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"Keine Kompetenz ohne Verantwortung”

Zur Hauptmitgliederversammlung der Apothekengewerkschaft trafen sich am 24. April rund 50 Beiräte und Delegierte aus den Landes- und Fachgruppen, um mit dem Vorstand die berufspolitischen Ziele und eine Weiterentwicklung der Organisationsstruktur festzulegen. Als Gast sprach ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf am Beginn der Veranstaltung über die aktuellen Ziele der ABDA und die gesundheitspolitischen Pläne der Bundesregierung. Am 25. April fand dann in einem etwas kleineren Kreis die ADEXA-Frühjahrssitzung statt.
Heinz-Günter Wolf Foto: ADEXA/mvdh

Arzneimittel – kein klassischer Markt

Als Zeichen der Wertschätzung für die Angestellten bewertete ADEXA’s Erste Vorsitzende Barbara Neusetzer die Teilnahme von Heinz-Günter Wolf, was dieser ausdrücklich bestätigte. Wolf gab in seinem Referat zunächst einen Überblick über die Player im Arzneimittelmarkt und die wichtigsten Entwicklungsschritte der letzten Jahre, beginnend mit der preisunabhängigen Apothekenvergütung über das Verbot von Herstellerrabatten an die Apotheker bis hin zu einer künftigen Fokussierung auf das Versorgungsmanagement. Die Rabattverträge würden voraussichtlich auf lange Sicht "abfaulen”, denn die von der FDP geforderte Aufzahlung für höherpreisige Arzneimittel durch Patienten werde ihnen die Rechtsgrundlage entziehen. Außerdem werde die Politik die sich abzeichnende Bildung von Oligopolen auf Anbieterseite nicht dulden, so Wolfs Prognose. Allerdings sei es richtig, dass die Preisabsprachen auch in Zukunft zwischen Herstellern und Kassen geführt würden.

Statt der Rabattverträge in ihrer jetzigen Form macht sich die ABDA für ein Ziel- oder Garantiepreismodell stark, das kassenübergreifend und bundesweit abgeschlossen werden soll. Dabei können die Apotheken innerhalb eines Preiskorridors zusammen mit dem Patienten ein therapeutisch und preislich günstiges Medikament auswählen. Dadurch würde die Compliance verbessert und so ein großes Problem der aktuellen Verträge behoben.

Die von Gesundheitsminister Rösler geplanten Zwangsrabatte für Arzneimittel ohne Festbetrag werden aller Voraussicht nach schon zum 1. August 2010 in Kraft treten, so Wolf.

Solidarprinzip beibehalten

Wolf nahm auch zu den Plänen der Koalition für die Einnahmeseite der Krankenversicherung Stellung (Stichwort Kopfpauschale). Durch die demografische Entwicklung werden sich in 20 Jahren statistisch ein Einzahler und ein Nichteinzahler gegenüberstehen, so Wolf. Experten rechnen mit Beitragssätzen von 43 Prozent für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Künftig müsse daher der Staat mehr Steuern ins Gesundheitssystem leiten. Aber es müsse auch über den Leistungskatalog diskutiert werden. "Priorisierung darf kein Tabuthema bleiben." Den Arbeitgeberanteil "einzufrieren" hält Wolf dagegen für "Unsinn".

Die Politik gehe für die ferne Zukunft von einer zunehmenden "Europäisierung” des Kassensystems aus, bei dem die Grenzen zwischen GKV und PKV verschwimmen und die Versicherten sich ihre Policen auf einem grenzüberschreitenden Anbietermarkt besorgen.

In der nachfolgenden lebhaften Diskussion ging es u. a. um das für die Apothekenteams leidige Thema der Hilfsmittellieferverträge, wo sich Apotheken zunehmend dem Wettbewerb mit Herstellern und anderen Branchen ausgesetzt sehen.

Diskutiert wurde auch über den Nachwuchsmangel in der Pharmazie und Probleme im Ausbildungsbereich. Das betrifft mittlerweile nicht nur die Approbierten. Besonders (aber nicht nur) im Osten erhalten PTA-Praktikanten vielfach keine Ausbildungsvergütung – ein Thema, dem sich Wolf im Rahmen der nächsten ABDA-Sitzungen anzunehmen versprach. "Ich finde das unanständig”, stellte Wolf klar.

Außerdem wurde ihm von Aktiven aus Sachsen die weit untertarifliche Bezahlung im Freistaat vorgetragen.

Aus der ADEXA-Fachgruppe PTA erging der Wunsch an Wolf, bei künftigen ABDA-Werbekampagnen auch die nicht approbierten Apothekenberufe mit zu berücksichtigen.

Strukturelle Neuausrichtung

Im Anschluss an den berufspolitischen Einstieg wurde über diverse Satzungsänderungen abgestimmt, die die verschiedenen Organe von ADEXA und auch die künftigen Hauptmitgliederversammlungen betreffen.

Barbara Neusetzer und Tanja Kratt, Erste und Zweite Vorsitzende von ADEXA, berichteten über die Arbeit des Vorstandes und gaben einen Überblick über die tariflichen Aufgaben des laufenden Jahres. Unter anderem ist ein Tarifvertrag zur arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Altersvorsorge mit dem ADA in Vorbereitung. Außerdem trägt das Netzwerk mit anderen europäischen Gewerkschaften Früchte: Ein Beispiel ist der hochkarätig besetzte "Fortbildungstag ohne Grenzen” am 25. September in Innsbruck. In der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit werden zunehmend neue Wege beschritten, mit denen insbesondere jüngere Zielgruppen angesprochen werden (Nutzung von Social Media wie Twitter u. a.).

Der Vorstand ehrte mehrere Ehrenamtliche für ihr langjähriges Engagement in den Landesvorständen und im ehrenamtlichen Vorstand. Aber auch allen anderen Aktiven sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt, die durch ihre Teilnahme an diesem Wochenende oder bei diversen anderen Aufgaben ihre Freizeit für die Gewerkschaft und die Interessen der Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stellen!

Aus den Fachgruppen

Aus der ADEXA-Fachgruppe PKA berichtete Ulla Odendahl über die PKA-Ausbildungsnovellierung, die auf einem guten Wege sei (siehe auch DAZ 12, S. 108).

Ingrid Heberle, Leiterin der Fachgruppe PTA, warb noch einmal für den PTA-Tag am 8. Mai in Berlin und plant ein weiteres Fachgruppentreffen in der zweiten Jahreshälfte. Auch für die PTA steht eine Novellierung der Ausbildungsordnung an, die sich allerdings aufgrund der großen Zahl der Beteiligten langwieriger gestaltet.

Aus der Fachgruppe der Pharmazieingenieure berichtete Birgit Engelmann über den erfolgreichen PI-Tag 2009 in Leipzig und die anlaufende Planung für den Herbst 2010.

Eva-Maria Plank, Leiterin der FG ApothekerInnen, berichtete u. a. von den Planungen für den Deutschen Apothekertag 2010 in München. Weitere approbierte Mitglieder sind herzlich zur Kontaktaufnahme und Mitarbeit eingeladen.


Dr. Sigrid Joachimsthaler

Wünsche zum 1. Mai


"Ich wünsche mir, dass alle Angestellten in der Apotheke wieder mit geschwellter Brust und erhobenen Hauptes vor die Bevölkerung treten, weil sie einen verdammt guten Job machen."
Vanessa Meiler

"Ich wünsche, dass die verantwortungsvolle Arbeit in der Apotheke mehr Anerkennung durch die Arbeitgeber findet und Mitarbeiterführungskurse für Apothekenleiter eine Selbstverständlichkeit werden."
Dr. Mana Madjpour

"Ich wünsche mir viele Arbeitgeber, die das Format ihrer Angestellten erkennen, fördern und im wahrsten Sinne wertschätzen."
Ulla Odendahl

"Ich wünsche mir angemessene Gehälter für alle Angestellten in Apotheken, weg von den "Frauen-Hinzuverdiener-Gehältern", damit man gut davon leben und eine Familie versorgen kann."
Ingrid Heberle

"Ich wünsche mir, dass man wieder mehr Courage zeigt und am 1. Mai bei örtlichen Kundgebungen mitmacht, denn nur gemeinsam sind wir stark!"
Birgit Engelmann

"Ich wünsche mir eine gerechte Tarifpolitik und einen starken Sozialstaat. Für beides tritt ADEXA ein."
Gisela Haubitz

Online-Umfrage zu den neuen Rabattverträgen


Am 1. April sind neue Rabattverträge mit über 80 Wirkstoffen in Kraft getreten. ADEXA bittet Sie dazu um Ihre Bewertung zum Ausmaß der Probleme bei der Beratung und Belieferung. Den Online-Fragebogen finden Sie auf unserer Homepage

www.adexa-online.de.
Die Teilnehmer der Hauptmitgliederversammlung Foto: ADEXA/mvdh

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