Arzneimittel und Therapie

Corifollitropin alfa zur ovariellen Stimulation

Das gentechnisch hergestellte Corifollitropin alfa (Elonva®) ist ein modifiziertes follikelstimulierendes Hormon (FSH, Follitropin). Es ist seit dem 1. April 2010 im Handel und wird zur kontrollierten ovariellen Stimulation bei Frauen angewendet, die sich einer Fertilitätsbehandlung unterziehen, um die gleichzeitige Entwicklung von mehr als einer reifen Eizelle in den Eierstöcken anzuregen.

Rekombinantes Follitropin wird eingesetzt, um eine multiple Follikelentwicklung bei ärztlich assistierten Reproduktionsprogrammen, beispielsweise bei der In-vitro-Fertilisation, zu fördern. Da die Halbwertszeit von FSH relativ kurz ist, müssen die entsprechenden Präparate täglich subkutan injiziert werden.

Lang wirksames FSH

Jetzt kommt mit Corifollitropin alfa ein lang wirkendes Follikelstimulans auf den Markt. Corifollitropin alfa ist eine Modifikation des Hypophysenvorderlappen-Hormons FSH oder Follitropin. Das Glykoprotein wird mittels rekombinanter DNA-Technologie in Ovarialzellen des chinesischen Hamsters (CHO) hergestellt.

Corifollitropin alfa besitzt das gleiche pharmakodynamische Profil wie rekombinantes FSH, jedoch mit einer deutlich verlängerten Aktivität. Die verlängerte Wirkungsdauer wurde erreicht, indem das carboxyterminale Peptid der Beta-Untereinheit des humanen Choriongonadotropins hCG an die Beta-Kette des humanen FSH gekoppelt wurde.

Einmalige Injektion in einem Zyklus

Die Halbwertszeit von Corifollitropin alfa ist zwei- bis dreimal länger als die des natürlichen FSH, und seine Wirkung hält eine Woche an. Eine einzige subkutane Injektion der empfohlenen Dosis kann damit die ersten sieben täglichen Injektionen jedes rekombinanten FSH-Präparats in einem Behandlungszyklus ersetzen.

Corifollitropin alfa® wird während eines Behandlungszyklus in der frühen Follikelphase einmal als subkutane Einzelinjektion, vorzugsweise in die Bauchdecke, verabreicht. Bei Frauen mit einem Körpergewicht unter 60 kg beträgt die Einzeldosis 100 Mikrogramm, bei Frauen mit einem Körpergewicht über 60 kg 150 Mikrogramm. Die Patientin oder ihr Partner können die Injektion selbst durchführen.

Vier oder fünf Tage nach der Injektion, je nachdem, wie die Eierstöcke angesprochen haben, wird eine Behandlung mit einem GnRH-Antagonisten eingeleitet. Damit soll verhindert werden, dass die Eierstöcke die Eizellen zu früh freisetzen. Sobald drei Eizellen kurz vor der Reifung stehen, erfolgt schließlich eine einzelne Injektion von humanem Choriongonadotropin (hCG), damit die reifen Eizellen freigesetzt werden. Die Eizellen werden im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs entnommen. Sie werden anschließend in einem Labor befruchtet, und der resultierende Embryo wird in die Gebärmutter implantiert.

Vergleichbar wirksam wie Follitropin beta

In zwei Studien mit 1905 Frauen, bei denen eine Stimulation der Eierstöcke durchgeführt werden musste, wurde die Behandlung mit Elonva® mit einer Behandlung mit Follitropin beta verglichen. Der Hauptindikator für die Wirksamkeit war in beiden Studien die durchschnittliche Anzahl der Eizellen, die jeder Frau nach der Behandlung entnommen wurden. In einer der Studien gab es einen weiteren Indikator für die Wirksamkeit, nämlich die Anzahl der Frauen, die schwanger wurden, die andere Studie war nicht groß genug, um aussagekräftige Schlussfolgerungen hinsichtlich der resultierenden Schwangerschaften zu ziehen.

Die Behandlung mit Corifollitropin alfa war genauso wirksam wie eine Behandlung mit Follitropin beta. In der Studie mit über 60 kg schweren Frauen wurden jeder Patientin in der mit Corifollitropin alfa behandelten Gruppe durchschnittlich 13,7 Eizellen entnommen, in der mit Follitropin beta behandelten Gruppe waren es 12,5 Eizellen. 39% der Patientinnen, die Corifollitropin alfa erhalten hatten, wurden schwanger, und 38% der mit Follitropin beta behandelten Frauen. In der Studie bei Frauen mit einem Gewicht von höchstens 60 kg wurden jeder Patientin in der mit Corifollitropin alfa behandelten Gruppe durchschnittlich 13,3 Eizellen entnommen, den mit Follitropin beta behandelten Patientinnen 10,6 Eizellen.

Nebenwirkung: ovarielles Hyperstimulationssyndrom

Die häufigsten Nebenwirkungen in klinischen Studien waren ein ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS, 5,2%), Schmerzen (4,1%) und Beschwerden (5,5%) im Beckenbereich, Kopfschmerzen (3,2%), Übelkeit (1,7%), Erschöpfung (1,4%) und Brustbeschwerden (1,2%). Darüber hinaus kam es zu ektopischen Schwangerschaften, Fehlgeburten und Mehrlingsschwangerschaften.

Corifollitropin alfa darf nicht bei Patientinnen mit Tumoren im Eierstock, in der Brustdrüse, in der Gebärmutter, in der Hypophyse oder im Hypothalamus angewendet werden. Weitere Kontraindikationen sind primäre Ovarialinsuffizienz, vergrößerte Eierstöcke sowie Ovarialzysten oder ovarielles Hyperstimulationssyndrom in der Krankengeschichte.

Da die Elimination von Corifollitropin alfa bei Patientinnen mit Niereninsuffizienz eingeschränkt sein kann, wird die Anwendung von Corifollitropin alfa bei diesen Frauen nicht empfohlen. Der Leberstoffwechsel ist nur in geringem Ausmaß an der Elimination von Corifollitropin alfa beteiligt. Daher ist es unwahrscheinlich, dass eine Einschränkung der Leberfunktion die Elimination von Corifollitropin alfa beeinflusst. Da Corifollitropin alfa kein Substrat der Cytochrom-P450-Enzyme ist, sind keine metabolischen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln zu erwarten. hel


Literatur

Fachinformation zu Elonva® , Stand Januar 2010.

Devroey, P., et al.: A double-blind non-inferiority, randomized controlled trial comparing corifollitropin alfa and recombinant FSH during the first seven days of ovarian stimulation using a GnRH antagonist protocol. Hum. Reprod. 2009; 24(12): 3063 – 72.

Steckbrief: Corifollitropin alfa


Handelsname: Elonva

Hersteller/Vertrieb: Essex Pharma, München

Einführungsdatum: 1. April 2010

Zusammensetzung: Jede Fertigspritze enthält 100 bzw. 150 Mikrogramm Corifollitropin alfa in 0,5 ml Injektionslösung. Sonstige Bestandteile: Natriumcitrat, Sucrose, Polysorbat 20, Methionin, Natriumhydroxid (zur pH-Einstellung), Salzsäure (zur pH-Einstellung), Wasser für Injektionszwecke.

Packungsgrößen, Preise und PZN: 1 Fertigspritze mit 100 Mikrogramm: 917,81 Euro, PZN 0837790; 1 Fertigspritze mit 150 Mikrogramm, 971,86 Euro, PZN 0837809.

Stoffklasse: Sexualhormone und Modulatoren des Genitalsystems, Gonadotropine. ATC-Code: G03GA09.

Indikation: Zur kontrollierten ovariellen Stimulation in Kombination mit einem GnRH-Antagonisten zur Entwicklung mehrerer Follikel bei Frauen, die an einem Programm der assistierten Reproduktionstechnik teilnehmen.

Dosierung: Eine Einzeldosis von 100 (Körpergewicht unter 60 kg) oder 150 Mikrogramm (Körpergewicht über 60 kg) als subkutane Injektion vorzugsweise in die Bauchdecke, während eines Behandlungszyklus in der frühen Follikelphase.

Gegenanzeigen: Tumoren der Ovarien, der Brust, des Uterus, der Hypophyse oder des Hypothalamus; abnormale (nicht menstruelle) vaginale Blutungen ohne bekannte/diagnostizierte Ursache; primäre Ovarialinsuffizienz; Ovarialzysten oder vergrößerte Ovarien; ovarielles Überstimulationssyndrom in der Anamnese; vorangegangener Behandlungszyklus, der zu mehr als 30 Follikel ≥11mm führte; Ausgangszahl antraler Follikel >20; Uterusmyome oder Missbildungen von Geschlechtsorganen, die eine Schwangerschaft nicht zulassen.

Nebenwirkungen: Ovarielles Überstimulationssyndrom, Schmerzen und Beschwerden im Beckenbereich, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erschöpfung und Brustbeschwerden.

Wechselwirkungen: Da Corifollitropin alfa kein Substrat der Cytochrom-P450-Enzyme ist, sind keine metabolischen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln zu erwarten.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen: Vor Behandlungsbeginn sollten die Frauen hinsichtlich Schilddrüsenunterfunktion, Nebennierenrindeninsuffizienz, Hyperprolaktinämie und Tumoren der Hypophyse oder des Hypothalamus untersucht werden. Bei Frauen mit dem Syndrom polyzystischer Ovarien (PCOS) wird die Anwendung von Corifollitropin alfa nicht empfohlen. Frauen mit bekannten Risikofaktoren für ein starkes Ansprechen der Ovarien könnten besonders anfällig sein für die Entwicklung eines ovariellen Überstimulationssyndroms während oder nach der Behandlung mit Corifollitropin alfa, eine sorgfältige Überwachung wird empfohlen. Bei Frauen mit Risikofaktoren für thromboembolische Ereignisse kann eine Behandlung mit Gonadotropinen dieses Risiko weiter erhöhen.

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