasen-Kanal in den Mundraum gelangen.

Nach dem Einträufeln von Ohrentropfen sollte das Kind etwa fünf Minuten auf der Seite liegen bleiben, was meist schwerfällt. Daher kann den Eltern der Tipp gegeben werden, für diese Zeit eine Beschäftigung (z. B. Vorlesen) vorzubereiten. Positiv kann sich auch die "Mitarbeit" des Kindes bei der Verabreichung von Arzneiformen auswirken, z. B. indem man das Kind bittet, das Augen- oder Ohrentropfen-Fläschchen vor der Gabe in seinen Händen zu erwärmen. Bei der Verabreichung eines Nasensprays können Kinder dazu animiert werden, während des Einsprühens "hochzuziehen".

Applikation von Asthmasprays

Eine besondere Herausforderung stellt die Applikation von Asthma-Sprays bei Kindern dar. Bei Babyspacern mit Gesichtsmaske sollten Eltern darauf aufmerksam gemacht werden, die Maske sanft, aber dennoch fest auf das Gesicht zu drücken. Das Kind sitzt während der Applikation am besten auf dem Schoß eines Elternteils mit dem Rücken am Bauch des Erwachsenen. Einmal wöchentlich sollten Spacer und Mundstücke mit etwas Spülmittel gereinigt und an der Luft vollständig getrocknet werden. Beim Babyhaler® ist es wichtig, beim Zusammensetzen auf den korrekten Einbau der beiden Ventile zu achten, erläuterte Schäfer. Zwischen dem fünften und achten Lebensjahr kann dann auf ein reguläres Mundstück umgestellt werden.

Quelle Apothekerin Dr. Constanze Schäfer, Mülheim/Ruhr: "Beratungsaspekte zur Anwendung ausgewählter kindgerechter Arzneiformen." Vortrag auf dem 14. Fortbildungstag der Apothekerkammer Berlin "Kinder und Jugendliche in der Apotheke", Berlin, 7. März 2010.

 


Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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