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Rabattverträge: Gerade für ältere Patienten ein Problem

POTSDAM (ks). Knapp 200 Apothekerinnen und Apotheker aus Brandenburg trafen sich vergangenes Wochenende in Potsdam zum jährlichen Fortbildungswochenende ihres Verbandes und ihrer Kammer. Im Fokus stand der geriatrische Patient. Im Vorfeld der Veranstaltung machten Kammer und Verband auf die besonderen Probleme der Rabattverträge bei Senioren aufmerksam.
Besondere Betreuung benötigen ältere Patienten in der Apotheke auch in puncto Rabattverträgen.
Foto: ABDA

Überall in Deutschland sind Apotheker und ihre Mitarbeiter engagiert in der Fortbildung. Dennoch hat die Stiftung Warentest einer Reihe von Apotheken gerade letzte Woche einmal wieder Mängel in der Beratung attestiert. Die Geschäftsführerin der Landesapothekerkammer Brandenburg, Kathrin Fuchs, will daher die Methoden des Tests noch einmal genauer betrachtet wissen. So könne es manchmal richtig sein, auf "weniger schwerwiegende Nebenwirkungen" in einem Beratungsgespräch nicht einzugehen, wenn dies den Patienten verunsichern und die Therapie gefährden würde. Fuchs und ihr Kollege vom Apothekerverband, Michael Klauß, sind mit den Ergebnissen des jüngsten Apothekentests nicht zufrieden, sehen aber "ein Stück Qualitätsentwicklung nach oben". Für einige Fehlleistungen haben Kammer und Verband allerdings keine Entschluldigung. So sei es eine "grobe Pflichtverletzung", wenn ein Apotheker das Herstellen einer Rezeptur abgelehnt habe, erklärte Klauß. Dem werde die Kammer nachgehen, wenn bekannt sei, um wen es sich handelt.

Kassen akzeptieren "pharmazeutische Bedenken"

Fuchs verwies zudem auf die Rabattverträge, die in der Beratung nach wie vor viel Zeit beanspruchten. Nicht zuletzt bei älteren und multimorbiden Patienten sei die Aufklärung von besonderer Bedeutung. Ihr ist es ein Dorn im Auge, dass mit den Rabattverträgen Kompetenzen des Arztes und des Apothekers auf die Krankenkasse übertragen werden. Klauß betonte, dass ein Apotheker pharmazeutische Bedenken anmelden könne, wenn er erkenne, dass eine Umstellung auf ein Rabattarzneimittel zu Schwierigkeiten führen wird – etwa weil die Darreichungsform angesichts eingeschränkter Sehkraft oder versteifter Fingergelenke des Patienten ungeeignet ist. "Bislang akzeptieren die Kassen in Brandenburg diese Praxis", so Klauß.

Nachwuchsmangel in der Fläche

Fuchs betonte zudem, dass sich insbesondere in den Regionen östlich von Berlin ein Nachwuchsmangel bei Apothekern bemerkbar mache. In Berlin biete nur noch eine Universität den Studiengang Pharmazie an, in Brandenburg gar keine. Zudem gebe es die Ausbildung zum Pharmazie-Ingenieur nicht mehr. Wenn die nun noch tätigen Pharmazie-Ingenieure in Rente gingen, werde es eng. Daher regen die Standesorganisationen an, auch in Brandenburg Pharmazeuten auszubilden.

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